Korruption

Der nächste Leichtathletik-Skandal kommt aus Kenia

Drei hohe Verbandsfunktionäre haben sich privat bereichert und wurden von der Polizei vernommen. Unterdessen plant Russland Reformen.

Massai-Krieger empfangen am Flughafen von Nairobi die Medaillengewinner der Leichtathletik-Weltmeisterschaften von Peking. Das Geld für den Verband haben sich Funktionäre eingesteckt

Massai-Krieger empfangen am Flughafen von Nairobi die Medaillengewinner der Leichtathletik-Weltmeisterschaften von Peking. Das Geld für den Verband haben sich Funktionäre eingesteckt

Foto: Kevin Midigo / picture alliance / AP Photo

Berlin.  In diesem Sommer hat ein Regierungsbericht das Dilemma Kenias beziffert. Das ostafrikanische Land kann derzeit nur 1,3 Prozent seiner Staatsausgaben von rund zehn Milliarden US-Dollar belegen, bei 99 Prozent weiß also niemand genau, wohin das Geld floss. Angesichts solcher Zahlen wird kaum verwundern, dass auch Leichtathletik-Funktionäre Korruption zur Lebensgrundlage machten. Doch drei von ihnen sind nun international aufgeflogen.

Laut „Sunday Times“ haben drei kenianische Funktionäre sich mit fast 700.000 US-Dollar privat bereichert. Das Geld sei ursprünglich von Sponsor Nike an den nationalen Verband überwiesen worden. Ein Sprecher des Weltverbandes IAAF bestätigte am Sonntag, dass in dem Fall bereits die Ethikkommission eingeschaltet wurde.

Harting: „Kenia oder Jamaika unter die Lupe nehmen“

Neben David Okeyo, Vizepräsident des kenianischen Verbandes und auch Mitglied des IAAF-Councils, sollen sich auch Verbandspräsident Isaiah Kiplagat und ein weiterer kenianischer Funktionär bereichert haben. Laut „Sunday Times“ sollen sie dazu bereits von der kenianischen Polizei vernommen worden sein.

Nachdem der frühere IAAF-Chef Lamine Diack (Senegal) Dopingfälle russischer Sportler gegen Geld vertuschte (und von der französischen Justiz wegen Bestechlichkeit und Geldwäsche inzwischen dafür angeklagt worden ist), liegt bei vielen der Verdacht nahe, dass Ähnliches auch in Ländern wie Kenia passiert sein könnte.

„Jetzt müsste man auf jeden Fall auch schauen, dass man über Russland hinaus die vermeintlichen anderen Keimzentren wie Kenia oder Jamaika auch mal genauer unter die Lupe nimmt und so gleich zum großen Reinigungsgang ansetzt“, forderte etwa Berlins Diskus-Olympiasieger Robert Harting. Kenia hatte bislang nicht einmal eine Nationale Anti-Doping-Agentur, will diese nun aber schnell einrichten.

Russland will seine Suspendierung nach 90 Tagen beenden

Aktiv wird nach der Suspendierung von allen internationalen Wettkämpfen auch Russland. Die Sportgroßmacht plant zügige Reformen, um den Bann vor Olympia 2016 in Brasilien beenden zu können. Als Konsequenz aus dem Dopingskandal soll die gesamte Führungsriege im russischen Verband ausgewechselt werden. Auf einer Sondersitzung am 16. Januar will man neue, unbelastete Funktionäre wählen.

Mittelstrecken-Olympiasiegerin Swetlana Masterkowa will sich um den Chefposten bewerben, auch eine Kandidatur von Stabhochspringerin Jelena Issinbajewa wird diskutiert. Selbst Sportminister Witali Mutko setzt inzwischen lieber auf Kooperation.

„Ich bin sicher, dass es gelingt, die Situation bis zu Olympia zu klären. In der russischen Leichtathletik gibt es weder mehr noch weniger Probleme als im Rest der Welt. Ich habe mit IAAF-Präsident Sebastian Coe über die weiteren Schritte gesprochen und hoffe, dass binnen 90 Tagen unsere Mannschaft wieder alle Rechte besitzt.“

Ansonsten könnten bislang unbescholtene Russen nur noch darauf hoffen, in Rio dann unter der olympischen Flagge starten zu dürfen.