WM-Affäre

Zwanziger verhöhnt Netzer, Niersbach soll zurücktreten

Die Schlammschlacht zwischen Günter Netzer und Theo Zwanziger geht in die nächste Runde. Der Ex-DFB-Boss greift Netzers Ehefrau an.

Der ehemalige DFB-Präsident Theo Zwanziger hat Netzers Frist zur Unterzeichnung  der Unterlassungserklärung verstreichen lassen

Der ehemalige DFB-Präsident Theo Zwanziger hat Netzers Frist zur Unterzeichnung der Unterlassungserklärung verstreichen lassen

Foto: Arne Dedert / dpa

Frankfurt.  Günter Netzer und Theo Zwanziger bekämpfen sich mit Haken, Ösen und Paragrafen – die wüste Schlammschlacht um Millionen-Schiebereien und einen angeblichen Stimmenkauf für das Sommermärchen landet vor Gericht.

Die Schlüsselfigur Zwanziger hat eine Unterlassungsaufforderung Netzers mit Fristablauf Freitag 14 Uhr „selbstverständlich nicht unterschrieben“ und lässt es provozierend gelassen auf einen Prozess ankommen. Netzers Anwalt Ralf Höcker bestätigte, er werde „zeitnah“ Klage einreichen.

Zwei Alphatiere des deutschen Fußballs prallen krachend aufeinander. „Soll er doch klagen!“, höhnte Zwanziger. „Warum sollte ich bitte unterschreiben, dass ich gelogen habe, wenn ich die Wahrheit sage?“

„Soll sie doch den Meineid schwören!“

Der frühere WM-Botschafter Netzer, 71, soll dem ehemaligen Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) 2012 in Zürich nebenbei berichtet haben, mit den verschwunden scheinenden Millionen seien die vier asiatischen Stimmen für die WM-Vergabe an Deutschland gekauft worden.

Zwanziger griff im beiderseitigen Ringen um die Wahrheit auch Netzers Ehefrau Elvira an, die bei dem Treffen anwesend war. Angeblich kann sie bezeugen, dass Zwanziger lüge. „Soll sie doch den Meineid schwören! Das ist mir egal“, sagte der 70-Jährige dazu. Netzers Lager konterte, die Klageschrift sei „in Vorbereitung“.

Zwanziger bestätigte immerhin, Elvira Netzer sei „in der Öffentlichkeit beim Gespräch zugegen“ gewesen. Allerdings sei sie als Entlastungszeugin für Netzer ungeeignet: „20 Minuten war sie dabei, das Gespräch ging aber etwa eine Stunde. Das haben viele Leute gesehen.“

Daraus leitet Zwanziger ab, es müsse weitere, neutralere Zeugen geben: „Netzer geht ein hohes Risiko. Wir wurden ganz bestimmt auch zu zweit gesehen ...“

Özcan Mutlu setzt Wolfgang Niersbach unter Druck

Im Schatten dieses Hahnenkampfes wuchs der Druck auf den DFB und dessen Präsidenten Wolfgang Niersbach. In der Politik wurde erstmals die Forderung nach einem Rücktritt Niersbachs laut, und selbst der skandalumtoste Weltverband Fifa erlaubte sich, den DFB zur Unterstützung eigener Ermittlungen zu ominösen Finanztransaktionen aufzufordern.

Im Bundestags-Sportausschuss nimmt Öczan Mutlu von Bündnis 90/Die Grünen Niersbach in die Verantwortung. „Wenn er nicht in der Lage ist, aufzuklären und die Fragen zu beantworten, verhärtet sich der Verdacht, dass geschmiert wurde, dass es Schwarze Kassen gab. Schlimmer geht es nicht! Der DFB muss sich dann fragen, ob so ein Präsident noch tragbar ist“, sagte er und forderte auch staatsanwaltliche Ermittlungen.