Peking

Pekings kleines Vermächtnis

Bei der Leichtathletik-WM werden die Folgen der Olympischen Spiele von 2008 sichtbar: Sie sind leider nicht allzu groß

Peking. Der Himmel über Peking ist blau, von Smog plötzlich keine Spur mehr. Die größten Luftverschmutzer wurden schließlich abgeschaltet, ein teilweises Fahrverbot eingeführt: Rechtzeitig zur heute beginnenden Leichtathletik-WM wollen Chinas Machthaber ihr Land von der besten Seite zeigen.

Beim Peking-Marathon im Vorjahr lag die Luftverschmutzung laut Weltgesundheitsorganisation WHO um das 16-fache über dem empfohlenen Wert. Läufer gingen teilweise mit Atemmasken an den Start. Selbst eine chinesische Studie hatte die Hauptstadt damals als für Menschen „fast unbewohnbar“ bezeichnet. Genau dort kämpfen nun ab Samstag Hochleistungssportler um die Medaillen. Doch, davon kann man ausgehen, wird zumeist blauer Himmel die Wettkämpfe begleiten. Im Gegensatz zu den normalerweise in der Metropole herrschenden Bedingungen. Andere Probleme Chinas lassen sich aber nicht so einfach übertünchen.

Nach der Vergabe der Olympischen Spiele 2008 nach Peking hatten Sportorganisationen immer wieder darauf hingewiesen, dass dies eine Chance auf Verbesserungen beim Thema Menschenrechte sei. Sieben Jahre später kann mit Fug und Recht behauptet werden: Es ist sogar noch schlimmer geworden. Seit Anfang Juli wurden knapp 200 Menschenrechtsanwälte verhört oder festgenommen. Zuletzt gab es eine Verhaftungswelle gegen „Internetkriminelle“ – auch darunter sollen politisch unliebsame Personen sein. Unter dem seit 2013 amtierenden Staatspräsidenten Xi Jinping hat sich die Situation verschärft. Trotz dieser Gemengelage vergab das Internationale Olympische Komitee (IOC) erst vor wenigen Wochen auch die Winterspiele 2022 an Peking. Ein Thema, mit dem die Chinesen geworben hatten, war Nachhaltigkeit. Immerhin könnten auch 2022 noch einige der Bauten der Sommerspiele 2008 genutzt werden. So wie auch das als „Vogelnest“ bekannt gewordene Nationalstadion, in dem auch die Leichtathleten wieder antreten. Doch was bleibt sonst als Vermächtnis von 2008? Immerhin sollen die Sommerspiele insgesamt über 30 Milliarden Dollar gekostet haben. Vor allem ein besseres U-Bahn-Netz und meist wenig genutzte ehemalige Austragungsstätten. Auch das Vogelnest wird nur sporadisch ausgelastet.

Nichts zum Positiven geändert hat sich auch in Sachen Internetzensur. Noch immer sind eine Vielzahl von „westlichen“ Seiten wie Youtube, Twitter oder Facebook nicht erreichbar. Im Stadion gelingt eine Verbindung nur über ein spezielles Lan-Kabel für Medien, über Wlan nicht. Womöglich soll verhindert werden, dass sich Personen von außerhalb dort einloggen.

Den Weltverband IAAF störte dies jedenfalls nicht. Er veröffentlichte im Vorfeld Videointerviews mit internationalen Medaillenhoffnungen – und tut dies während der WM weiterhin – auf einer der in China gesperrten Seiten.

Und als wäre das nicht genug an Nebengeräusch, wird diese WM von einer Dopingdiskussion in nie dagewesener Dimension begleitet. Kugelstoßerin Christina Schwanitz, als Deutschlands erste Goldhoffnung am Samstag im Einsatz, sagt dazu: Die meisten denken jetzt: Die sind doch eh alle gedopt!“ Der deutsche Verbandspräsident Clemens Prokop, der es bei der Wahl vor dem WM-Start nicht in das IAAF-Council geschafft hatte, findet die Dopingdiskussion aber völlig richtig: „Und sollte es so sein, dass die Berichte in den deutschen Medien eine Rolle gespielt haben, dann bin ich stolz darauf, in einem Land zu leben, dass eine starke und freie Presse hat, die solche Themen mit Nachdruck aufgreift.“