Köln

Computerspieler müssen erstmals zur Dopingkontrolle

250.000 Dollar Preisgeld – aber ist das wirklich echter Sport?

Köln. Oben auf der Bühne fliegen Fatih Dayiks Hände über die Tastatur, hektisch blickt er in die Gesichter seiner vier Teamkollegen und brüllt Anweisungen in sein Headset. Um ihn herum toben Tausende Fans, sie sind alle gekommen, um ihre Idole zu sehen, sie zu feiern – und ihnen beim Computerspielen zuzusehen. Bei der ESL One, einer lukrativen Turnierserie der E-Sportler, duellieren sich seit Donnerstag in der Kölner Lanxess Arena die besten „Counter-Strike“-Spieler des Globus, und Dayik, der Kopf des deutschen Teams „mousesports“, ist mittendrin.

Er ist 28 und Pro-Gamer, ein professioneller Spieler. Anfang des Jahres unterschrieb der Frankfurter als erster Deutscher überhaupt einen Profivertrag bei „mousesports“. Mit dem Team reist er seither um die ganze Welt, was für manche ein Hobby ist, ist für Dayik und Co. Passion, Leidenschaft - und jede Menge Geld. In Köln geht es um 250.000 Dollar Siegprämie, Fans aus aller Welt strömen in die 15.000-Mann-Arena, in der sonst die Kölner Haie zu Hause sind. Und wer es nicht ins Rheinland schafft, kann per Liveübertragung im Internet dabei sein - E-Sport, das professionelle Computerspielen, wächst schnell. Über eine Million Livezuschauer sind keine Seltenheit. In weltweit 2000 Kinosälen wird das Finale live übertragen. Werte, über die viele im traditionellen Sport nur staunen können. Hinter dem Spektakel steckt das Kölner Unternehmen Turtle Entertainment, das die Electronic Sports League (ESL) seit 2000 betreibt.

Bei der ESL One treten die Teams zunächst in der Gruppenphase gegeneinander an, ab Samstag folgen die K.o.-Spiele. Im Spiel schlüpfen sie in ihre virtuellen Rollen als Terroristen und Polizisten und bekriegen sich auf verschiedenen Welten. Die Matches werden live kommentiert, und jede erfolgreiche Aktion der Spieler aus dem Publikum frenetisch bejubelt.

Doch beim E-Sport geht es nicht nur um Spektakel und Spaß, in Zeiten steigender Preisgelder und Prämien greifen Spieler immer wieder zu leistungssteigernden Mitteln. Jüngst hatte ein US-Profi zugegeben, ein Medikament zur Steigerung der Konzentration eingenommen zu haben. Die ESL reagierte prompt, an diesem Wochenende werden in Kooperation mit der Nationalen Anti Doping Agentur (Nada) erstmals Dopingkontrollen durchgeführt. Dennoch verweigert der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) den E-Sportlern mangels „eigenmotorischee Aktivität“ die Anerkennung, noch. Die Ansicht des DOSB stört die ESL-Verantwortlichen nicht weiter, sie sei „nicht so wichtig“, wie Pro Gaming Director Ulrich Schulze sagt, schließlich seien „Schach und Schießen auch Sport“.