WM-Affäre

Blatter: Schon immer geheime Absprachen bei WM-Vergaben

Der suspendierte Fifa-Boss erklärt, wieso die WM 2022 eigentlich in die USA gehen sollte. Jetzt will England klagen – wegen 2018.

Joseph Blatter präsentiert am 2. Dezember 2010 den WM-Gastgeber 2022: Katar. Dabei war das Emirat erst gar nicht vorgesehen

Joseph Blatter präsentiert am 2. Dezember 2010 den WM-Gastgeber 2022: Katar. Dabei war das Emirat erst gar nicht vorgesehen

Foto: Walter Bieri / dpa

Zürich/Köln.  – Geheime Absprachen bei der Vergabe von Fußball-Weltmeisterschaften waren laut des derzeit suspendierten FIFA-Präsidenten Joseph S. Blatter schon immer möglich, der englische Verband FA prüft daher Schadenersatzansprüche in zweistelliger Millionenhöhe.

"Wenn Sie nur wenige Leute in einem Wahlgremium haben, können Sie das gar nicht verhindern. Das ist unmöglich", sagte Blatter der Londoner Wirtschaftszeitung „Financial Times“.

Als Beispiel nannte der Schweizer erneut die umstrittene Vergabe der WM 2022 an Katar. Wie schon im Gespräch mit der russischen Nachrichtenagentur TASS erklärte Blatter, dass die WM in sieben Jahren eigentlich in den USA hätte stattfinden sollen. "Hinter den Kulissen war alles klar. Es war diplomatisch bereits ausgemacht, dorthin zu gehen", sagte der 79-Jährige.

Platini wurde von Sarkozy zurückgepfiffen

Erst nach einem Treffen zwischen dem damaligen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy, UEFA-Präsident Michel Platini und dem Kronprinzen von Katar wurde die Abmachung gekippt. Dies sei auf "Einmischung der Regierung von Nicolas Sarkozy" geschehen, so Blatter.

"Eine Woche vor der Wahl bekam ich einen Anruf von Platini, und er sagte mir: 'Ich bin nicht mehr länger auf deiner Seite, weil mein Staatschef mir gesagt hat, wir sollten die Interessen Frankreichs berücksichtigen'", sagte der Schweizer.

Nach den Behauptungen Blatters prüft die FA Schadenersatzansprüche. Das teilte FA-Chef Greg Dyke im Sportausschuss des britischen Unterhauses mit. Der englische Verband wertet Blatters Aussagen als weiteres Indiz für ihren Verdacht einer Manipulation bei der Vergabe des WM-Turniers 2018.

England will 30 Millionen Euro Bewerbunsgkosten zurück

"Wir werden uns das genau anschauen. Wenn es so aussieht, dass Blatter eine Entscheidung für Russland schon vor der Wahl wollte, legt das nahe, dass alles auch vorher abgesprochen worden ist", sagte der FA-Chef vor den Parlamentariern. Laut Dyke sieht die FA durch Blatters Aussagen gute Chancen auf eine Rückerstattung ihrer Bewerbungskosten von umgerechnet gut 30 Millionen Euro.

Blatter hatte bereits im TASS-Interview von einer Festlegung des FIFA-Vorstands für 2018 auf Russland und 2022 auf die USA beschrieben. Durch die interne – und anders als Manipulationen auch nicht verbotene – Abstimmung ihrer Mitglieder auf eine Vorgehensweise hätte die "Weltregierung des Fußballs" einerseits erstmals Osteuropa und durch den Zuschlag für die USA zugleich auch "die beiden Großmächte der Welt" berücksichtigen wollen.

Widerspruch vom belgischen Exekutivmitglied

Belgiens langjähriges Exekutivmitglied Michel D'Hooghe, der bei der Wahl des WM-Gastgebers für 2018 zunächst für die gemeinsame Kandidatur seines Heimatlandes Belgien mit den Niederlanden gestimmt hatte, will von den angedeuteten Vorfestlegungen seiner Kollegen in der FIFA-Exekutive nichts mitbekommen haben.

"Ich kann mir nicht vorstellen, dass das wahr ist. Ich hätte sicher davon gewusst, wenn es zu solchen Absprachen gekommen wäre", sagte D'Hooghe dem englischen Internetportal insideworldfootball.com.