London

Spiel für Milliarden

Aber in Deutschland ist die Rugby-WM in England nur eine Randnotiz

London. Fast 20 Jahre nach der Fußball-EM 1996 kommt auch die Rugby-Weltmeisterschaft nach Hause. Die Titelkämpfe in England sind die ersten im Mutterland des körperbetonten Sports. Am Freitagabend eröffnete das Team des Gastgebers vor 82.000 Zuschauern im Londoner Rugby-Tempel Twickenham gegen Fidschi das Turnier mit einem 35:11 (18:8). Bis zum Finale am 31. Oktober werden über 2,2 Millionen Fans in den Stadien und bis zu drei Milliarden weltweit vor den Fernsehgeräten mitfiebern. Fast eine halbe Million Besucher aus dem Ausland werden bis zum Finale auf der Insel erwartet. In Deutschland bleibt das Mega-Event aber eine Randnotiz.

„In Deutschland gibt es eben nur einen Sport, und das ist der Fußball“, sagt Klaus Blank, Präsident des Deutschen Rugby-Verbandes (DRV). Ohne mediale Aufmerksamkeit habe es Rugby wie viele andere Sportarten schwer, sich in der Öffentlichkeit zu etablieren. Dass der TV-Sender Eurosport erstmals seit zwölf Jahren wieder 26 der insgesamt 48 WM-Spiele live überträgt, sei aber immerhin ein Anfang.

Ein weiteres Puzzleteil wäre eine sportlich erfolgreiche deutsche Mannschaft. Für eine Rugby-WM hat sich die DRV-Auswahl jedoch bislang nie qualifiziert, im Mai unterlag sie im K.o.-Duell der europäischen Qualifikations-Runde gegen Russland. „Wir waren noch nie so nah dran“, sagt Blank. Nun schaut Deutschland erneut zu bei dem Turnier der 20 weltbesten Teams, die in vier Fünfer-Gruppen je zwei Viertelfinalisten ermitteln.

Was überrascht: In Autohersteller BMW, der Deutsche-Post-Tochter DHL und Sportartikelhersteller Adidas gehören trotzdem drei deutsche Konzerne zu den Hauptsponsoren der WM. Was die Zuschauerzahlen angeht, ist das Turnier eines der größten Sportereignisse der Welt und ein gewaltiger Wirtschaftsfaktor. England verspricht sich von dem Großevent rund drei Milliarden Euro zusätzlichen Umsatz.

Auch sportlich haben die Gastgeber große Hoffnungen. Bei der in mehreren Ländern ausgetragenen WM 1991 verlor man das Endspiel in London noch gegen Australien. Diesmal will sich England zum zweiten Mal nach 2003 die Krone aufsetzen. Topfavorit ist allerdings Titelverteidiger Neuseeland. Die „All Blacks“ sind mit ihrem berühmten Haka-Tanz das Aushängeschild des Rugby-Sports und sicherten sich 2011 im eigenen Land ihren zweiten Titelgewinn.

Zum Favoritenkreis gehören zudem Vize-Weltmeister Frankreich, die „Springböcke“ Südafrikas, Australien und Irland. Eintrittskarten sind nur noch für ganz wenige Partien zu haben, Tickets für das längst ausverkaufte Finale kosten auf dem Schwarzmarkt 2700 Pfund (rund 3600 Euro).