Eishockey

Sturm: „Vor uns liegt sehr viel Arbeit“

Marco Sturm war einst selbst ein Star, nun will er Deutschlands Eishockey als Trainer der Nationalmannschaft nach vorn bringen

Marco Sturm hat als Coach noch keine Erfahrung

Marco Sturm hat als Coach noch keine Erfahrung

Foto: dpa Picture-Alliance / Andreas Gebert / picture alliance / dpa

Berlin.  Renommiertere Spieler gibt es nicht. Als erster Deutscher übertraf Marco Sturm, 37, die Marke von 1000 Spielen in der National Hockey League NHL, der besten Eishockeyliga der Welt. Zwei Jahre nach seinem letzten Auftritt als Profi wurde der Dingolfinger im Sommer überraschend zum Nachfolger von Pat Cortina als Cheftrainer des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) berufen. Beim Deutschland Cup in Augsburg steht nun sein erster Einsatz an der Bande bevor. Vor den Spielen heute gegen die Schweiz (19.30 Uhr), Sonnabend gegen die Slowakei (17.30 Uhr) und Sonntag gegen die USA (16.30 Uhr, jeweils Sport1) spricht Sturm mit der Morgenpost über seine neue Aufgabe.

Berliner Morgenpost: Herr Sturm, zuletzt sah es fast so aus, als seien Sie mehr mit Interviews beschäftigt als mit Eishockey. Wie fühlt sich dieser Teil Ihrer neuen Arbeit an?

Marco Sturm : Als Spieler habe ich das ja selbst schon erlebt, 15 Jahre lang in Amerika. Daher komme ich aus einer guten Schule. Ich habe gelernt, dass auch die Arbeit außerhalb des Eises zum Geschäft dazu gehört. Außerdem ist das doch gut für das deutsche Eishockey. Wir müssen die Chance nutzen, mehr in der Öffentlichkeit zu stehen.

Seit Sie im Amt sind, mussten Sie generell viel reden. Sie sind durch die Liga getourt, um sich und Ihre Ideen vorzustellen. Wie sind Ihnen Trainer und Klubs begegnet?

Von meiner Empfindung her ganz positiv, es kam nur gutes Feedback von Trainern und Managern. Auch wenn ich Fragen hatte wegen Spielern wegen des Deutschland Cups, wurde ich immer schnell und ehrlich informiert.

Das hört sich nach einer guten Zusammenarbeit an. Dies war nicht immer so im deutschen Eishockey.

Man merkt, dass ein frischer Wind da ist. Überall sind frische Leute, beim DEB, beim Nachwuchs. Vor uns liegt sehr viel Arbeit. Der Plan ist, dass wir uns Schritt für Schritt verbessern. Den Weg werden wir unabhängig von den Ergebnissen weitergehen.

Auf Fan-Seite schlägt Ihnen durchaus Skepsis entgegen, weil es Ihr erster Trainerjob ist. Wie gehen Sie damit um?

Jeder hat seine eigene Meinung, das ist gut so. Ich selbst finde ja auch, dass nicht jeder gute Spieler auch ein guter Trainer sein muss. Aber ich hätte den Job nicht angenommen, wenn ich mir das nicht zugetraut hätte. Mir macht das Spaß, und ich denke, dass ich gut darin bin. Dass es so schnell ging, war natürlich überraschend. Aber lange überlegen musste ich trotzdem nicht. Das ist jetzt mein neues Kapitel, mein neuer Traum. Wer kann denn schon Bundestrainer werden?

Trotzdem ist die Entwicklung rasant für jemanden, der vor ein paar Jahren noch gar nicht wusste, dass er mal Trainer werden will.

Besonders im vergangenen Jahr habe ich gemerkt, dass ich diese Richtung einschlagen will. Sicher gibt es Kleinigkeiten, die jetzt neu für mich sein werden. Doch ich habe ein gutes Team um mich herum, da fühle ich mich wohl und freue mich jetzt auf die erste Maßnahme. Meine ganze Erfahrung kann mir ohnehin keiner nehmen.

