Frankfurt

Schuberts schönste Sinfonie

Nach dem Torfestival in Frankfurt wird der Gladbacher Coach immer mehr zur Dauerlösung

Frankfurt.  André Schubert grinste wie ein Lausejunge, als er an Max Eberl vorbeischritt. Wahrscheinlich konnte der so erfolgreiche Interimstrainer von Borussia Mönchengladbach die warmen Worte seines Chefs nicht hören. Schubert wusste aber, dass seine Chancen auf eine dauerhafte Beschäftigung drastisch gestiegen waren. „Was André macht, ist herausragend und Argumentation genug“, lobte Sportdirektor Eberl: „Wir führen derzeit keine Verhandlungen mit anderen Trainern.“

Durch das berauschende 5:1 (1:1) bei der Frankfurter Eintracht betrieb Schubert bereits zum vierten Mal beste Eigenwerbung. Unter seiner Regie gewannen die Fohlen bislang alle Partien in der Fußball-Bundesliga, nur in der Champions League setzte es eine unglückliche Niederlage gegen Manchester City (1:2). „André trifft gute Entscheidungen, er trifft den Nerv der Mannschaft und führt sie sehr gut“, sagte Eberl weiter. Dies gebe „die nötige Ruhe“, um die richtigen Entscheidungen für den Verein zu treffen.

Mittlerweile kristallisiert sich aber immer mehr heraus, dass Schubert die beste Lösung für den Traditionsklub ist. Die Fohlen stehen defensiv äußert kompakt und bieten spektakulären Offensivfußball. 14 Treffer erzielte Gladbach in den vier Bundesligapartien mit Schubert – unter Ex-Coach Lucien Favre waren es in den ersten fünf Spielen gerade einmal zwei.

„Wir dürfen nicht vergessen, wo wir herkommen“, sagte Schubert zwar voller Demut. Angesichts der jüngsten Erfolgserlebnisse gestand er dann aber auch ein, dass es „wahnsinnig viel Spaß macht, mit der Truppe zu arbeiten“.

Solange die Gladbacher weiter siegen oder zumindest punkten, wird Schubert am Niederrhein bleiben. „Es ist sicher nicht sinnvoll, den Trainer in einer Phase der Euphorie zu wechseln“, erklärte Eberl. Zumal die Protagonisten auf dem Platz, die unter Favre den Spielwitz der vergangenen Saison augenscheinlich verloren hatten, wieder Freude am Spiel gefunden haben.

„André tut uns sehr gut, es macht wieder Spaß zu spielen“, sagte Keeper Yann Sommer. Einwechselspieler André Hahn, der nach den Treffern von Raffael (16./57.) und Mahmoud Dahoud (51.) mit seinem Doppelpack (82., Foulelfmeter und 90.) den Schlusspunkt markierte, war ebenfalls voll des Lobes: „Er macht seine Arbeit hervorragend. Er motiviert uns sehr gut und bringt viel Spaß und Lockerheit rein.“

Die Folge: Nach dem schlechtesten Saisonstart der Vereinsgeschichte liegen die Gladbacher plötzlich wieder auf Tuchfühlung zu den internationalen Plätzen. Gladbachs Abwehrspieler Tony Jantschke erklärte: „Es ist ein Ruck durch die Mannschaft gegangen. Was wir momentan zeigen, ist sensationell.“

Und deshalb ist auch die Zuversicht groß, am Mittwoch (20.45 Uhr, ZDF und Sky) in der Champions League beim italienischen Rekordmeister Juventus Turin bestehen zu können. „Fakt ist, dass wir derzeit keine so schmale Brust haben“, sagte Jantschke, während Sommer klarstellte: „Wir fahren nach Turin, um zu gewinnen. Wir wollen zeigen, dass wir nun auch gegen die Großen mithalten können.“