Peking

Das schöne Gesicht des Erfolgs

Hindernisläuferin Gesa Felicitas Krause gewinnt im Rennen ihres Lebens WM-Bronze

Peking. Etwa 1000 Meter vor dem Ziel ist es Gesa Felicitas Krause klar geworden, dass sie eine Überraschung, nein, eine Sensation aus deutscher Sicht in ihren Beinen haben könnte. „Okay, das ist dein Rennen, habe ich gedacht. Das Tempo war so niedrig, weil sich alle nur belauert haben. Jetzt musst du konzentriert sein. Wenn die Post abgeht, dann gehst du mit, Gesa“, gab die WM-Bronzemedaillengewinnerin über 3000 Meter Hindernis nach ihrem Coup einen Einblick in ihr Innenleben. Und die gerade erst 23 Jahre alte Krause hörte auf die innere Stimme, holte alles aus ihrem Körper heraus. In 9:19,25 Minuten verpasste sie hinter der Siegerin Hyvin Jepkemoi (9:19,11 Minuten) aus Kenia und Habiba Ghribi aus Tunesien (9:19,24) Silber nur um eine Hundertstelsekunde.

50 Kilo auf 167 Zentimeter verteilt. Wer Gesa Felicitas Krause gegenüber steht, denkt eher, dass sie noch leichter ist. Die Frankfurterin mit den großen grünen Augen wirkt zierlich, fast zerbrechlich. Doch ihre definierte Beinmuskulatur und der Sixpack zwischen Oberteil und Hose lassen erahnen, welche Energie in ihr steckt. Das hat sie im Vogelnest-Stadion beeindruckend bewiesen. Wer die Bedeutung ihrer Medaille richtig einschätzen will, braucht nur einen Blick in die Statistik zu werfen. Bei Weltmeisterschaften stand als letzte deutsche Langstrecklerin Katrin Dörre-Heinig 1991 als Dritte im Marathon auf dem Podest. Damit schließt sich ein Kreis, der Ehemann der Marathonläuferin, Wolfgang Heinig, ist heute Krauses Trainer.

Zum größten Erfolg der deutschen Langstrecken-Szene in den vergangenen Jahrzehnten hat Krause auch eine Beziehung. „Ich bin am 3. August 1992 geboren“, erzählte die EM-Dritte von 2012. „Zwei Tage später hat Dieter Baumann bei den Olympischen Spielen in Barcelona Gold über 5000 Meter gewonnen. Meine Eltern haben mir schon früh gesagt, das sei ein Omen.“ Ihr furioses Finale in Peking erinnerte tatsächlich an Baumanns Sturmlauf in Barcelona. Ihr Aufwand für solche Erfolgsmomente ist allerdings enorm. Seit November 2014 hat sie fünf Höhen-Trainingslager absolviert. Viel Zeit für Familie und Freund bleibt nicht. „Manchmal ist es hart“, sagt sie. „Wir kriegen das aber hin. Mein Freund war zuletzt auch eine Woche mit in Davos. Wenn man es will, geht vieles.“

Auch in der Höhe Kenias holt sie sich die Härte für die Wettkämpfe. Natürlich beschäftigt sich die Studentin auch mit den Dopingfällen der ostafrikanischen Laufszene. „Die gesamte Leichtathletik ist von der Problematik betroffen. Ich hoffe, dass jetzt diese Welle von Fällen andere abschrecken wird, ihre Leistung durch Betrug zu steigern.“ Gesa Felicitas Krause spricht sehr sachlich. Sie schreit nicht ihre Freude lauthals heraus, wie es Kugelstoßerin Christina Schwanitz nach dem Gold getan hat. „Ich bin unheimlich glücklich“, sagt die junge Frau nur. „Wenn ich gleich mein Handy anmache und es dann wahrscheinlich ununterbrochen klingeln wird, dann werde ich wohl erst richtig verstehen, was ich heute geschafft habe.“