Sevilla

Drei Elfmeter und ein Debakel

Chancenlose Gladbacher verlieren beim ersten Champions-League-Auftritt gegen den FC Sevilla deutlich mit 0:3

Sevilla.  War dann ja schon irgendwie ein denkwürdiges Champions-League-Debüt für Borussia Mönchengladbach. Wenn der Ausflug nach Südspanien auch keineswegs eine Befreiung aus der Krise bedeutete, der sich der Vorjahresdritte der Bundesliga in dieser Saison ausgesetzt sieht. Der erste Auftritt des niederrheinischen Traditionsklubs in der 1992 gegründeten Königsklasse wird nur als rekordverdächtiges Elfmeterspektakel in Erinnerung bleiben. Dreimal in 20 Minuten durfte Gegner FC Sevilla am Dienstag im Estadio Ramon Sanchez Pizjuan zum Elfmeter antreten. Zwei mal trafen die Andalusier. Weil Sevillas Yevhen Konoplyanka noch nachlegte, hieß es am Ende 0:3 (0:0).

„Das waren schlimme 90 Minuten“, sagte Stürmer André Hahn. „Wir haben heute verloren. Daran ist nicht zu rütteln. Wir sind dafür verantwortlich und müssen uns dem stellen“, sagte Gladbachs Manager Max Eberl. Wer von den Tabellen-18. ihrer jeweiligen Ligen der die weniger angeschlagene Mannschaft ist, war schnell zu sehen – die Gastgeber trafen gleich in der fünften Minute durch Vitolo den Pfosten. Das in den letzten Wochen seltene Glücksgefühl nahmen die Gladbacher kurzfristig zum Anlass eigener Vorstöße: Roel Brouwers köpfte knapp vorbei, Ibrahima Traoré blieb nach einem Solo von Raffael im Abschluss zu umständlich (16.). Das war es dann aber auch von den Gästen, die Sevilla nun das Spiel überließen, wohl wissend, dass den Spaniern eher die offene Feldschlacht liegt. So wie vorige Saison, als man sich im Sechszehntelfinale der Europa League zwei mitreißende Duelle, an deren Ende der spätere Champion Sevilla zweimal knapp reüssierte (1:0, 3:2), es aber auch die Gladbacher hätten sein können.

Damals kamen sie allerdings auch noch in anderer Besetzung: neben den abgewanderten Christoph Kramer und Max Kruse fehlten gestern auch der gesperrte Granit Xhaka sowie die verletzten Patrick Herrmann, Fabian Johnson, Alvaro Dominguez und Martin Stranzl. Und vor allem kamen sie natürlich in besserer Gemütsverfassung. Die fehlende Sicherheit war am Dienstag immer deutlicher zu spüren, die Elf von Lucien Favre bekam kaum einmal drei Pässe am Stück zusammen. Geradezu zwangsläufig nahm das Debakel seinen Lauf.

Es begann gleich nach der Halbzeitpause. Bei einem Klärungsversuch an der Torraumlinie kam Sommer mit Vitolo in Kontakt – den folgenden Elfmeter musste man nicht geben, Kevin Gameiro verwandelte ihn trotzdem (47.). Nächster Angriff und diesmal keine Debatten: Brouwers ließ gegen Vitolo das Bein stehen. Diesmal jedoch knallte Gameiro den Ball an die Latte (49.).

Mit unverändertem Drehbuch lief das Spiel weiter. Sevilla kontrollierte, dominierte – und in der 66. Minute gab es dann auch wieder Elfmeter. Die Gladbacher Abwehr trödelte bei einem Klärungsversuch so lange, bis sich Gameiro an den Ball geschlichen hatte. Tony Jantschke brachte ihn zu Fall, diesmal trat Ever Banega an und verwandelte sicher. Als die Partie schon gelaufen war, krönte Sommer die Gladbacher Pannenserie. Eine verirrte Flanke von Konoplyanka konnte er nicht abwehren (84.). Es war also ein gebrauchter Tag für Gladbach. Der von Hertha BSC gewechselte Nico Schulz gab noch sein Debüt für die Borussia (ab 72.). Aber freuen konnte er sich nicht.