London –

Im Zeichen der Brüderlichkeit

Beim Gastspiel der Franzosen in Wembley sollen die Engländer nach dem Terroranschlag Solidarität mit dem Rivalen zeigen

London.  Es soll ein Symbol für die Verbundenheit mit Frankreich werden: Aus 90.000 Kehlen soll vor dem Spiel der Équipe Tricolore am Dienstag gegen England (20 Uhr, MEZ) die berühmte Marseillaise erklingen. Ob englische Fans oder neutrale Zuschauer, ob französische Spieler oder die Mannschaft aus dem Mutterland. Im berühmten Wembleystadion soll die Fußball-Welt vier Tage nach den schrecklichen Attentaten von Paris und Saint-Denis französisch sprechen. Zudem wird der Bogen über dem Wembleystadion in den französischen Farben Blau, Weiß und Rot leuchten, auf Videotafeln außerhalb und in der Arena sollen die drei Worte „Liberté, Egalité, Fraternité“ aufleuchten.

„Wembley öffnet seine Arme für ein Land in Trauer“, titelte die „Times“ am Montag. Dass das Match nach dem Schock von Paris überhaupt stattfindet, bezeichnet Innenministerin Theresa May als Zeichen, dass „die Terroristen nicht gewinnen werden“. „Das Spiel wird eine ernsthafte Angelegenheit, aber eine, die zeigt, dass die Fußball-Welt vereint ist gegen solche Grausamkeiten“, betonte Englands Coach Roy Hodgson. Beide Mannschaften werden mit Trauerflor spielen, am Montag schlossen sich die englischen Spieler sowie ihre Betreuer vor einer Trainingseinheit auf dem Gelände von Tottenham Hotspur einer europaweiten Schweigeminute für die Opfer der Anschläge an. Der Text der französischen Nationalhymne soll auf den Leinwänden im Stadion für alle zum Mitsingen eingeblendet werden. „Das wird ein historischer Moment voller Emotionen“, schrieb die Sportzeitung „L’Équipe“.

Wie der britische „Telegraph“ berichtet, planen die Spieler der englischen Mannschaft zudem eine gemeinsame Aktion für ihre Kollegen aus Frankreich. Nicht wenige aus dem Team des Gastgebers der EM im kommenden Jahr verdienen auf der Insel in der Premier League ihr Geld.

Die französiche Mannschaft traf am Montagmittag im Hotel Hilton in Wembley ein. Mit dabei waren auch Mittelfeldspieler Lassana Diarra, der bei den Attentaten seine Cousine verloren hatte, und Antoine Griezmann, dessen Schwester dem Anschlag auf die Konzerthalle Bataclan entkommen war. Nationaltrainer Didier Deschamps hatte es jedem der 23 Spieler, die bereits für das Spiel am Freitag gegen Deutschland nominiert waren, freigestellt, nach London mitzureisen. Reaktionen aus der Mannschaft auf die Entscheidung, die Partie wie geplant auszutragen, gab es auch bis Montagmittag nicht. Seit dem 2:0 gegen Deutschland, der angesichts von mindestens 129 Toten und über 350 Verletzten keinerlei Bedeutung mehr hat, äußerte sich keiner der Akteure öffentlich. „Ich verstehe die Emotionen der Spieler“, sagte Frankreichs Verbandschef Noel Le Graet in einem Interview der „L’Équipe“. Die Idee sei aber von allen akzeptiert worden. Le Great meinte, dass die Spieler Wettkämpfer seien, sobald sie auf dem Spielfeld sind. Ob das in diesem Falle so einfach ist, darf bezweifelt werden.

Unter erhöhten Sicherheitsmaßnahmen wird das letzte Länderspiel der Franzosen und Engländer in diesem Jahr stattfinden. Die Fans sind bereits angehalten, früher als sonst zu kommen, weil die Kontrollen mehr Zeit in Anspruch nehmen könnten. Seit 92 Jahren spielen Frankreich und England gegeneinander Fußball, die Partie am Dienstag im Wembleystadion ist das 30. Duell. Rund 1400 französische Schlachtenbummler werden erwartet. „Es ist sehr wichtig, dass wir unser normales Leben fortsetzen“, sagte Premierminister David Cameron.