Sölden

Mit der Kraft im Rücken

Felix Neureuther startet dank neuem Training gestärkt in die alpine Skisaison

Sölden.  Zuerst einmal dreht sich zu Beginn des Ski-Winters alles um ein Auto. Zwei Tage vor dem Weltcup-Auftakt in Sölden parkt der Sponsor stets einen schicken Schlitten auf einem Parkplatz am Fuße der Gondelbahn. Der bildet dann den Mittelpunkt für erste kleine Ski-Partys.

Dass die deutsche Mannschaft am Donnerstagabend zu spät zum Fototermin erschien, mag aber niemand als Omen für die Riesenslaloms am Wochenende werten. „Es gibt keinen Grund, nicht zuversichtlich zu sein“, sagt Alpinchef Wolfgang Maier. Und bei den in diesen Tagen klassischen Umfragen im Athletenkreis nach den Favoriten auf die Podiumsplätze fielen regelmäßig deutsche Namen. Viktoria Rebensburg für das Frauen-Rennen am Sonnabend, Fritz Dopfer für den Riesenslalom einen Tag später. Dass auch ein paar Mal Felix Neureuther genannt wurde, ist aber eher verwunderlich. Immerhin steht seit Donnerstag fest, dass der 31-Jährige dabei sein wird beim Auftakt. „Es kribbelt“, sagt er. „Ich bin gespannt, wo ich stehe.“ Nach nur zwölf Schneetagen (nicht einmal halb so viele wie die Kollegen), das weiß er, ist er von der Bestform ein Stück entfernt.

Er kennt das Gefühl, mit Trainingsrückstand in die Saison zu starten. Aber in diesem Sommer war die lange Auszeit bewusst gewählt, als Teil eines Regenerationsprozesses und nicht wie in den vergangenen Jahren, weil unter der hohen Belastung mitten im Sommertraining der Rücken streikte. Die lädierte Bandscheibe hatte am Ende der vergangenen Saison derart große Probleme bereitet, dass sogar Lähmungserscheinungen in den Beinen aufgetreten waren – und er im Kampf um die Weltcup-Kugel des Slalom-Besten gegen den Österreicher Marcel Hirscher keine Chance mehr hatte. Deshalb rieten die Mediziner dazu, eine längere Ski-Pause einzulegen. Während die Kollegen auf dem Gletscher und dann in Südamerika erste Schneetage sammelten, arbeitete Neureuther daheim am Olympiastützpunkt in Garmisch-Partenkirchen „an der kleinen Muskulatur“ im Rücken, erzählt er. Das Ziel ist, dass „die Muskulatur auf der Piste die Schläge dämpft und nicht der Rücken.“ Und das klappe bisher ganz gut, „ohne Spritzen, ohne Schmerztabletten“, wie er versichert.

In den Jahren zuvor war Neureuther zwischen Trainingseinheiten stets zum Physiotherapeuten seines Vertrauens an den gut eine Autostunde von Garmisch-Partenkirchen entfernten Schliersee gefahren, dazu kamen Arztbesuche in München. Etwa 20.000 Kilometer seien da zusammengekommen, sagt Neureuther. „Das wollte ich nicht mehr mitmachen, und ich hätte es auch nicht mehr geschafft.“ Deshalb hat Cheftrainer Mathias Berthold in Oliver Saringer einen erfahrenen Physiotherapeuten verpflichtet, der zwar für die gesamte Mannschaft zuständig ist, sich im Sommer aber vor allem um Neureuther gekümmert hat. „Richtig, richtig gut“ gehe es ihm nun, versichert Neureuther, „auch vom Kopf her“.

Im Vergleich zu den vergangenen Jahren auf jeden Fall. Allerdings ist der Rücken noch nicht so stabil, dass der WM-Dritte von Vail ähnlich hohe Umfänge trainieren kann wie die Kollegen. „Ich muss wirklich schauen, das Ganze dosiert anzugehen und nicht auf Biegen und Brechen zu probieren, unbedingt Schneetage zusammenzubringen. Ich bin ja nicht mehr der Allerjüngste.“ Zumal eine Saison ohne Großereignis bevorsteht. Da ist es noch wichtiger, auch am Ende des Winters, wenn es um die Vergabe der Weltcup-Kugeln geht, mit einem halbwegs stabilen Rücken konkurrenzfähig zu sein.