EM-Qualifikation

Oranje braucht das Wunder von Amsterdam

Letzte Chance auf ein EM-Ticket: Den Niederländern helfen nur noch eine klarer Sieg gegen die Tschechen und Schützenhilfe von Island.

Holländische Fans hoffen auf ganz viel Glück im entscheidenden Spiel gegen Tschechien

Holländische Fans hoffen auf ganz viel Glück im entscheidenden Spiel gegen Tschechien

Foto: epa Marcel Antonisse / picture-alliance / dpa/dpaweb

„O nee!“, jammerte der niederländische TV-Kommentator. Gerade hatten die Türken in Prag zum 1:0 gegen die Tschechen getroffen. Knapp 30 Minuten später stand ihr 2:0-Sieg fest.

„Das war‘s dann wohl“, stellten die Fußball-Experten am Sonnabendabend im Fernsehstudio fest. Die EM 2016 findet damit wohl ohne die Niederlande statt, eine weitere Blamage nach der verpassten WM 2002.

Dabei hatte der Abend so hoffnungsvoll begonnen. Zum ersten Mal schien sogar das sonst so sorgenvoll zerknitterte Gesicht des niederländischen Nationaltrainers Danny Blind etwas entspannter.

Holland in Not: Schicksalstag für die Elftal

„Ich bin zufrieden mit diesem Sieg“, sagte der Bondscoach nach dem mühsamen 2:1 gegen Kasachstan, einer von nur vier Siegen in der Qualifikation für das Turnier im kommenden Sommer in Frankreich – und das in einer Gruppe mit Fußballzwergen wie Lettland, Island und Kasachstan.

Doch letztlich änderte er nichts am Stand der Gruppe A. Island und Tschechien hatten sich schon vor ihren Punktverlusten qualifiziert. Und Oranje blieb weiter nur auf Platz vier. Die Türkei (15 Punkte) wäre mit einem Punkt im abschließenden Gruppenspiel gegen Island am Dienstag fürs Play-off qualifiziert, weil sie den direkten Vergleich gegen die Niederlande (13) gewonnen hat. Nur bei einer türkischen Niederlage hat Oranje bei einem Erfolg über Tschechien noch die Chance auf Platz drei.

Schicksalstag ist Dienstag. Oranje, mit seinen vielen unerfahrenen Spielern, steht vor einer schweren Aufgabe in der Amsterdam Arena (20.45 Uhr). Zu allem Überfluss plagen Blind personelle Probleme.

Zur langen Verletztenliste um Kapitän Arjen Robben (Bayern München) gesellte sich nun auch Torhüter Tim Krul mit Kniebeschwerden. „Wir befinden uns in einer extremen Situation“, sagte der Bondscoach.

„Das macht man nicht mit einem van Persie“

Es könnte nun aber das letzte Mal sein, dass Danny Blind auf der Trainerbank von Oranje sitzt. Nach dem erzwungenen Abschied von Guus Hiddink nach weniger als nur einem Jahr war das Vertrauen schon nicht groß. Auch nach dem Sieg in Kasachstan wurde Kritik am ehemaligen Nationalspieler laut, weil er Torjäger Robin van Persie erst drei Minuten vor Ende einwechselte.

„Das macht man nicht mit einem van Persie“, schimpfte Bochums Trainer Gertjan Verbeek. Der Angreifer von Fenerbahce, der für den Schalker Klaas-Jan Huntelaar eingewechselt wurde, bestritt sein 100. Länderspiel.

Der Betroffene selbst sah das gelassen: „Es ist die Entscheidung des Bondscoaches. Ich kann nur sagen, dass ich fit bin. Aber es geht nicht um mich, sondern um die Mannschaft. Und die hat gewonnen“, sagte er. Immerhin hielt Oranje-Kapitän Wesley Sneijder in der Umkleidekabine eine Geburtstagsansprache für den Teamkollegen. „Das habe ich richtig genossen“, berichtete van Persie.

Blinds Entscheidung stößt auf Unverständnis

Verbeek kann derweil die Entscheidung von Blind, van Persie so spät zu bringen, nicht nachvollziehen: „Eine solche Auswechslung dient ausschließlich dazu, den Spielrhythmus des Gegners zu stören. Dazu benutzt man aber nicht van Persie. Der 100. Länderspieleinsatz sollte ein Fest sein.“ Der VfL-Trainer hofft, dass van Persie am Dienstag nachträglich ein entsprechender Rahmen gegen Tschechien für sein Jubiläum bereitet wird.

Weder Huntelaar noch van Persie trafen allerdings gegen die Kasachen. Für Oranje schossen Georginio Wijnaldum (33.) und Wesley Sneijder (50.) die Tore. Dennoch kann den WM-Dritten nur noch ein Wunder retten. Aber daran glaubt kaum einer. Außer dem niederländischen Fußballbund. „Oranje darf weiter hoffen,“ schrieb der KNVB auf seiner Internetseite.

Albanien darf erstmals aneiner EM-Endrunde teilnehmen

So ähnlich klingt das seit gestern sicher auch in Dänemark, das überraschend in die Relegation muss. Denn Albanien gewann am Sonntag 3:0 (2:0) in Armenien und sicherte sich damit in Gruppe I Platz zwei vor dem Europameister von 1992.

Insgesamt stehen 16 der diesmal 24 EM-Teilnehmer fest: Frankreich (Gastgeber), Albanien, Belgien, Deutschland, England, Island, Italien, Nordirland, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweiz, Spanien, Tschechien, Wales. BM