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Gegner verzweifelt gesucht

Selbst HerausfordererVfL Wolfsburg muss erkennen, dass Bayern in Deutschland keine Konkurrenz mehr hat

wolfsburg. Zumindest die Damen und Herren der Abteilung Reisedisposition müssen in Erwägung ziehen, dass die Profis des FC Bayern so ein Pokalspiel wie bei Titelverteidiger VfL Wolfsburg nicht schon nach 90 Minuten – oder wie am Dienstag geschehen nach etwas mehr als einer halben Stunde – entschieden haben. Weil es also auch Verlängerung und Elfmeterschießen hätte geben können, übernachtete der Bayern-Tross in der VW-Stadt. Zu vorgerückter Stunde hätte man nicht mehr am Erdinger Flughafen landen dürfen. Daher ging es erst mittags zurück nach München.

Die Startelf, die den 3:1-Erfolg in der zweiten Pokalrunde klar gemacht hatte, radelte sich in einem Hotel die Muskulatur locker. Die Reservespieler trainierten bei nebligem Herbstwetter auf einem Platz nahe dem VfL-Stadion. Wer sah, wer da an der frischen Luft zugange war, erhielt einen weiteren Beleg für die Überlegenheit der Bayern. Die Reservisten hießen Arjen Robben, Arturo Vidal, Joshua Kimmich, Medhi Benatia, Rafinha und Jan Kirchhoff. Allein die ersten vier haben einen aktuellen Marktwert von 101 Millionen Euro.

Auf mehrfaches Ärgern folgt nun die Erniedrigung

Sie wurden nicht einmal gebraucht, um ihren härtesten Herausforderer anno 2015, den Vizemeister, die wohl zweitbeste Mannschaft des Landes, den amtierenden Pokalsieger und Supercupgewinner in die Schranken zu weisen. Die erste Halbzeit war auf gut Bayerisch gesagt eine Watschn, eine Ohrfeige. Man darf sie eben nicht reizen. Und das hatten die Wölfe mit dem 4:1 in der Liga Ende Januar, mit dem Sieg nach Elfmeterschießen im Supercup Anfang August und mit der 1:0-Führung zur Pause im Ligaduell vor genau fünf Wochen in München getan. In den folgenden beiden Halbzeiten schossen die Bayern 8:0 Tore. Robert Lewandowski, der Fünf-Tore-Held vom 22. September, traf nicht, dafür sorgten Douglas Costa und zweimal Thomas Müller, jeweils per Direktschuss, für klare Verhältnisse.

„Die Mannschaft wollte unbedingt ein Zeichen setzen nach unseren letzten beiden Spielen in Wolfsburg. Das hat sie hervorragend gemacht“, sagte Sportvorstand Matthias Sammer. Die Botschaft war eindeutig: Ihr habt uns einige Mal geärgert. Aber nicht mit uns, Ihr Wölflein! Für die Gastgeber war es eine Erniedrigung. „Wir sind gar nicht ins Spiel gekommen, haben es den Bayern sehr leicht gemacht“, klagte VfL-Geschäftsführer Klaus Allofs, „es war ein Klassenunterschied.“ Trainer Dieter Hecking meinte: „Die Mannschaft hatte schon die Hoffnung, dass wir das Spiel ausgeglichen gestalten können. Aber wenn Du zu viele Fehler machst, wirst Du nicht weiterkommen.“ Somit lieferte Hecking die perfekte Zustandsbeschreibung der Bundesliga im Herbst 2015. Eine der wenigen Mannschaften, die Bayern überhaupt gefährlich werden könnten, spricht von der Hoffnung, es „ausgeglichen gestalten zu können“. Die Liga hisst die weiße Fahne.

In Deutschland haben diese Bayern keine Gegner mehr. Dortmund und Wolfsburg wurden mit 5:1 aus der Allianz Arena gefegt. Nach zehn Liga-Siegen vom Start weg sind auch 17 in einer Hinrunde denkbar – ja, warum nicht gleich 34 bis Saisonende? Antwort: Weil man sich dann im Frühjahr – womöglich liegt in München noch Schnee, wenn Bayern die Meisterziellinie 2016 erreicht hat – auf die K.o.-Spiele in der Champions League konzentriert. So überlegen wie aktuell war wohl noch nie eine Mannschaft in 53 Jahren Bundesliga. Die Gründe? Der Kader, das Kapital und die Kompetenz – vor allem von Guardiola.

104,6 Millionen Euro investierte Bayern diesen Sommer auf dem Transfermarkt und zog genau die richtigen Schlüsse aus einer Saison mit nur einem Titel, der Meisterschaft. Auf den Außenbahnen fehlten Alternativen zu den verletzungsanfälligen Franck Ribéry und Arjen Robben. Also wurden Douglas Costa sowie Kingsley Coman, ein 19-jähriges Supertalent, verpflichtet. Im Mittelfeld helfen nun Arturo Vidal, der Kapitän von Copa-América-Sieger Chile, und der kommende Nationalspieler Joshua Kimmich, eines der größten Talente des Landes, den Passmaschinen Xabi Alonso und Thiago. Ablösesummen und Gehälter sind kein Problem. Dazu investiert Bayern rund 70 Millionen in ein neues Jugend-Leistungszentrum, das 2017 fertiggestellt werden soll. Für die nächsten Lahms, Müllers und Alabas.

Eintracht Frankfurt bereitet sich auf einen Hurrikan vor

Die aktuelle Generation berauscht sich, wie in der ersten Halbzeit in Wolfsburg, an sich selbst. „Da lief es wie aus einem Guss“, sagte Müller. „Es macht einfach Spaß. Wir hatten ein überragendes Positionsspiel“, sagte Kapitän Philipp Lahm, „im Moment ist es schwer, gegen uns zu bestehen.“ Die Wolfsburger fühlten sich „zu Beginn fast überrollt“ (Diego Benaglio), es war einfach nur „frustrierend“, so Bas Dost, der zugab: „Wir hatten keine Antworten.“ Wird Eintracht Frankfurt am Freitag welche haben? Wohl kaum.

Guardiola wird sein Team gewohnt perfektionistisch auf den Gegner einstellen. „Ich glaube, dass der Trainer die deutschen Vereine besser kennt als wir Deutsche“, sagte Torhüter Manuel Neuer. Nur einer der vielen Gründe für den Erfolg. Am Main bereitet man sich auf einen Hurrikan vor. Die Frankfurter werden sich gegen den Sturm aus Süden am eigenen Strafraum verschanzen. Es wird ihnen nichts helfen.