Triathlon

Jan Frodeno gewinnt den Ironman auf Hawaii – und wird Vater

Jan Frodeno holt als erster Olympiasieger den wichtigsten Triathlon-Titel der Welt. Der nächste Höhepunkt folgt im Februar.

So begeistert feiert Frodeno die Zielankunft in Kailua-Kona

So begeistert feiert Frodeno die Zielankunft in Kailua-Kona

Foto: Bruce Omori / dpa

Kailua Kona/Berlin.  Mehr Glück und Zufriedenheit mit sich selbst als in solchen Momenten kann ein Mann vermutlich nicht erfahren. Als nur noch wenige Meter Jan Frodeno vom Finale der länger als acht Stunden dauernden Tortur trennten, schaltete der beste Triathlet der Welt herunter auf Schritttempo. Sein Vorsprung war ja riesig.

Vorsichtig, fast ein wenig wankend, näherte sich der 34-Jährige dem Zielband auf dem Alii Drive in Kailua Kona, zerriss es jubelnd und ließ sich auf den Boden sinken, lachend, obwohl mit den Kräften völlig am Ende.

Erst als seine Frau Emma Snowsill, selbst Olympiasiegerin und Weltmeisterin, zum Gratulieren bei ihm auftauchte, kam er mit ihrer Hilfe wieder auf die Beine, umarmte und küsste sie zärtlich auf den Bauch. Im Februar erwarten die beiden ihr erstes Kind.

Übermannt von familiärer Vorfreude

„Es war ein schöner Moment, das publik zu machen“, sagte der souveräne Sieger, der nach 8:14:40 Stunden gut drei Minuten vor dem Zweitplatzierten Andreas Raelert, 39, aus Rostock gewann. Eine weitere Minute zurück wurde Timothy O’Donnell (USA) Dritter. „Als ich im Ziel war, war es eine Mischung aus Glück, Freude, Realität und Surrealität.“

Jan Frodeno konnte sein Glück nur schwer in Worte fassen. Zum einen übermannt von der familiären Vorfreude. Aber auch unter dem rein sportlichen Aspekt. Einiges, was der eiserne Saarbrücker auf Hawaii voll­endete, hat vor ihm noch niemand geschafft. Und nicht immer war es unbeirrt vorwärts gegangen.

Karriereende drohte durch Burnout

2008 wurde er in Peking Olympiasieger über die Kurzdistanz – 1,5 Kilometer Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren und zehn Kilometer Laufen. Eine Burnout-Erkrankung, zu der er sich offen bekannte, schien Frodenos Karriere danach früh zu beenden, er wollte mit dem Sport aufhören, alles hinschmeißen.

Aber bereits bei den Olympischen Spielen in London war er als Sechster erneut bester deutscher Starter. Anschließend wechselte Frodeno nach einem Hawaii-Besuch auf die längeren Distanzen, die er vorher abgelehnt, „nicht dynamisch genug“ gefunden hatte. Mit verblüffenden Erfolgen.

Bereits bei seinem ersten Hawaii-Start 2014 (3,86 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Rad und ein Marathonlauf) sprang Frodeno als Dritter aufs Podium hinter Sieger Sebastian Kienle, der diesmal Achter wurde.

In diesem Jahr wurde er im Juli in Frankfurt Europameister über die Ironman-Distanz, einen Monat darauf in Salzburg Weltmeister im Ironman 70.3, also über halb so lange Distanzen. Und nun der Triumph in Kailua-Kona, identisch mit dem WM-Titel. Diese drei Erfolge in einem Jahr – ein Novum durch den Spätstarter.

„Ich bin auf Wolke Sieben“

Olympiasieger und Ironman auf Hawaii – ein weiteres einmaliges Ereignis in der noch jungen Sportart. Wen wundert es da, wenn Frodeno sagt: „Ich bin auf Wolke sieben. Oder neun. Oder 35.“ Hauptsache Wolke.

Am Himmel gab es davon am Sonntag nämlich wie erwartet keine zu sehen. Der anstrengendste Tag des Jahres zwischen Lavagestein und extremen Temperaturen lief für Frodeno trotzdem von Anfang an nahezu perfekt.

Den Pazifik verließ er nach dem Schwimmen in der Spitzengruppe. Vom Fahrradsattel stieg er als Führender. „Mir war klar: Wenn ich ein Polster herauslaufe, wird es schwer für die anderen, das bei der Hitze wieder aufzuholen.“

Klingt nach einer guten Taktik. Dass seine Kräfte nachlassen könnten, schien er gar nicht in Erwägung zu ziehen. Anderen erging es so, Vorjahressieger Kienle etwa. Oder dem Berliner Nils Frommhold, 2014 noch Sechster, der diesmal auf Rang 52 landete.

Brennende Fußsohlen und ein Schädel, der zu platzen droht

So konnte sich Jan Frodeno als fünfter deutscher Hawaii-Sieger nach Thomas Hellriegel (1997), Normann Stadler (2004 und 2006), Faris Al-Sultan (2005) sowie Kienle (2014) feiern lassen. Vergessen, dass beim Laufen die Belastung extrem war.

„Die Fußsohlen brennen, der Schädel platzt“, beschrieb er die finalen Gefühle auf der letzten der drei Ausdauerstrecken. Aber der Athlet, der zeitweise in Spanien, zeitweise in Australien lebt, schien am besten von allen Startern vorbereitet zu sein auf die Strapazen.

Und als es nur noch wenige Meter bis ins Ziel waren, da verzichtete Jan Frodeno auf das übliche Abklatschen oder Fahnengewitter. Nur kein unnötiges Risiko eingehen. „Ich muss es erst mal kapieren, dass ich Hawaii gewonnen habe“, sagte er hinterher.

Dafür hat er jetzt ein bisschen Zeit, denn nach dem Saisonhöhepunkt ist Regeneration angesagt. Und die Vorbereitung auf das nächste freudige Ereignis. Das taucht zwar nicht in Rekordlisten auf, wird das Glück vermutlich aber noch erheblich größer machen.

Doch vorher muss Frodeno noch sagen, welcher Sieg ihm wichtiger ist: Olympia oder Hawaii? „Olympia, weil es alle vier Jahre stattfindet.“