London

Der Gigant ist verwundbar

Die Bayern verlieren gegen den FC Arsenal 0:2. Neuer patzt, nachdem er zuvor überragend hielt

London.  Es war ein Match der Torhüter, dieses dritten Gruppenspiel der Champions-League-Vorrunde zwischen dem FC Arsenal und dem FC Bayern. Manuel Neuer, 29, der Welttorhüter, gegen Petr Cech, 33, der bis letzten Sommer elf Jahre den Kasten des FC Chelsea gehütet hatte. Mit bitterem Ende für den FC Bayern und Weltmeister-Keeper Neuer, der beim 0:1 von Olivier Giroud in der 77. Minute patzte. Neuer verschätzte sich beim Rauslaufen und verpasste die Flanke von Santi Cazorla. Mesut Özil erhöhte in der Nachspielzeit auf 0:2 (0:0). Ein bitterer Abend für die Münchner.

Die Bayern verloren damit erstmals in dieser Hinrunde und stehen nun vor dem Wiedersehen mit den Engländern am 4. November in der Allianz Arena unter Druck, wenn sie sich den für die K.o.-Runde vorteilhaften Gruppenplatz eins sichern wollen. Punktgleich mit Bayern ist nun Olympiakos Piräus.

Mesut Özil trifft zum Enstand für die Londoner

„Wir haben uns das natürlich anders vorgestellt“, sagte Neuer nach dem Spiel und übte Selbstkritik: „Es wäre wohl ein verdientes Unentschieden geworden, aber dann habe ich den großen Fehler gemacht, der Arsenal in Führung gebracht hat.“ Dabei war es bis zu seinem dicken Patzer Neuers Spiel gewesen. Der Bayern-Torhüter hielt seine Mannschaft auf Kurs, als er mit einem Weltklasse-Reflex gegen Theo Walcott sein Ausnahmekönnen demonstrierte. Neuer fischte Walcotts Kopfball aus wenigen Metern mit der linken Hand (33.) gerade noch von der Torlinie. „Er hat da unglaublich gehalten. Den pariert auf der Welt kein anderer außer Manu“, sagte Bayern-Kapitän Philipp Lahm. Doch am Ende half das nichts. Neuers Fauxpas brachte die Münchner auf die Verliererstraße. „Ich weiß, dass es mein Fehler war und dass ich daran arbeiten werde“, sagte er.

Auch Neuers Kollege Cech stand im Mittelpunkt. Eine der vielen sensationellen Paraden vom Tschechen, der 2005 zum Welttorhüter gekürt wurde: in der 75. Minute parierte der Arsenal-Keeper einen Schuss von Robert Lewandowski. 2014 siegten die Bayern im Achtelfinal-Hinspiel 2:0, ein Jahr zuvor in derselben Runde mit 3:1 – nun die überraschende 0:2-Pleite – die erste nach zwölf Pflichtspielsiegen in Folge. Und das, obwohl die Münchner eine Ballbesitzquote von 73 Prozent hatten.

Weil die Gunners ihre ersten beiden Gruppenspiele gegen Dinamo Zagreb und Olympiakos Piräus verloren haben, zeigten sie zu Spielbeginn mehr Biss, mehr Dynamik, agierte mit direkterem Zug zum Tor. Die Bayern bemühten sich, dominant aufzutreten. Sie wollten eine frühe Führung herbeiführen, klare Verhältnisse schaffen. Doch selten in dieser Vorrunde trafen sie auf einen Gegner, der im Umschaltspiel derart stark war und immer wieder Theo Walcott auf die Reise Richtung Bayern-Tor schickte.

Endlich mal eine knifflige Aufgabe für den souveränen Tabellenführer der Bundesliga. Tag der Arbeit in Nord-London. Den sie trotz mehr als 600 gelungenen Pässen verpatzten. Am Ende gelang nichts mehr – und es fiel sogar noch das 0:2. In der Nachspielzeit gelang Mesut Özil der endgültige Knockout. Neuer hatte auch hier noch eine Weltklasseparade gezeigt, aber der Ball war schon hinter der Linie.

„Diesen Sieg haben wir uns hart erarbeitet“, sagte Weltmeister Per Mertesacker, Kapitän beim FC Arsenal. Erstmals seit zehn Jahren gewinnen die Londoner wieder ein Heimspiel gegen den FC Bayern.

Münchner Fans bleiben fünf Minuten aus Protest fern

Den einzigen deutschen Erfolg des Abends konnten die rund 3000 angereisten Bayern-Fans verbuchen. Fünf Minuten blieben die meisten fern, um gegen die überhöhten Ticketpreise (64 Pfund pro Karte, etwa 87 Euro) zu protestieren. Auf einem Transparent stand: „64 Pounds a ticket. But without Fans Football is not worth a penny“. Also: Ohne Fans ist Fußball keinen Cent wert. Als die Anhänger ihren Block wieder betraten, erhielten sie von den Arsenal-Anhängern Applaus.

Und vor der Partie auch das noch: Der Mannschaftsbus des FC Bayern wurde in einen leichten Unfall verwickelt. Bei der Abfahrt zum Stadion stieß das Gefährt mit einem Auto zusammen. Nur ein kleiner Adrenalin-Schub vor Anpfiff. Denn verletzt wurde niemand. Und wenn man so will: Auch der Rest des Abends war letztlich kein Totalschaden für den FC Bayern.