Nachwuchssportlerin

Die fabelhafte Welt der schnellen Gisèle Wender

Die 14-jährige Leichtathletin träumt von Olympia 2022 in Tokio. Sie ist die Berliner Nachwuchssportlerin des Monats November.

Gisèle Wender

Gisèle Wender

Berlin. Nicht immer wird ihr Vorname richtig ausgesprochen, geschweige denn geschrieben. Der Accent grave über dem ersten „e“ bei Gisèle Wender ist ja auch leicht zu übersehen. Die sportlichen Leistungen der 14-Jährigen aus Karlshorst sind es dagegen nicht. Anfang September ist die zierliche Neuntklässlerin Deutsche Meisterin der Altersklasse 14 im Blockwettkampf Lauf geworden. Dahinter verbergen sich gleich fünf Disziplinen, in denen sie in der Addition die meisten Punkte erzielte. Ihre Leistungen waren 48,50 Meter im Schlagballwurf, 13,52 Sekunden über 100 Meter, 12,89 Sekunden über 80 Meter Hürden, fünf Meter im Weitsprung und 7:04,03 Minuten im 2000-Meter-Lauf.

Von Montag bis Freitag trainiert Gisèle Wender stets nach der Schule. „Ich treibe schon seit elf Jahren im Verein Sport“, erzählt sie. Seit elf Jahren? „Ja, das stimmt. Mit drei habe ich angefangen, da hat mich meine Mutter mit in eine Eltern-Kind-Gruppe genommen.“ Dann ist sie beim SC Borussia Friedrichsfelde immer dabei geblieben – und von Beginn an war es die Leichtathletik, die es ihr angetan hatte. „Sie war immer voller Energie und Bewegungsdrang, quasi nicht aufzuhalten. Das war im besten und direkten Sinne des Wortes ein Selbstläufer“, berichtet Mutter Jacqueline lächelnd und spürbar stolz. Relativ früh bestritt die Tochter die ersten Wettkämpfe. Immer unterstützt und begleitet von den Eltern und vom großen Freundeskreis der Familie. „Denen muss ich allen dafür danken, dass sie immer so fest an meiner Seite gestanden haben“, sagt Gisèle Wender.

Im Alter von zehn Jahren gewann sie ihren ersten Berliner Meistertitel, seitdem sind einige Triumphe hinzugekommen. Als Gisèle Wender 2014 das Berlin-Finale im Schul-Cross gewann, war auf der Webseite ihrer Anna-Seghers-Oberschule zu lesen: „Das ist kein Schreibfehler: Gisèle Wender ist Berliner Meisterin im Schulcross. Ein famoser Start-Ziel-Sieg der jungen Leichtathletin (2020 Olympische Spiele Tokio?).“

Vater Marco staunt über die Kaltschnäuzigkeit seiner Tochter

Der größte und schönste Erfolg der Karriere aber ist für die Hobby-Fotografin der deutsche Meistertitel von Lübeck. „Sie hat sich mit dem Sport und durch den Sport großartig entwickelt, geht die Dinge zielorientiert und bewusst an, sodass manchmal sogar ich über ihre Kaltschnäuzigkeit in Drucksituationen staune“, sagt Vater Marco.

Tochter Gisèle hat die Lust am Laufen und Schwitzen noch nie verloren. Die Hürden – 400 Meter vielleicht – kann sie sich als spätere Spezialisierung gut vorstellen. Und Olympische Spiele? „Das wäre natürlich was sehr Schönes, aber es wird sich erst im Laufe der Jahre zeigen, ob man davon mehr als träumen darf. Hauptsache ist für mich, dass ich Spaß an der Sache habe.“ Deshalb auch kümmert sie sich nicht nur um sich, sondern im Verein als Übungsleiterin um die Vier- bis Achtjährigen. Sie kann sich durchsetzen, hat auch die Jungs im Griff. Und sie weiß, dass Selbstdisziplin dazu gehört, wenn man erfolgreich sein will. „Man muss was tun, wenn was rauskommen soll. Gerade im Sport fällt einem nichts in den Schoß“, sagt sie. Und wie beschreibt sie sich selbst? „Ein stilles Wasser bin ich eher nicht, sicher muss man auch mal frech sein.“