Europa League

Pyro-Krawalle in Saloniki, Handgranaten-Skandal in Rom

Dortmunds Verantwortliche zürnen nach Unterbrechung in Saloniki gegen eigene Fans. Uefa verschiebt Untersuchung auf kommende Woche.

Hamburg. Durchwachsene Bilanz der deutschen Fußball-Bundesligisten am zweiten Spieltag der Europa League: Während Schalke 04 nach dem 4:0-Sieg über Asteras Tripolis souverän an der Spitze der Gruppe K thront und Hattrick-Schütze Franco Di Santo feiert, mühte sich Borussia Dortmund in der Gruppe C mit einem 1:1 bei PAOK Saloniki zur Behauptung der Tabellenführung. Erneut leer aus ging Euro-League-Novize Augsburg: Die Fuggerstädter kassierten zuhause gegen Partizan Belgrad bereits die zweite 1:3-Niederlage.

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Acht BVB-Anhänger festgenommen

17:34 Uhr: Acht Anhänger des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund sind vor und während des Europa-League-Spiels bei PAOK Saloniki (1:1) festgenommen worden. Ihnen drohen wegen verschiedener Vorfälle strafrechtliche Konsequenzen und auch Sanktionen durch Borussia Dortmund.

Wie die Polizei Dortmund am Freitagnachmittag mitteilte, seien vor dem Spiel sechs BVB-Ultras am Rande der Innenstadt der griechischen Metropole vorübergehend festgenommen worden. Dort war es zu Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften gekommen, weil die Dortmunder Anhänger den Bus-Shuttle zum Stadion umgehen und zu Fuß durch die Innenstadt gehen wollten. Das war im Vorfeld des Spiels nach Absprache aller Parteien untersagt worden. Es wurden Flaschen und Dosen auf die griechische Polizei geworfen.

Zwei weitere BVB-Anhänger wurden während des Spiels im Gästeblock festgenommen. Sie sind bereits dem Haftrichter vorgeführt worden. Im Gästeblock wurde am Donnerstagabend Pyrotechnik gezündet und damit eine Spielunterbrechung provoziert. Griechische und deutsche Behörden hatten vor dem Spiel umfangreiche Verhaltensregeln vereinbart, auch, weil einige Dortmunder Fans eine Freundschaft zu Anhängern von Aris Saloniki pflegen. Aris ist der Erzrivale von PAOK Saloniki.

Uefa befasst sich mit BVB in kommender Woche

10.59 Uhr: Die Uefa wird sich in der kommenden Woche mit der durch Dortmunder Fans verursachten Spielunterbrechung in Saloniki befassen (siehe auch Meldung von 8.24 Uhr). Wie die Uefa auf Anfrage mitteilte, werden zunächst die Berichte zu den Vorfällen während des Spiels geprüft und danach über die mögliche Eröffnung eines Disziplinarverfahrens entscheiden.

Im Dortmunder Fanblock im Stadion Toumba wurde kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit Pyrotechnik gezündet. Schiedsrichter Anthony Taylor (England) unterbrach die Begegnung in der 48. Minute. Eine Geldstrafe für den BVB ist wahrscheinlich, möglich sind darüber hinaus auch Teilausschlüsse von Zuschauern.

Französische Fans mit Handgranaten in Rom

10.48 Uhr: Fünf Fans des französischen Rekordmeisters AS St. Etienne sind vor dem Euro-League-Spiel bei Lazio Rom (3:2), Club von Weltmeister Miroslav Klose, festgenommen worden. Ein weiterer Franzose wurde angezeigt. Bei den Anhängern waren eine professionelle Handgranate sowie Messer, Schlagstöcke und Knallkörper entdeckt worden. Das berichtet die Tageszeitung Corriere dello Sport.

Etwa 1000 französische Fans waren nach Rom gereist, schon im Vorfeld waren zahlreiche Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden.

BVB übertrumpft Schalke bei Sport1

10.39 Uhr: Sport1 punktet weiter mit guten Quoten bei der Übertragung der Europa League. 2,78 Millionen Zuschauer verfolgten durchschnittlich das 1:1 zwischen Saloniki und Dortmund, das waren 670.000 mehr als beim Auftakt von Schalke 04 vor zwei Wochen. Der Marktanteil zog beim Gesamtpublikum auf gute 10,4 Prozent an. Nur Das Erste, das ZDF und RTL lockten am Donnerstag mehr Zuschauer vor den Fernseher.

