Frankfurt/Main

In der Bundesliga wächst der Frust über Schiedsrichter

Immer mehr Funktionäre fordern den Videobeweis

Frankfurt/Main. Rudi Völler sprintete wutentbrannt die Tribünentreppe hinunter, Markus Weinzierl stürmte außer sich auf den Rasen, und Christian Heidel flüchtete sich in beißende Ironie: Am elften Spieltag der Fußball-Bundesliga sorgten Entscheidungen der Schiedsrichter für Frust. Und wieder einmal wird nach dem Videobeweis gerufen.

„Das ist eine riesengroße Ungerechtigkeit“, polterte Völler. Bayer Leverkusens Sportchef meinte den ausgebliebenen Abseitspfiff des Berliner Referees Manuel Gräfe vor dem 1:0 des VfL Wolfsburg, das die 1:2-Niederlage der Rheinländer eingeleitet hatte: „Warum Gräfe dieses Risiko eingeht, seinen Linienrichter zu überstimmen, verstehe ich nicht. Da musst du dir 100 Prozent sicher sein.“ Der Assistent an der Linie hatte die Fahne gehoben, als nicht Leverkusens Kevin Kampl, sondern André Schürrle den Ball zum im Abseits stehenden Vieirinha gespitzelt hatte. Der leitete zu Nicklas Bendtner weiter - Tor für Wolfsburg. „Das war ein Wahrnehmungsfehler. Die Leverkusener können zu Recht sauer sein“, sagte Gräfe.

600 Kilometer entfernt verstand auch Christian Heidel, Manager des FSV Mainz 05, die Welt nicht mehr. „Ich weiß nicht, was die Schiedsrichter mit dem Headset machen. Läuft da die Hitparade, oder unterhalten die sich auch mal, wie man es erwarten würde?“ Im Spiel beim FC Augsburg (3:3) hatte Marco Fritz (Korb) einen Handelfmeter gepfiffen, den Augsburgs Paul Verhaegh zum 1:2 verwandelte. Der Mainzer Pablo De Blasis hatte sich in einen Schuss geworfen, dabei aber sogar den Körper abgewendet. „Menschen können sich nicht die Arme abnehmen“, klagte FSV-Präsident Harald Strutz. Heidel prangerte das gesamte Referee-Team an: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass hier vier Schiedsrichter ein Handspiel gesehen haben.“

Kurioserweise haderten auch die Augsburger mit der Schiedsrichter-Leistung. Weinzierl wollte nämlich Sekunden vor dem Treffer zum 3:3 durch den Mainzer Yoshinori Muto in der dritten Minute der Nachspielzeit ein nicht geahndetes Foul an Markus Feulner gesehen haben. Aber: „Ich mache den Schiedsrichter nicht zum Schuldigen, wir sind schon selbst schuld, dass wir nur einen Punkt geholt haben“, sagte der Augsburger Trainer.

„Das zieht sich wie ein roter Faden durch die Saison“, schimpfte Heidel, während sich FCA-Manager Stefan Reuter erneut eindeutig für einen Videobeweis aussprach. „Das sagen wir schon immer.“