Glasgow

Der Weg nach Rio führt für deutsche Turner nur über Rio

Direkte Qualifikation bei der WM in Glasgow klar verpasst

Glasgow. Die Feier zum 28. Geburtstag ging für Fabian Hambüchen im Stillen über die Bühne. Cheftrainer Andreas Hirsch tüftelte da nämlich schon am Plan B für die Olympischen Spiele. Keiner der deutschen Turner machte sich am Tag nach dem verpatzten Auftritt am Pauschenpferd bei der Weltmeisterschaft in Glasgow noch Illusionen, durch Schnitzer der Konkurrenz den Umweg „nach Rio über Rio“ zu vermeiden. Die Riege der USA zerstörte schließlich auch die letzte theoretische Chance. Im April gibt es eine zweite, die Tickets bei den vorolympischen Testwettbewerben zu ergattern, die ebenfalls an der Copacabana stattfinden.

„In der Nacht hat keiner so richtig geschlafen“, sagte Hambüchen, der wie Marcel Nguyen Mitschuld an der Sturz-Arie beim „Pferd-Rodeo“ trug. „Wir sind immer noch Sportler und keine Maschinen, die auf Knopfdruck funktionieren“, sagte Hambüchen. Und überhaupt: „Die fetten Jahre sind vorbei“, hatte er schon vor den Titelkämpfen erklärt. Tatsächlich hat der goldene Jahrgang viel von seinem Glanz verloren. Noch nie waren die Schwächen in der Nachwuchsentwicklung so krass wie in Glasgow in den Fokus getreten. Mit einem Durchschnittsalter von 26 Jahren gehörte die Riege zu den ältesten WM-Teams und musste mit ansehen, wie junge Generationen von Briten, Russen oder Brasilianern an ihnen vorbeiziehen.

Es mangelt an gutem Nachwuchs in Deutschland

Der Druck der nachrückenden Jugend fehlt in Deutschland seit Jahren. Dass gerade Hambüchen und Nguyen nach starken Vorstellungen in der Hydro-Arena an fünf Geräten am „Zitterpferd“ die Kräfte fehlten, kommt nicht überraschend. Sie sind ausgepowert, bräuchten Unterstützung von Jüngeren. Aber welches Kind will noch das entbehrungsreiche Leben eines Leistungssportlers auf sich nehmen? „Ausnahmeturner brauchen 15 Jahre, um zu reifen. Neben der Umstellung der Lebensverhältnisse benötigt man zu einem Großteil auch Talent“, meinte Cheftrainer Hirsch.

Nach dem wegen ungewöhnlicher Verletzungsserien im Vorfeld fast zu befürchtenden Scheitern im Kampf um den direkten Rio-Flug versuchten am Montag alle Beteiligten, die Blicke nach vorn zu richten. „Bis Dezember haben wir einen Plan B“, sagte Hirsch, der im zweiten Anlauf im April 2016 das Desaster verhindern will. Und gerade Hambüchen wollte sich auch nicht alles schlecht reden lassen. „Man sollte das nicht zu negativ sehen. Ich bin stolz auf die Mannschaft“, verkündete er.

Wie so oft im vergangenen Jahrzehnt trägt er nun bis zum Schlusstag die Hoffnungen. Am Reck dürfte er trotz eines winzigen Wacklers den Endkampf erreichen. Gleichfalls nicht chancenlos ist Andreas Bretschneider. Der Chemnitzer kündigte an, im Falle eines Finaleinzugs den von ihm kreierten Doppelsalto mit zwei Schrauben auszupacken. Sollte ihm sein „Bretschneider“ gelingen, könnte der Sachse sogar sein Vorbild Hambüchen hinter sich lassen.