Auch die Vorberichterstattung ab 19 Uhr zahlte sich aus. 570.000 Zuschauer sahen im Schnitt den Countdown, der Marktanteil beim Gesamtpublikum lag bei 2,2 Prozent. Nach dem Abpfiff blieben noch 960.000 Zuschauer bei den Highlights dran.

Riesenärger beim BVB wegen zündelnder Fans

8.24 Uhr: Borussia Dortmund droht nach der Spielunterbrechung bei Saloniki eine empfindliche Strafe durch die Uefa. Nach der durch BVB-Anhänger verursachten Unterbrechung sprach Dortmund-Chef Hans-Joachim Watzke Klartext. „Man kann das in keiner Weise tolerieren.“ Trainer Thomas Tuchel befand nach dem 1:1: „Wir haben mit der Pyro begonnen, das ist sehr ärgerlich. Wir sind nicht glücklich darüber.“

Bei der Begegnung hatten BVB-Fans bengalische Feuer gezündet, die PAOK-Anhänger hatten Leuchtraketen abgeschossen und zudem nach Schlusspfiff versucht, den Gästeblock zu stürmen. Der BVB sprach auf seiner Homepage von "Jagdszenen auf dem Rasen".

"Wir hatten uns im Vorfeld den betreffenden Gruppen gegenüber klar positioniert. Wir müssen das jetzt aufarbeiten. Ich halte grundsätzlich viel davon, dass man alle Beteiligten anhört. Heute war das aber alles sehr eindeutig. Es wird für uns wieder eine empfindliche Geldstrafe geben. Wenn das Spiel gestört wird, ist eine Grenze erreicht. Das ist nicht mehr hinnehmbar", sagte Watzke.

Von „beschämenden Bildern“ sprach BVB-Sportdirektor Michael Zorc. Nach der Pause war das Spiel kurz unterbrochen worden, weil im BVB-Block Feuerwerkskörper gezündet worden und die Polizei eingeschritten war. Brennende Bengalos waren auch in Richtung einiger Sanitäter geworfen worden. „Eine Grenze ist erreicht“, befand Watzke. „Das Spiel ist dadurch komplett gestört worden. Ich habe mich dabei ertappt, wie ich minutenlang nur in die Kurve geschaut und das Spiel nicht beobachtet habe. Es ist jammerschade, was hier passiert ist.“

Nach dem neuerlichen Vorfall befürchten die Dortmunder Sanktionen durch die Uefa bis hin zu einem „Geisterspiel“. Watzke kündigte an, die Übeltäter hart zu bestrafen: „Man muss das Problem nicht kleinreden. Mit Dialog und guten Worten kommt man nicht weiter.“

Nach langen Diskussionen war das BVB-Team nach Schlusspfiff dennoch in die Kurve gegangen. Trainer Tuchel verteidigte den Gang der Mannschaft in die Fankurve nach dem Spiel. „Ein paar wenige richten Chaos an, aber es waren über 1000 Fans da, die es verdient hatten, dass sich die Mannschaft bedankt.“ Tuchel erklärte, der Gang in die Kurve sei von der Mannschaft ausgegangen: „Ich habe das nicht angeordnet.“

Das Spiel in Saloniki war von den BVB-Verantwortlichen schon im Vorfeld als problematisch eingestuft worden, da die Dortmunder Anhänger eine Fanfreundschaft zum PAOK-Stadtrivalen Aris pflegen.

Schalkes Di Santo jubelt über Befreiungsschlag

8.10 Uhr: In der Bundesliga mit Ladehemmungen, hat Franco di Santo in der Europa League Selbstvertrauen getankt. Drei Tore steuerte der Angreifer des FC Schalke 04 zum 4:0 (3:0)-Erfolg gegen Asteras Tripolis bei, erzielte am Donnerstagabend zwischen der 28. und 45. Minute einen Hattrick. „Diese Tore sind wie eine Befreiung für mich“, sagte der Argentinier anschließend. Es waren die erste Tore des im Sommer von Liga-Konkurrent Werder Bremen zu Schalke 04 gewechselten Stürmers seit dem 8. August.

