EM-Qualifikation

Albanien im Taumel: „Unfassbarer Traum ist wahr geworden“

Das Balkanland feiert mit der EM-Teilnahme den größten Erfolg seines Nationalteams. Und düpiert einen Ex-Europameister.

Tausende Fans empfangen die Nationalmannnschaft am Flughafen, nachdem diese in Armenien mit einem 3:0 Sieg die EM-Qualifikation perfekt gemacht hat

Tausende Fans empfangen die Nationalmannnschaft am Flughafen, nachdem diese in Armenien mit einem 3:0 Sieg die EM-Qualifikation perfekt gemacht hat

Foto: Armando Babani / dpa

Tirana.  Die freudetrunkenen albanischen Profis schickten gleich am Sonntagabend ein Kabinen-Selfie Richtung Heimat, und Tausende Menschen haben am Montagmittag in Tirana die albanische Fußballnationalmannschaft nach ihrer EM-Qualifikation gefeiert.

Erst am Flughafen der Hauptstadt, wo es sich Regierungschef Edi Rama am Montag nicht nehmen ließ, jeden einzelnen Helden direkt an der Gangway mit einer Umarmung zu begrüßen. Dann auf dem „Mutter Teresa“-Platz im Zentrum, wo eine große Freudenparty stieg. Nach dem historischen Triumph des Fußball-Zwergs gab es in dem kleinen Land auf der Balkanhalbinsel nur ein Thema.

„Albanien hat Geschichte geschrieben“, freute sich die Zeitung „Koha jone“ über das 3:0 des Teams am Sonntagabend in Armenien, das Albanien den größten Erfolg in seiner Fußballgeschichte bescherte: Die Qualifikation zur Europameisterschaft 2016 in Frankreich.

Die albanische Fahen am Eiffelturm

Das meist bejubelte Bild in den sozialen Netzwerken war die Fotomontage des Eiffelturms, an dem die überdimensionierte albanische Nationalfahne weht. „Bonjour France“ titelte die Tageszeitung „Mapo“.

„Ein unfassbarer Traum ist wahr geworden“, twitterte Ministerpräsident Edi Rama: „Albanien geht in die EM-Geschichte ein.“ Die Zeitung „Shekulli“ erhob die Spieler und den italienischen Trainer Giovanni De Biasi zum „Stolz der Nation“.

„Ich bin überglücklich, das sind die Früchte außergewöhnlicher Arbeit“, sagte Armando Duka, Präsident des albanischen Fußballverbandes FSHF, dessen größter Erfolg bislang der Gewinn des längst nicht mehr stattfindenden Balkan-Cups war – vor 69 Jahren. „Wir feiern alle, nur wenige haben an uns geglaubt. Albanien hat sich diesen Sieg verdient“, sagte Duka.

„Jetzt kann Serbien am Fernseher zuschauen“

Dass sich Albanien hinter Portugal als Zweiter der Gruppe I für das Turnier in Frankreich qualifiziert hat, ist eine Sensation. Die weitaus stärker eingeschätzten Dänen, immerhin Ex-Europameister, müssen dafür in die Play-off-Spiele, Serbien nutzte der Sieg in Albanien vergangene Woche (2:0) nichts.

„Nach der Niederlage gegen Serbien haben wir noch einmal viel verändert“, sagte Kapitän Lorik Cana und ergänzte: „Jetzt können sie uns vor dem Fernseher zuschauen.“

Im Hinspiel in Serbien vor einem Jahr war es zu einem folgenschweren Skandal gekommen. In der politisch hochbrisanten Partie flog kurz vor dem Halbzeitpfiff eine Drohne mit einer Nationalflagge, auf der die Umrisse eines großalbanischen Reiches zu sehen waren, über den Rasen – es kam zu schweren Krawallen, das Spiel wurde in der 41. Minute beim Stand von 0:0 abgebrochen.

Nationalorden durch den Staatspräsident

Der Vorfall zog Kreise bis auf höchste politische Ebene. „Stellen Sie sich nur mal eine Situation vor, in der Israel Deutschland in Tel Aviv empfängt und jemand eine Hakenkreuzfahne mit dem Kopf Adolf Hitlers entrollt“, hatte Serbiens Verbandsvize Goran Milanovic gesagt. Gewertet wurde das Spiel nach dem Urteil des Internationalen Sportgerichtshofes Cas mit 3:0 für Albanien.

Auch dank dieser Entscheidung nimmt nun Albanien erstmals an einem größeren Fußballturnier teil. Da lässt sich Staatspräsident Bujar Nishani nicht lumpen. Er zeichnet alle Spieler mit dem Nationalorden aus. „Ihr habt das Ansehen Albaniens und der Albaner in der Welt gehoben und uns stolz und geeint gemacht wie niemals zuvor“, heißt es zur Begründung. Von der Zeremonie können die Spieler ja anschließend Verleihungs-Selfies schießen.