Was für neue Sachen sind das denn?

Kleine Dinge an der Bande, Wechselentscheidungen, Ansprachen in der Kabine und beim Training, Videoanalyse. Was ist das beste Training? Worauf schaut man? Eben Kleinigkeiten, die wichtig sind, die man als Spieler aber nicht so mitbekommt. Das ist einfach eine andere Arbeit.

Ihr Sohn Mason ist ja schuld, dass Sie jetzt in dieser Position sind, weil er Sie dazu bewegte, sich mit dem Trainerberuf zu beschäftigen. Sind Sie Ihrem Sohn gegenüber jetzt am meisten in der Pflicht zu zeigen, dass sie ein guter Trainer sind?

Gerade wenn ich nach Deutschland fahre, sagt er oft: Papa, ich vermisse dich, denn du bist der beste Trainer. Von daher ist das Thema schon abgehakt. Wenn mein Sohnemann so was sagt, glaube ich ihm auch. In Augsburg ist das jetzt zwar eine andere Aufgabe, als meinen Sohn zu trainieren. Aber ich fühle mich gut dabei, ich kenne mich aus auf dem Gebiet. Deshalb habe ich absolut keine Angst davor.

Wofür genau steht denn der Trainer Marco Sturm?

Der Trainer Sturm wird immer ehrlich zu seinen Spielern sein, er wird mit Disziplin und mit Freude an die Arbeit gehen. Das will ich den Spielern auch weitervermitteln. Wir wollen mit einer guten Kompaktheit spielen und geschlossen als Mannschaft, die von Anfang bis Ende alles gibt.

Unter Vorgänger Pat Cortina gab es reihenweise Absagen von Spielern vor den Turnieren mit teils fadenscheinigen Begründungen. Sehen Sie sich mit Ihrer Vita auch als jemand, der wieder Lust auf das DEB-Team entfachen soll?

Das ist ein Punkt, an dem wir noch mehr tun müssen. Es gab zu viele Absagen, die wirklich nicht schön waren. Eine Nation wie Deutschland kann sich das nicht erlauben. Wenn bei uns drei, vier Spieler nicht bereit sind aufzulaufen, dann hat Deutschland ein Problem. Wenn wir unsere Ziele erreichen wollen, brauchen wir die volle Unterstützung von jedem Spieler. Sonst kommen wir nicht nach vorn.

Beim Deutschland Cup sind recht junge Trainer an Ihrer Seite mit Christof Kreutzer aus Düsseldorf sowie Serge Aubin aus Hamburg. Warum?

Generell sind alle Trainer, die in der DEL zuständig sind, gute Trainer. Wir haben uns nett unterhalten, sie waren mir gleich sympathisch. Sie wissen, was ich will. Ich bin froh, dass Christof und Serge an der Bande neben mir stehen.

Werden die DEL-Trainer bei Ihnen als Assistenten für die einzelnen Turniere rotieren?

Ziel ist es, DEL-Trainer einzubinden. Das finde ich gut und wichtig. Wir konzentrieren uns jetzt auf den Deutschland Cup. Bis zur WM sind es noch einige Monate, bis dahin werde ich ganz in Ruhe entscheiden, ob wir es so lassen oder etwas ändern.

Welchen Stellenwert hat der Deutschland Cup?

Das ist unser einziges Turnier in Deutschland, da wollen wir uns beim Publikum richtig präsentieren. Wir wollen beweisen, dass wir eine gute Truppe haben. Außerdem ist es für uns die einzige Möglichkeit, vor der WM mit fast allen Spielern zu testen. Wir müssen die kurze Zeit nutzen, um zusammenzukommen und das neue System kennenzulernen. Deshalb ist der Deutschland Cup sehr wichtig.