Da hatte der 26-Jährige im DFB-Pokal beim 5:0 gegen Zweitligist MSV Duisburg noch getroffen - in den folgenden sieben Ligaspielen ging er jedoch leer aus. „Wir alle hoffen, dass jetzt auch in der Bundesliga der Knoten bei ihm platzt“, sagte Schalke-Coach André Breitenreiter.

Gegen schwache Griechen erzielte di Santo am Donnerstagabend das 1:0 mit dem rechten Fuß nach einer Flanke von Sascha Riether, das 2:0 nur neun Minuten später per Kopf nach einer Ecke von Johannes Geis und das 3:0 nach einem Handspiel vom Elfmeterpunkt - die Partie war damit schon vor der Pause entschieden. „Eigentlich war Geis ja als erster Elfmeterschütze vorgesehen und dann erst ich. Aber Geis hat mir die Chance gegeben und ich habe sie genutzt“, kommentierte di Santo seinen dritten Treffer.

Statistiken der Bundesligisten

PAOK Saloniki - Borussia Dortmund 1:1 (1:0)

PAOK: Olsen - Konstantinidis, Vitor, Costa, Tzavellas - Sabo, Tziolis, Kace (85. Charisis) - Mak (73. Jairo), Berbatov (89. Pelkas), Rodrigues. - Trainer: Tudor

Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Sven Bender, Subotic, Park - Castro, Weigl (65. Schmelzer) - Hofmann, Mchitarjan (65. Ramos), Januzaj (84. Leitner) - Reus. - Trainer: Tuchel

Schiedsrichter: Anthony Taylor (England)

Tore: 1:0 Mak (34.), 1:1 Castro (72.)

Zuschauer: 25.663

Beste Spieler: Olsen, Mak - Weigl, Castro

Gelbe Karten: Mak, Tzavellas (2) - Mchitarjan, Weigl, Subotic

FC Augsburg - Partizan Belgrad 1:3 (0:1)

Augsburg: Hitz - Verhaegh, Hong, Callsen-Bracker (75. Trochowski), Feulner (46. Max) - Baier - Bobadilla, Koo, Altintop, Ji - Matavz (46. Esswein). - Trainer: Weinzierl

Belgrad: Zivkovic - Vulicevic, Balazic (46. Ostojic), Fabricio, Subic - Brasanac, Stevanovic, Jevtovic, Babovic - Zivkovic, Oumarou (22. Bozhinov, 67. Petrovic). - Trainer: Milinkovic

Schiedsrichter: Alexandru Dan Tudor (Rumänien)

Tore: 0:1 Zivkovic (31.), 0:2 Fabricio (54.), 1:2 Bobadilla (57.), 1:3 Zivkovic (62.)

Zuschauer: 22.948

Beste Spieler: Bobadilla - Zivko Zivkovic, Andrija Zivkovic

Gelb-Rote Karte: Subic wegen wiederholten Foulspiels (64.)

Gelbe Karten: Callsen-Bracker, Esswein, Hong, Bobadilla - Jevtovic, Vulicevic, Petrovic, Ostojic

Schalke 04 - Asteras Tripolis 4:0 (3:0)

Schalke: Fährmann - Riether, Höwedes, Joel Matip, Kolasinac - Geis (46. Ayhan), Höjbjerg - Goretzka (73. Meyer), Leroy Sane - Di Santo (63. Choupo-Moting), Huntelaar. - Trainer: Breitenreiter

Tripolis: Theodoropoulos - Lluy, Goian (70. Fountas), Sankare, Giannoulis - Ederson (79. Kourbelis), Iglesias - Hamdani, Zisopoulos, Mazza (59. Tsokanis) - Giannou. - Trainer: Vergetis

Schiedsrichter: Pol van Boekel (Niederlande)

Tore: 1:0 Di Santo (28.), 2:0 Di Santo (37.), 3:0 Di Santo (44., Handelfmeter), 4:0 Huntelaar (84.)

Zuschauer: 42.447

Beste Spieler: Di Santo, Geis, Sane - Iglesias, Theodoropoulos

Gelbe Karten: - Ederson (2), Goian