Berlin

Der Druck nimmt zu

Deutschlands Basketballteam um Superstar Dirk Nowitzki verliert bei der EM gegen die Türkei

Berlin. Als Dirk Nowitzki 4,4 Sekunden vor Schluss zwei Freiwürfe verwandelte, war das Spiel längst entschieden: Am Ende stand ein 75:80 (24:41) der deutschen Basketballer gegen die Türkei. „Wir waren immer einen Schritt zu langsam“, meinte Nowitzki frustriert. Nach einem Sieg und zwei Niederlagen trifft das deutsche Team am Mittwoch in der Berliner Mercedes-Benz Arena (17.45 Uhr/ARD) in der EM-Vorrunde auf Italien, das am Dienstag überraschend Spanien 105:98 (42:45) schlug. Deutschland könnte sich dabei sogar eine Niederlage gegen Italien leisten, wenn man am letzten Spieltag Spanien bezwingt.

„Wir stehen jetzt unter Druck“, sagte Spielmacher Heiko Schaffartzik. Die türkischen Fans sangen schon einmal hämisch an die deutsche Mannschaft gerichtet: „Auf Wiedersehen…“ Doch ganz so weit ist es noch nicht. „Natürlich sitzt der Frust tief, aber wir geben nicht auf“, meinte NBA-Star Nowitzki, der zwar 15 Punkte erzielte, aber auch viele Fehlwürfe (3/10 aus dem Feld) zu verzeichnen hatte. Bundestrainer Chris Fleming gab ihm öfter längere Pausen.

Spätestens nach zehn Minuten standen die deutschen Fans unter Schockstarre. 11:31, zwanzig Punkte Rückstand, maximal waren es im ersten Viertel sogar 21 Zähler gewesen. Die Deutschen wurden bei ihrer desaströsen Darbietung teilweise vorgeführt wie eine Jugendmannschaft. „Die Türken sind mit viel mehr Energie rausgekommen“, sagte Nowitzki. „Bei uns wurde die Verunsicherung mit jedem Korb der Türken immer größer“, so Schaffartzik. 0:9, 4:16 und 8:29 nach einer 0:13-Serie hießen die Stationen.

Nowitzki ohne Wurfglück, Center Tibor Pleiß wirkungslos, Dennis Schröder von der Rolle – auch zwei schnelle Auszeiten von Fleming („Bereitschaft und Energie haben am Anfang gefehlt“) nutzten nichts. Der türkische Spielmacher Ali Muhammed (15 Punkte), ein eingebürgerter US-Amerikaner namens Bobby Dixon, konnte machen, was er wollte. Schaffartzik: „Das Loch, in das wir uns gebuddelt haben, wurde immer tiefer.“

Als im zweiten Viertel zunächst die drei NBA-Spieler Nowitzki, Schröder und Pleiß nicht auf dem Feld waren, lief es ein wenig besser. Robin Benzing (13) hatte gute Szenen. Das Nachlassen der Türken konnte dennoch nur ungenügend genutzt werden. Vor 16 Tagen beim Supercup in Hamburg hatten die Deutschen beim 68:66 noch einen 24-Punkte-Rückstand gegen die Türkei aufgeholt. „Offenbar haben wir daraus nichts gelernt“, sagte Nowitzki mit Blick auf die ähnlich katastrophale Vorstellung zu Beginn in Hamburg.

Die gut 4000 stimmgewaltigen Türken unter den offiziell 13.050 Zuschauern feierten schon bei Halbzeit. Das Wunder vom Supercup fand keine Wiederholung. Zwar kam Schröder nun besser ins Spiel (24 Punkte), aber bei allem Einsatzwillen gab es zu viele Ballverluste und Fehlwürfe (nur 5/26 Dreier). Als Deutschland auf zehn Punkte herankam (38:49/26.), wussten Muhammed und Co. gleich die richtige Antwort. „Da hatten wir unsere Chance“, so Fleming. Schaffartzik brachte es auf den Punkt: „Wir haben das Spiel in der ersten Halbzeit verloren.“