Die Füchse haben einen großen Umbruch vollzogen, dennoch sind ihre Saisonziele ambitioniert

Aufbruch in eine neue Ära

Mit einem neuen Trainer und sechs neuen Spielern wagen die Handball-Füchse den Neuanfang

Berlin.  Bei so manchem deutschen Wort macht Erlingur Richardsson große Augen. Fußstapfen ist so eines, das den Isländer etwas ratlos dreinblicken lässt. Ist ja auch nicht wirklich ein Begriff aus der Handballsprache; die Fachtermini nämlich beherrscht der 42-Jährige schon recht gut. Fußstapfen also. Große noch dazu. Und die Frage, ob er, der neue Füchse-Trainer, diese großen Fußstapfen, die sein Vorgänger hinterlassen hat, in Zukunft auszufüllen vermag. Ein feines Lächeln huscht über Richardssons Gesicht, dann sagt er: „Das ist nicht so schwer, das ist mein Job. Dafür arbeite ich jeden Tag hart. Und dann hoffe ich, dass wir gute Ergebnisse erzielen.“

Mit ehrlicher Arbeit zum Ziel

Offen, ehrlich und geradeaus, dazu fleißig und ohne Furcht vor der Herausforderung. So in etwa kann man den neuen Trainer der Füchse charakterisieren. Ein akribischer Arbeiter ist er. Wie schon sein Vorgänger Dagur Sigurdsson, der im Sommer nach sechs Jahren und dem Gewinn des EHF-Cups die Berliner verlassen hat und sich nun als Bundestrainer voll auf die deutsche Nationalmannschaft konzentriert. Die Parallelen sind offenkundig. Beide sind Isländer, beide haben jeweils drei Kinder, und beide haben die Maxime, junge deutsche Spieler an den Profikader heranzuführen. „Ich will die erfolgreiche Arbeit von Dagur weiterführen, aber ich werde meine eigene Handschrift haben“, sagt Richardsson und verrät dann: „Streng und nett, man muss als Trainer beide Charakterzüge drauf haben.“ Der Isländer wirbt auch darum, man möge ihm Zeit für die Entwicklung geben.

Die bekommt er. Immerhin erlebten die Füchse vor der Saison den bislang größten Umbruch ihrer Vereinsgeschichte. Neben Erfolgscoach Sigurdsson verließen Spielerpersönlichkeiten wie Iker Romero oder Konstantin Igropulo den Verein. Mit Drago Vukovic, Jakov Gojun, Kent Robin Tönnesen, Bjarki Elisson, Ignacio Plaza Jimenez und Faruk Vrazalic (siehe Text links) kamen sechs neue Spieler an die Spree, zudem wurden die Nachwuchskräfte Kevin Struck, Moritz Schade und Fynn-Ole Fritz mit Profiverträgen ausgestattet.

„Alles hat seine Zeit. Wenn wir noch ein Jahr mit der alten Mannschaft weitergemacht hätten, wären wir vor die Wand gefahren“, so Geschäftsführer Bob Hanning. Der Umbruch käme zur richtigen Zeit. „Denn es haben nicht mehr alle alles investiert. Es war an der Zeit, eine neue Ära einzuläuten.“

Diese beginnt freilich mit Hindernissen. So werden Rückraumspieler Paul Drux und Außen Mattias Zachrisson der Mannschaft sechs Monate fehlen. Beide erlitten einen Riss der Knorpellippe am Schulterblatt. Dazu kommen noch die Langzeitverletzten Bartlomiej Jaszka, Denis Spoljaric und Colja Löffler. „Das wird jetzt eine veritable Reifeprüfung“, sagt Hanning, der aber schon jetzt viel Freude an den sechs Zugängen hat: „Sie sind alle ein Gewinn für die Füchse. Aber man muss der neuformierten Mannschaft noch ein bisschen Zeit geben, sich im Spielalltag zu finden. Das Team muss seinen Rhythmus finden. Aber insgesamt fühlt es sich schon gut an.“

Wie weit das Team nach den sechs Wochen intensiver Vorbereitung schon ist, kann sie am Sonnabend zum Liga-Auftakt im Auswärtsspiel gegen die ambitionierten Nordhessen der MT Melsungen zeigen. „Das wird ein kampfbetontes Spiel“, ahnt Berlins Nationaltorhüter Silvio Heinevetter, „Melsungen ist sehr ausgeglichen, da schießt dich keiner kaputt. Daher müssen wir gut zusammenhalten.“

Auf die mannschaftliche Geschlossenheit wird es für die Füchse in der ganzen Saison ankommen, um mit Erfolg durch die Spielzeit zu kommen. Mit Prognosen tun sich die Berliner angesichts des Umbruchs schwer, aber ein bisschen träumen darf erlaubt sein. Und wenn am Ende Platz fünf herauskommt, wäre die Freude im Fuchsbau groß, denn dieser Rang würde die erneute Qualifikation für den europäischen Wettbewerb bedeuten. „Wir wollen unseren Fans internationalen Handball auf Topniveau bieten, das ist unser Anspruch“, sagt Hanning. Und nach dem Einzug ins Achtelfinale des DHB-Pokals wollen die Berliner jetzt auch das Final Four im Frühjahr in Hamburg erreichen. Ebenso wie die Vierer-Endrunde im EHF-Pokal, wo sie Titelverteidiger sind. „Für ein paar Pokale ist auf der Geschäftsstelle noch Platz“, sagt Hanning und schmunzelt.

Suche nach einem Hauptsponsor

Auch abseits des Handballfeldes wurde in die Zukunft investiert. So gibt es jetzt bei den Füchsen mit Andreas Wittke einen neuen Leiter für Gesundheit und Fitness. „Wir haben mit der Neuordnung in den Bereichen Athletiktraining, Rehabilitation und Physiotherapie neue Maßstäbe gesetzt, zumal auch der Jugendbereich davon mit eingeschlossen ist. Damit sind wir in Sachen Professionalisierung wieder einen Schritt weiter“, freut sich Hanning.

Etwas traurig stimmt den Manager, dass die Füchse noch keinen Hauptsponsor gefunden haben. Dennoch wird der Bundesligist keine Schulden machen, wie Vereinspräsident Frank Steffel beteuert: „Wir haben uns darauf eingestellt, dass wir möglicherweise keine Einnahmen aus diesem Bereich haben. Insofern ist das Budget abgesichert.“ Es liegt bei 4,5 Millionen Euro. Kompromisse werden die Füchse nicht eingehen. Hanning: „Wir wollen einen Partner, der zu uns passt, wir lassen uns nicht verramschen.“ Die Füchse gibt es nicht zum Schnäppchenpreis.