Berlin

Das Kartenhaus der Fifa bricht zusammen

Die Beurlaubung von Generalsekretär Valcke schwächt auch Präsident Blatter

Berlin.  Die Einschläge kommen näher für Sepp Blatter. Der Weltfußballverband Fifa wird erneut von schweren Korruptionsvorwürfen erschüttert, und zwar bis ins engste Machtzentrum des scheidenden Präsidenten. Generalsekretär Jerome Valcke, Blatters engster Vertrauter, wurde am Donnerstagabend vom Weltverband „mit sofortiger Wirkung bis auf Weiteres von all seinen Aufgaben entbunden“.

Damit reagierte die Fifa wohl auf mehrere Medienberichte – unter anderem durch die „Süddeutsche Zeitung“ –, wonach sich Valcke beim Ticketverkauf für die Weltmeisterschaften 2010 bis 2022 bereichert haben soll. Der Weltverband leitete eine formelle Untersuchung durch die Fifa-Ethikkommision ein. Valcke bestritt allerdings ein Fehlverhalten. Die Anschuldigungen eines Mitarbeiters der Marketingagentur JB Sports Marketing seien „frei erfunden“ und „ungeheuerlich“, teilte Valckes Anwalt am Freitag mit.

JB Sports Marketing, eine Firma mit Sitz in der Schweiz, die auf die Vermarktung von Sportevents und insbesondere auf Ticketverkäufe spezialisiert ist, hatte ausgewählten Journalisten USB-Sticks mit Verträgen, E-Mails und Scans von WM-Tickets zukommen lassen. Die sensiblen Dokumente, zum Teil von den obersten Fifa-Verantwortlichen unterschrieben, geben Einblick in die Hintergründe eines undurchsichtigen Ticketgeschäfts, das besonders die sogenannten Hospitality-Pakete betrifft – Kombiangebote, die an große Firmen verkauft werden. Ein Kartenhausgebilde, das nun zusammenzubrechen scheint. Denn: Die Köpfe von JB Sports Marketing, der Zürcher Anwalt Heinz Schild und der israelische Ex-Profi Benny Alon, erheben schwere Vorwürfe gegen die Fifa. Alon sagt, er soll von seinem früheren Geschäftspartner, dem Japaner Haruyuki Takahashi, um zwei Millionen Euro gebeten worden sein, die dieser Blatter zukommen lassen wolle. Sowohl Takahashi, jahrelang Top-Manager der Werbeagentur Dentsu, als auch Blatter bestreiten dies. Belegt sind die Schmiergeldzahlungen in den Dokumenten nicht. Ebenfalls brisant: Laut Alon soll Valcke schon sieben Monate vor der offiziellen Vergabe-Entscheidung angekündigt haben, dass die Fußball-WM 2022 fest an Katar gehen werde. Dies wurde den involvierten Medien von drei Zeugen bestätigt.

Die Fifa ist auf die Vorwürfe bislang nicht detailliert eingegangen. Stattdessen gab es eine dünne Erklärung: Der Verband habe Kenntnis von einer Reihe von Vorwürfen. Angeblich sollen die Ermittlungen sogar behindert werden. Der Präsident der europäischen Fußball-Union Uefa, Michel Platini, möglicher Nachfolger Blatters, wollte sich nicht zu den Vorfällen äußern.

Gegen Valcke, 54, waren in der Vergangenheit immer wieder Vorwürfe laut geworden. Bislang hatte er alle Anschuldigungen überstanden, nun aber scheint es eng zu werden für den Franzosen. Die oberste Strafverfolgungsbehörde der Schweiz hat angekündigt, den Fall analysieren zu wollen.