Glasgow

Kevin Volland - „Die EM wäre größer als Olympia“

Das schnellste Tor der Bundesliga hat er geschossen: Kevin Volland. Ein Gespräch über sein Vorbild, Kollegen Kuranyi und Ziele 2016.

Glasgow.  Kevin Volland ist ein Frühstarter. Neulich hat der Stürmer der TSG Hoffenheim gegen den FC Bayern und dessen Torwart Manuel Neuer nach neun Sekunden das schnellste Tor der Bundesliga-Geschichte erzielt. Bei der DFB-Auswahl wurde der 23-Jährige allerdings ausgebremst.

Die WM in Brasilien verpasste er knapp. Bundestrainer Joachim Löw strich ihn kurz vor der Abreise aus dem Kader. Nun ist Volland wieder dabei und hofft beim EM-Qualifikationsspiel gegen Schottland am Montag auf Einsatzzeit (20.45 Uhr, RTL). Ein Gespräch über große Fußstapfen, Ansprüche und Sparsamkeit.

Berliner Morgenpost: Herr Volland, ­haben Sie sich mittlerweile wieder mit ­Manuel Neuer vertragen?

Kevin Volland: Es war ja nur Spaß, als Manuel nach dem Tor gegen ihn bei Twitter geschrieben hat, ich solle das ja nicht noch einmal machen (lacht). Schon nach dem Spiel kam er zu mir und sagte: Kevin, meine Beine waren doch überhaupt nicht so weit offen.

Lassen Sie uns über große Fußstapfen sprechen. Sie haben die U21-EM in Tschechien als Kapitän gespielt. Als es zum Anfang sehr gut lief, wurden Sie als „der neue Miroslav Klose“ gefeiert.

Das macht mich stolz. Miro war über Jahre das Aushängeschild des deutschen Sturms. Er hat die meisten Tore für Deutschland geschossen, ist WM-Rekordtorschütze. Menschlich und sportlich ist er überragend.

Bei der U21-EM schien es dann so, als ob der Vergleich mit den U21-Europameistern 2009 das Team überfordert habe. Sie verloren im Halbfinale 0:5 gegen Portugal.

Der Hype um uns war diesmal extrem. Wir wurden als Titelkandidat Nummer eins gehandelt, weil wir das Land des Weltmeisters vertraten. Ich glaube aber nicht, dass es uns gehemmt hat. Uns hat am Ende einfach etwas gefehlt.

Sie haben sich mit der U21 für Olympia in Rio de Janeiro 2016 qualifiziert. Eigentlich sind Sie dann zu alt, könnten aber eines von drei Tickets für ältere Spieler bekommen. Im gleichen Sommer aber gibt es auch die EM 2016 in Frankreich.

Es sind beides tolle Ereignisse. Olympia kannst du als Fußballer wohl nur einmal erleben. Die besondere Atmosphäre würde ich gern mitnehmen. Andererseits wäre die EM mit der A-Nationalmannschaft noch einmal größer für mich als Olympia.

Auch in Ihrer Familie sind Sie in große Fußstapfen getreten. Ihr Vater war Eishockeynationalspieler und bei der WM 1993 dabei. Sie haben die WM 2014 verpasst.

Mein Vater sagt: Im Eishockey ist es leichter, bei einer WM dabei zu sein als im Fußball. Dass ich die WM in Brasilien verpasst habe, ist nicht so schlimm, wie es gemacht wird. Für mich war der Umstand, dass ich in der Vorbereitung dabei sein durfte, eine große Sache. Ich hatte nicht damit gerechnet.

Bis Sie neun Jahre alt waren, haben Sie Eishockey gespielt. Oft wird behauptet, dass man das in Ihrer Spielweise auf dem ­Fußballplatz nach wie vor erkennen kann.

Da muss ich widersprechen. Ich war damals viel zu klein und bin immer quer übers Eis gelaufen. Ja, ich habe einen niedrigen Körperschwerpunkt. Aber meine Stärken auf dem Fußballplatz ­habe ich mir über Jahre hart erarbeitet.

Als Sie mit 19 Jahren Profi bei 1860 München wurden, haben Sie gesagt, dass Sie jeden Monat einen fixen Betrag Ihres Gehaltes zurück­legen. Machen Sie das heute noch?

Die Zeiten haben sich geändert. Aber ich lege immer noch einen hohen ­Prozentsatz meines Gehalts auf die ­Seite. Mit dem Rest kann ich als Profi­fußballer sehr gut leben.

Warum so sparsam?

Dieses Geld wird mir dann einen gewissen Freiraum geben, etwas machen zu können, worauf ich Lust habe. Ich will auch später arbeiten, aber frei entscheiden können, was. Und das gesparte Geld wird mir dabei helfen.

Kann man in der Fußballbranche heute bodenständig bleiben?

Das ist nicht so leicht im Profigeschäft. Es fließt viel Geld. Schon als Talent verdient man gut. Aber ich bin im Allgäu groß geworden. Da ist man bodenständig, meine Eltern haben mich so erzogen. Ich habe mir vorgenommen, nie zu vergessen, wo ich herkomme.

Sie spielen bei der TSG nun mit Kevin ­Kuranyi zusammen, der in der Nationalelf nie glücklich wurde.

Kevin und ich wohnen im gleichen Mehrfamilienhaus. Mit ihm kann man über alles reden. Er ist ein richtig feiner Kerl. Über die Nationalelf haben wir noch nicht gesprochen.

Was können Sie von Kuranyi lernen?

Seine Kaltschnäuzigkeit zum Beispiel. Seine Torgefahr. Da kann ich noch viel von ihm lernen.