Bundesliga

Schubert ist Borussias Fohlenflüsterer

Trainer André Schubert hat Hertha-Gegner Mönchengladbach wiederbelebt. Inzwischen ist er längst mehr als eine Zwischenlösung.

Andre Schubert hat alle seine fünf Bundesliga-Spiele als Trainer von Borussia Mönchengladbach gewonnen

Andre Schubert hat alle seine fünf Bundesliga-Spiele als Trainer von Borussia Mönchengladbach gewonnen

Foto: WOLFGANG RATTAY / REUTERS

Mönchengladbach.  Bevor sich André Breitenreiter mit seiner großen, schweren Tasche auf den Heimweg machte, trat André Schubert kurz auf den Kollegen zu. Zum zweiten Mal in 75 Stunden hatten seine Gladbacher die Königsblauen besiegt. Dem 3:1 in der Liga, überschattet von der schweren Verletzung des VfL-Angreifers André Hahn, folgte ein 2:0 im Pokal – bei dem es nun Innenverteidiger Tony Jantschke erwischte. Allerdings längst nicht so schwer wie seinen Mitspieler.

„Zum Glück ist es nicht so schlimm gekommen wie vermutet“, twitterte Jantschke am Donnerstag. Im Punktspiel bei Hertha BSC wird der gebürtige Sachse am Sonnabend (15.30 Uhr, Olympiastadion) jedoch fehlen – im Gegensatz zu André Schubert, der, als er ein paar Takte mit Breitenreiter geplaudert hatte, zufrieden in den Feierabend startete.

Der gezielte Dialog mit dem S04-Coach war dem Gewinner offenkundig ein Bedürfnis. Kein Einzelfall, denn Schubert ist ein Mann des Wortes. Der gebürtige Kasseler hat Germanistik studiert, fiel, bis zum 21. September für Borussias U23 zuständig, bei der Arbeit mit den Profis rasch durch seine enorme Auskunftsfreude auf.

Mit seiner Bierruhe gab er Raffael neue Zuversicht

Im Trainerteam habe man laut Schubert „stundenlang diskutiert“, wie die zutiefst verunsicherten Fohlen wieder in die Spur zu bekommen seien. „Und dann haben wir das Ganze mit dem Team besprochen.“ Auf Schalke gab es am Mittwoch ebenfalls ein paar Dinge zu klären. Doch Schubert traf eine sehr naheliegende Entscheidung: Er nahm den völlig wirkungslosen Stürmer Josip Drmic vom Feld, ersetzte ihn durch Fabian Johnson.

Die ungewöhnliche Unwucht im Spiel der Niederrheinischen, bedingt auch durch das Fehlen ihres leichtfüßigen, diesmal aber grippekranken Antreibers Raffael, war damit passé. Nicht den kleinsten Hauch von Nervenflattern versprühte dagegen Fußballlehrer Schubert, auch in der schlechten ersten Halbzeit seiner Mannschaft nicht.

Die Hände in den Hosentaschen vergraben, verfolgte er in seinem hellgrünen Kapuzenpullover recht entspannt die zahlreichen Schlampereien seiner Elf beim Spielaufbau. Diese gepflegte Bierruhe ist eine der großen Qualitäten von Schubert – der mit dieser Haltung nicht zuletzt dem früheren Herthaner Raffael Zuversicht und Selbstvertrauen einflößte.

Favre-Abschied war ein schwerer Schlag

Seit dem Trainerwechsel in Gladbach surrt der Brasilianer wieder traumwandlerisch leicht durch die gegnerischen Reihen – obwohl ihn der plötzliche Abschied von Favre zuvor sehr getroffen hatte. Schließlich holte ihn der Schweizer schon zum FC Zürich, zu Hertha und vor gut zwei Jahren auch vom FC Schalke zur Borussia, gilt als Raffaels Ziehvater.

Als sich die Wege des Traum-Duos dann trennten, Favre seinen Rücktritt Raffael persönlich mitgeteilt hatte, sagte der: „Ich war sehr traurig. Aber ich kann versichern, dass ich auch ohne ihn Top-Leistungen bringen kann.“

Den Beweis trat er gleich im ersten Spiel unter Schubert an: Gegen Augsburg (4:2) bereitete Raffael, in den Partien zuvor ohne Scorerpunkt, drei der vier Borussen-Tore vor. Ein Blitzstart – parallel zu dem von Schubert, der zuvor zwar ein recht unauffälliges Trainerdasein fristete, in Paderborn aber immerhin Vorgänger der mittlerweile arrivierten Übungsleiter Roger Schmidt und Breitenreiter war.

Mit einem Sieg in Berlin würde er einen Rekord einstellen

„Er hat hier angefangen, als es sehr, sehr schlecht lief. Ein sehr guter Typ“, erklärte Torwart Yann Sommer und meinte zum Dauerbrennerthema, Schubert fest als Borussen-Coach zu installieren: „Diese Entscheidung liegt nicht in unseren Händen. Aber wir sind sehr zufrieden mit ihm.“ Das gilt auch für jene Herren, die über die Bank-Besatzung in Gladbach zu bestimmen haben. „Er erfüllt momentan sehr viele Kriterien, die Erfolge sprechen für sich“, sagte Eberl gerade dem „Kicker“. Vor dem Pokalspiel auf Schalke äußerte der Sportchef mit Blick auf die aktuell vielen verletzten Spieler, der Verein werde demnächst „mit André die Planung für den Winter besprechen“.

Angesichts des anhaltenden Erfolgslaufs besteht ja auch kein Anlass zur Eile. Schubert („Ich verfolge das mit großer Gelassenheit“) genießt seinen federleichten Flug durch den Herbst. Während Eberl und die anderen Drahtzieher des Rautenklubs ohne Druck weiterverfolgen können, ob der laufende Workshop mit Schubert als langfristiges Projekt taugt.

Von seinen früheren Trainerstationen hängt dem Kapuzenpulliträger der Ruf nach, etwas dünnhäutig zu sein. Und in seiner Zeit bei St. Pauli sprach Schubert selbst einmal über sein ausbaufähiges diplomatisches Geschick. Für die Arbeit in Mönchengladbach hat er sich deshalb eine besonders große Dosis Selbstbeherrschung injiziert – und fährt damit bislang bestens.

Sechs Siege in acht Pflichtspielen, darunter in der Champions League ein unglückliches 1:2 gegen Manchester City und ein 0:0 bei Vorjahresfinalist Juventus Turins, sprechen eine deutliche Sprache. Mit einem weiteren Erfolg bei Hertha würde Schubert zugleich den Rekord des 2012 verstorbenen Willi Entenmann egalisieren, der mit sechs Bundesliga-Siegen am Stück (1986 mit dem VfB Stuttgart) den bislang besten Einstand aller Trainer hinlegte.