Mönchengladbach

Lasogga sorgt für Ernüchterung in Gladbach

Der HSV-Stürmer trifft doppelt beim Sieg im Borussia-Park

Mönchengladbach. Aus dem Block der Fans des Hamburger SV hallte lautstark „Zweite Liga – Gladbach ist dabei“. Angesichts der vergangenen beiden Spielzeiten in der Bundesliga, in denen die Hanseaten dem erstmaligen Abstieg nur durch die Relegation entkommen konnten, eine schon vermessene Reaktion. Doch der Profifußball ist nun einmal schelllebig. Und so feierten die HSV-Anhänger das 3:0 (2:0) bei Borussia Mönchengladbach überschwänglich. Dank Pierre-Michel Lasogga, der beide Treffer vor der Pause erzielte (11., 44.), sowie eines herrlichen Hebers von Nicolai Müller nur wenige Minuten nach Wiederbeginn (52.) erlebte der Bundesliga-Dino einen in dieser Form kaum erwarteten Erfolg. „Wir haben Fußball gespielt und wussten, dass die Gladbacher Innenverteidigung nicht so sicher sein kann. Wir wollten immer im richtigen Moment Druck machen“, sagte HSV-Trainer Bruno Labbadia und bescheinigte seiner Mannschaft nach dem zweiten Sieg im vierten Spiel einen „ordentlichen Saisonstart“.

Im Lager der Gladbacher konnte die Ernüchterung hingegen kaum größer sein. „Wir verlieren schnell die Geduld und spielen zu kompliziert“, versuchte sich Trainer Lucien Favre an einer Erklärung: „Wir spielen zu viel durch das Zentrum und kassieren zu viele Konter.“

Vier Niederlagen am Stück hatte es für Mönchengladbach sowohl unter Favre als auch zu Saisonbeginn bisher noch nie gegeben. „Ich habe schon vorher gewarnt, dass es eine extrem schwere Saison für uns wird“, sagte der konsternierte Schweizer. „Wir müssen jetzt Lösungen finden. Aber das wird schwer. Es wird dieses Jahr kein Wunder geben.“

Vier Tage vor dem Gastspiel bei Europa-League-Sieger FC Sevilla in der Champions League präsentierte sich der Meisterschaftsdritte der Vorsaison vor 54.010 Zuschauern im ausverkauften Borussia-Park in einem desolaten Zustand. Die Abwehr war ein Torso, das Mittelfeld ohne den gesperrten Granit Xhaka ideenlos und der Angriff praktisch nicht existent. Zu allem Übel musste Abwehrchef Martin Stranzl, der sein erstes Spiel seit knapp sechs Monaten absolvierte, in der zweiten Halbzeit mit Verdacht auf Jochbeinbruch vorzeitig vom Platz. Der Österreicher wurde von seinem Mitspieler Havard Nordtveit unglücklich mit dem Ellenbogen im Gesicht getroffen.

„Das würde zu unserer jetzigen Situation passen“, sagte Max Eberl. In dem Sportdirektor brodelte es gewaltig. „Wir können uns gar nicht auf die Champions League freuen. Das war ein Schlag ins Gesicht für uns. Ich will ja niemandem den Willen absprechen. Aber wir haben uns in der Vergangenheit für viele Erfolge feiern lassen, dann muss man auch bereit sein, so ein Spiel wie gegen den HSV anzunehmen.“ Das war jedoch am Freitagabend nicht der Fall.