Rückkehrer des Tages

Thomas Tuchels Wiedersehen in Mainz macht keine Freude

Erstmals kommt Thomas Tuchel als BVB-Trainer nach Mainz zurück. Dessen Präsident Strutz hat ihm seinen Abgang 2014 nie verziehen.

Thomas Tuchel erlebte zuletzt mit Dortmund ein 1:5-Debakel in München. In Mainz wartet nicht nur eine sportliche Herausforderung

Thomas Tuchel erlebte zuletzt mit Dortmund ein 1:5-Debakel in München. In Mainz wartet nicht nur eine sportliche Herausforderung

Foto: Alexander Hassenstein / Bongarts/Getty Images

Berlin.  Dass Thomas Tuchel in dieser Saison an die erste Stätte seiner Laufbahn als Profitrainer zurückkehren wird, war die logische Folge seines Amtsantritts als Coach von Borussia Dortmund. Was ihn am Freitagabend beim FSV Mainz 05 (20.30 Uhr, Sky) erwarten wird, ist jedoch ungewiss. Offenbar weiß man beim FSV selbst nicht so genau, wie man den einst Gefeierten empfangen soll.

„Wir haben unterschiedliche Auffassungen von Respekt. Sein Abgang war schon grenzwertig“, sagte FSV-Präsident Harald Strutz in der „Bild“ und machte deutlich, wie nachtragend Protagonisten im Profizirkus Fußball doch sein können.

Im Mai 2014 hatte Tuchel mit seinem Weggang aus Mainz überrascht, trotz des noch bis 2015 laufenden Vertrages. Tuchel hatte seine Entscheidung mit der Aussichtslosigkeit begründet, dass er die Mannschaft noch weiterentwickeln kann. Ein hehrer Ansatz angesichts des knallharten Geschäfts, in dem sich eher Vereinsobere genötigt sehen, Verträge mit Trainern zu kündigen.

Martin Schmidt lobt seinen Förderer

Bereits in der Winterpause der Saison 2013/14 hatte Tuchel den FSV-Chefs mitgeteilt, seinen Vertrag nicht erfüllen zu wollen. Knackpunkt seien aber angeblich die geheimen Verhandlungen mit Schalke und Leverkusen gewesen, die Strutz immer noch enttäuschen.

So sagt der FSV-Boss: „Jürgen Klopp war Herzenstrainer, Martin Schmidt in den letzten Monaten auch schon. Und Tuchel – der ist Trainer. So bewerten das die Fans.“ Tuchels Nach-Nachfolger Martin Schmidt hat derweil nur Gutes über seinen Förderer und Freund zu berichten. „Thomas hat mir Bundesliga beigebracht, er war ein wichtiger Taktgeber in meiner Laufbahn“, lobte der 48-jährige Schmidt.

Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hätte jedenfalls kein Verständnis für Unmutsbekundungen. Immerhin ist Tuchel mit 239 Punkten in 170 Partien der bislang erfolgreichste Mainzer Bundesliga-Coach. „Normalerweise müssen deshalb für ihn am Bruchweg Girlanden hängen“, sagte Watzke im „Kicker“.

Tuchel will zu Strutz nichts sagen

Und Tuchel selbst? „Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Publikum Vorbehalte hat“, sagte der 42-Jährige und stellt sich auf ein bewegendes „Comeback“ ein: „Mainz ist fast zu meiner zweiten Heimat geworden. Dorthin zurückzukommen und dort im Hotel zu wohnen, wird schon ein bisschen komisch für mich.“

Auf die Begleitumstände seines Abschieds wollte der Dortmunder Coach aber nicht mehr genau eingehen. Ein gutes Haar an Strutz ließ er dennoch nicht. „Die Zeiten sind vorbei, in denen ich mich über Harald Strutz geärgert habe.

Wie und wo er es gesagt hat, sagt am Ende mehr über Harald Strutz aus als über mich“, meinte Tuchel nur. Seinen Abgang aus Mainz bezeichnet er immer noch als „alternativlos“. Ob die Fans dies am Freitagabend genau so sehen werden?