Jekaterinburg

Königinnen an der Platte

Berlinerin Solja führt Deutschland bei Tischtennis-EM zum Titel-Hattrick

Jekaterinburg. Es war eine Demonstration der Stärke. Deutschlands Frauen bleiben Europas Tischtennis-Königinnen. Das Team von Bundestrainerin Jie Schöpp machte im Finale der EM in Jekaterinburg durch ein ungefährdetes 3:0 gegen Ex-Titelträger Rumänien den angestrebten Titelhattrick perfekt. Drei Mannschafts-Titel in Serie bei den Frauen hatten zuvor in der 57-jährigen EM-Historie nur die Niederlande gewonnen. Das Oranje-Team triumphierte von 2008 bis 2011 sogar viermal nacheinander.

Die deutschen Männer verloren ohne den verletzt fehlenden Timo Boll ihr Finale hingegen mit 2:3 gegen Österreich und damit ihr zweites Endspiel in Folge. Im vergangenen Jahr hatte es ein 1:3 gegen Portugal gegeben. „Wir hatten uns auch ohne Timo für stark genug gehalten, den Titel zurückzuholen. Schon das verlorene EM-Endspiel 2014 war eine Warnung, dass wir unseren Nimbus der Unbesiegbarkeit eingebüßt haben“, sagte Bundestrainer Jörg Roßkopf enttäuscht: „Natürlich werden wir uns Gedanken machen, auch wenn bis zur WM im Februar und bis zu den Olympischen Spielen in Rio noch einige Zeit bleibt.“

Gut zwei Jahrzehnte nach der von Nicole Struse angeführten Erfolgsgeneration des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) dürfen sich die DTTB-Frauen nach dem insgesamt siebten EM-Titel im Hinblick auf Olympia 2016 durchaus Außenseiterchancen auf eine Mannschaftmedaille ausrechnen. In Russland gaben die Deutsche Meisterin Petrissa Solja (TTC Berlin Eastside) und Co. in ihren sechs Begegnungen auf dem Weg zum dritten EM-Erfolg in Serie nur zwei Einzelpunkte ab. „Natürlich war der Titel ganz klar das Ziel, fast sogar eine Pflicht. Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft, wie sie den Druck ausgehalten und die gesamte Situation gemeistert hat. Wir haben wirklich ein sehr starkes Turnier gespielt“, kommentierte Schöpp den Titelgewinn.

Im Endspiel gegen Rumänien holte Solja den entscheidenden Punkt. Vor dem Erfolg der German-Open-Siegerin, die mit einer 6:0-Bilanz als einzige DTTB-Spielerin ungeschlagen blieb, hatten in der Neuauflage des EM-Finales von 2013 die in China geborenen Top-15-Asse Han Ying (Tarnobrzeg) und Shan Xiaona (TTC Eastside) für die vorentscheidende 2:0-Führung gesorgt.

Solja stürmte nach ihrem ersten Matchball zum 3:2 gegen Daniela Dodean-Monteiro, das nach einer vergebenen 2:0-Satzführung und bei 9:9 im Entscheidungssatz in Gefahr schien, in die Arme ihrer freudestrahlenden Trainerin. Danach klatschte sich das ganze Team, das die frühere EM-Zweite Irene Ivancan (Istanbul) und die noch amtierende Doppel-Europameisterin Sabine Winter (Kolbermoor) komplettierten, mit glänzenden Augen ab. „Es ist ein toller Moment, den entscheidenden Sieg zu einem so wichtigen Erfolg zu holen“, sagte Solja.