Sölden

Rebensburg leitet die Gruppe „Jugend forscht“

Die WM-Zweite soll für den Nachwuchs im deutschen Skiteam das große Vorbild sein

Sölden.  Es ist wie immer, wenn es losgeht, wenn der Tross des alpinen Ski-Weltcups sich ein paar Tage vor den ersten Rennen des Winters in Sölden trifft. Ein wenig Unsicherheit, eine Spur Nervosität hat auch in dieser Woche die meisten Athleten auf ihrem Weg hinein ins Ötztal begleitet.

Am Ende der langen Saisonvorbereitung weiß man nie so genau, ob die Form passt, die Materialabstimmung die richtige ist. Vor allem, wenn es im eigenen Team keine Anhaltspunkte gibt. Viktoria Rebensburg ist im deutschen Frauenteam konkurrenzlos, im Riesenslalom, mit dem am Sonnabend die Weltcup-Saison auf dem Rettenbachferner eröffnet wird, sowieso.

Neugierig sei sie, sagt die 26-Jährige aus Kreuth am Tegernsee, ob sich ihr „gutes Gefühl“ bestätige im Rennen. Zwei, die in den vergangenen Jahren das Maß für Rebensburg im Riesenslalom waren, sind in diesem Winter nicht dabei. Die eine, Tina Maze aus Slowenien, nimmt freiwillig eine Auszeit, die andere, Anna Fenninger, gezwungenermaßen. Die österreichische Gesamtweltcupsiegerin zog sich am Mittwoch im Training in Sölden einen Kreuzbandriss zu. Davor hatte Fenninger die WM-Zweite von Vail als eine mögliche Konkurrentin im Kampf um den Gesamtweltcup bezeichnet.

Rebensburg ist seit dem Rücktritt von Maria Höfl-Riesch die Nummer eins im Team und die einzige Weltklasseläuferin, im Riesenslalom schon länger, aber nun auch im Super-G und in der Abfahrt. Aber die Lücke, die Höfl-Riesch hinterließ, konnte Rebensburg allein nicht füllen. „Vom einen oder anderen Thema bei den Frauen“, gibt Alpinchef Wolfgang Maier deshalb zu, „waren wir ein bisschen überrascht.“ Er sprach von „historischen Niederschlägen“, die das Team erlebt hätte im Jahr eins nach Höfl-Riesch, weil zunächst auch noch Rebensburg mit den Folgen des Skimarken-Wechsels zu kämpfen hatte.

Deshalb hatte sich Maier schon während des vergangenen Winters überlegt, an welchen Stellschrauben er drehen müsse. Er entschied sich für „revolutionäre Schritte“. Das bedeutete nicht nur ein paar Personalrochaden, sondern vor allem das Fördersystem. Traditionell waren in der Alpin-Sparte des DSV bisher wie im deutschen Leistungssport üblich die Kader nach Altersstufen zusammengestellt worden und diese verkrustete Struktur brach Maier nun auf. Die besten Athletinnen jeder Gruppe wurden nun zusammengeführt. Talente mit 16 oder 17 Jahren haben nun die Chancen, dauerhaft mit Rebensburg zu trainieren und im Weltcup zu starten, statt wie bisher über Fis- und Europacup-Rennen herangeführt zu werden.

Die Besten ihrer Altersklasse trainieren jetzt gemeinsam

„Zwar geht die Kluft am Anfang sehr weit auseinander, aber man hat den Vorteil, dass die Jungen extrem schnell lernen“, weiß Maier. Das System erfordert aber auch Mut, „denn es dauert drei bis vier Jahre, bis eine so junge Athletin Weltspitze ist.“ Maier sieht für Rebensburg eine besondere „soziale Herausforderung“, denn sie ist nicht nur sportlich ein Vorbild, sondern auch mit Abstand die Älteste und Erfahrenste. „Das Gefälle“, gibt die Oberbayerin zu, „ist schon groß“, sowohl in Bezug auf die Leistungsunterschiede als auch auf die Altersstruktur. Die Jüngsten im Team sind gerade 17 geworden. „Ich gehe halt um 10 Uhr abends immer durch“, sagt die neue Jugendherbergsleiterin Rebensburg schmunzelnd, „und schau, ob alle schlafen.“