Barcelona

Ronaldo ist Reals König, doch Messi bleibt der Beste

Der eine erzielt für Madrid in einem Spiel fünf Tore, dem anderen gelingt auch ohne Schlaf Barcas Siegtreffer gegen Atletico

Barcelona.  Cristiano Ronaldo schrieb noch ein paar Autogramme und posierte für Fotos am Mannschaftbus. Im echten Leben wirkt er ja immer etwas kleiner als auf dem Platz, wo ihn diese Körperspannung zu einem Superhelden aufbläst. Die – und seine Tore natürlich. Fünf waren es in Barcelona, bei Espanyol im Vorort Cornellà, und dort bestieg er jetzt den Bus, während ein Heer von Betreuern unter Hochdruck seine Spielkameraden von Real Madrid zusammentrieb. Zackzack, drei Punkte, nächster Rekord: Adiós y a casa.

Wobei – ganz so selbstverständlich, wie es aussah, war es diesmal nicht. Fünf Tore eines Spielers auswärts hatte es in der spanischen Liga seit 1996 nicht mehr gegeben. Historisch bedeutsam überholte er mit seinen Ligatoren 226 – 230 außerdem gleich die beiden größten Real-Legenden auf einmal, Alfredo Di Stéfano (227) und Raúl González Blanco (228). Wohl am wichtigsten aber beendete „CR7“ eine Debatte, in der ihn Lästermäuler zum Auslaufmodell stempeln wollten: Schließlich stand dieser Tage nicht nur in der Klatschpresse, dass er nächstes Jahr einen Cameo-Auftritt in einem Film von Martin Scorsese erhalten soll, für den er sein New Yorker Luxusapartment zur Verfügung stellt. Er hatte auch, inklusive Freundschafts- und Länderspielen, seit unglaublichen 583 Minuten nicht mehr getroffen.

Ronaldo trainierte seine Treffsicherheit daraufhin beim Gummiballschießen am Swimmingpool mit seinem vierjährigen Sohn – und siehe da, es dauerte nur acht Minuten, ehe erstmals sein markanter Brunfttorschrei („uuuuh“) unters Tribünendach schallte. Voraus gegangen war ein Solo durch den freien Raum gegen ein Espanyol, das vor dem Spiel seine Klubikone Raúl Tamudo geehrt hatte und dabei irgendwie in Geberlaune gekommen sein musste.

Ronaldo hatte sich trotzdem auch zu ärgern, mal wieder über Gareth Bale, der eine majestätische Hackenvorlage nicht antizipiert bekam. Diesmal gereichte ihm der Waliser aber noch zur Zufriedenheit, er holte den Elfmeter zu Ronaldos zweitem Tor heraus und legte ihm zwei weitere auf die Mittelstürmerposition, die der 30-Jährige in seinem beginnenden Spätwerk immer öfter besetzt. Angesichts seiner sonstigen Qualitäten konnte man früher leicht übersehen, dass Ronaldo nicht zuletzt ein begnadeter Vollstrecker ist; so erzielte er auch den 6:0-Endstand.

„Seine Statistiken sprechen für sich“, lobte Trainer Rafael Benítez, den Kritiker gern wegen seiner Statistikliebe verspotten: Es handelte sich bei seinen Worten also um ein Kompliment. Auch wenn Ronaldo in der ewigen Torjägerliste der Primeira Division nur Vierte ist. Hier führt Ronaldos ewiger Rivale, Lionel Messi (287 Tore) mit großem Abstand. Benítez konnte auch in weiterer Hinsicht zufrieden sein. Die Maßnahme, den unter seinem Vorgänger Carlo Ancelotti maximal beanspruchten Toni Kroos bei erster Gelegenheit aus der Mannschaft zu rotieren, hatte sich zumindest auf das Ergebnis nicht negativ niedergeschlagen. Nur die Spielkontrolle hätte besser sein können, aber mögliche Gegentore verhinderte Keeper Keylor Navas.

Neben dem dadurch wiedergekehrten Spott bleibt Reals einziges Problem nach dem Torspektakel in Barcelona, dass es noch ein anderes Barcelona gibt. Eines, von dem man selten so zuvorkommend behandelt wird wie von Espanyol, eines, das eine andere Kategorie Fußballer in seinen Reihen hat. Neymar etwa, der im Spitzenspiel bei Atlético Madrid mit einem brillanten Freistoß den Rückstand durch Fernando Torres ausglich. Und Lionel Messi, obwohl der die erste Stunde gar nicht mittat, nachdem er bei der Rückkehr von der Länderspielreise direkt ins Krankenhaus zur Geburt seines zweiten Sohnes abgebogen war.

Ehefrau Antonella interessiert sich nicht für Messis Heldentaten

Mateo Messi ist inzwischen gesund auf der Welt und diese mal wieder um ein paar Erkenntnisse reicher. Der FC Barcelona ohne Messi ist eine brillante Fußball-Mannschaft. Der FC Barcelona mit Messi ist unaufhaltsam. Die Variante, den Argentinier als Einwechselspieler auf eine erschöpfte Verteidigung loszulassen, grenzt an verbotene Kriegsführung.

Was er mit der hartgesottenen Atlético-Abwehr auch ohne ausreichend Schlaf und jedes Training veranstaltete, Außenristlupfer zum 2:1-Siegtor inklusive, wird tagelang durch die TV-Stuben flimmern, landauf, landab – außer im Hause Messi. Dort pflegt seine wenig fußballbegeisterte Antonella nicht mal nach dem Ergebnis zu fragen. Und dort haben sie jetzt sowieso ganz andere Probleme.