München

Lewandowskis großer Abend - Wolfsburg im Alleingang besiegt

Fünf Tore in neun Minuten. Nie gelang ein Hattrick in der Bundesliga schneller. Der erste Bayern-Fünferpack seit Dieter Hoeneß 1984.

Die Robert-Lewandowski-Show: Fünf Tore in 9 Minuten!

Die Robert-Lewandowski-Show: Fünf Tore in 9 Minuten!

Foto: Andreas Gebert

München. Einen Spieler einmal draußen lassen und so bis aufs Blut reizen? Ihn dann, nach einem 0:1-Rückstand, zur Pause bringen? Guter Plan. Hat also Trainer Pep Guardiola das Topspiel der Liga gegen den VfL Wolfsburg für den FC Bayern München gewonnen, weil er Robert Lewandowski in seiner Torjäger-Seele kränkte und so in der zweiten Halbzeit einen gereizten Neuner auf den Rasen schicken konnte? Vielleicht. Ein bisschen. Ein Assist-Punkt für Pep.

Denn der Mann des Abends war natürlich der Vollstrecker. „Ro-bert Le-wan-dow-ski.“ Fünf Mal, von Mal zu Mal euphorischer, brüllte der Stadionsprecher in der ausverkauften Arena den Namen des Mittelstürmers ins Mikrofon. Jeweils drei Mal, macht 15 Lewandowski-Echos der Fans. Der ­Pole erlebte wohl seine fußballerische Sternstunde, nicht nur im Bayern-­Trikot.

Lewandowski hörte nicht mehr auf zu treffen

Die Fakten – wer kam da schon mit? Erst erzielte Lewandowski per Abstauber das 1:1 (51. Minute). Nur Sekunden später ließ er mit einem krachenden Rechtsschuss aus 25 Metern das 2:1 folgen - ehe er im Nachschuss dann auch noch zum 3:1 traf (55.). Der Lewandowski-Wahnsinn gegen Wolfsburg brachte den ersten Rekord: Nie in der Bundesliga-Historie gelang ein Hattrick schneller. Der 27-Jährige benötigte für seine Tore zum 1:1 bis 3:1 nur 3:22 Minuten. Und weiter ging die wilde ­Lewandowski-Fahrt: das 4:1 auf Flanke von Douglas Costa (57.).

Nächste Zwischenbestzeit: Ein ­Vierer-Pack binnen 5:19 Minuten. Die 75.000 hörten nicht mehr auf zu raunen, Lewandowski hörte nicht mehr auf zu treffen. Als Bonus legte er noch ein Tor des Monats drauf. Der bis dato eher unauffällige, aber nun im Rausch mitgerissene Mario Götze hob den Ball auf den Mann mit der Neun, dem nun alles gelang: Seitfallzieher, das 5:1 (60.). Letzte Zwischenbestzeit: fünf Buden in neun Minuten. Das soll erst mal wieder einer nachmachen. „Das war Wahnsinn“, sagte der Torschütze, „ich wollte einfach Gas geben. Aber fünf Tore sind unglaublich.“

Machtverhältnisse wieder hergestellt

Zur Einordnung: Es war der erste Fünfer-Pack eines Bayern-Spielers seit Februar 1984, als Dieter Hoeneß gegen Braunschweig (6:0) einnetzte. Der legendäre Bomber der Nation, Gerd Müller, hatte satte vier Mal fünf Treffer in der Bundesliga erzielte, ein Sechser-Pack war ihm nicht vergönnt. Den schaffte der andere Müller. Dieter Müller war im August 1977 beim 7:2 gegen Werder Bremen sechs Mal für den 1. FC Köln erfolgreich.

Und in Sachen Hattrick: Bis gestern hatte ein gewisser Michael Tönnies als Schnellster drei Tore hintereinander in einer Halbzeit erzielt, Oliver Kahn wird sich nicht gern dran erinnern: Am 27. August 1991 benötigte der Duisburger fünf Minuten für drei Tore beim 6:2 gegen den Karlsruher SC. Nun hat ihn Lewandowski überholt. Nach Abpfiff kamen alle Kollegen, um ihm zu gratulieren. Der Ball, den man schon als Hattrick-Torschütze mitnehmen darf, war seiner.

5:1 – damit hatten die Bayern, na ja vornehmlich Robert Lewandowski, die Machtverhältnisse in der Republik ­wiederhergestellt. Die erste Halbzeit? Vielleicht etwas für die Wolfsburger Vereins-DVD-Sammlung.

Der VfL gewann die ersten 45 Minuten

Der VfL gewann die ersten 45 Minuten 1:0 gegen Bayern. Zunächst war es ein Duell voller gegenseitigem Respekt und Abwarten. Bayern machte das Spiel, versuchte zu drücken, merkte aber: Oh, da ist Qualität auf der anderen Seite. Wenig durchkommen und die ständige Kontergefahr. Wie aus dem Nichts das 0:1. Wolfsburgs Millionen-Transfer Julian Draxler mit feinem Pass ans rechte Strafraumeck zu Daniel Caligiuri, und der setzte den Ball wuchtig halbhoch ins kurze Eck von Manuel Neuer (27.). Ein Schock. Aus Ruhe wurde Stille im Stadion.

Douglas Costa versuchte mit einem Hammer-Linksschuss auszugleichen, Benaglio parierte (31.). Viel mehr Bayern war nicht bis zur Pause. Und bis zur genialen Idee von Guardiola. Er nahm die schwachen Juan Bernat, der beim 0:1 viel zu passiv war, und den ideenlosen Thiago, eigentlich sein Lieblingsschüler, vom Feld, brachte mit Javi Martínez einen Stabilisator für die Abwehr. Die zweite Einwechslung war die aus der Abteilung goldener Griff: Lewandowski rein.

Bayern nun mit sechs Startsiegen, Wolfsburg verlor erstmals nach 14 Pflichtspielen ohne Niederlage. 15 wären Vereinsrekord gewesen. Am Ende schunkelten die Fans mit Wiesn-Musik. Die Bayern haben nun die letzten neun Pflichtspiele daheim zur Oktoberfest-Zeit gewonnen. Oans, zwoa, druffa - für: getroffen. Fünf Maß auf Robert Lewandowski. Der sagte: „Das war für mich ein großer Abend.“

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