sPeking –

Zeit für einen neuen Chef

Sebastian Coe gegen Sergej Bubka: Leichtathletik-Stars kämpfen heute ums Präsidentenamt

sPeking. Mitten in einer der größten Krisen der Leichtathletik kämpfen zwei ehemalige Superstars um das Präsidentenamt im Weltverband IAAF. Sebastian Coe, 58, oder Sergej Bubka, 51: Einer der beiden Olympiasieger wird am Mittwoch Nachfolger des umstrittenen Senegalesen Lamine Diack – und muss nach den seit Monaten anhaltenden Dopingvorwürfen direkt um die Zukunft der Traditionssportart kämpfen. „Beide sind hervorragende Kandidaten, aber der DLV sieht bei Coe das noch größere Reformpotenzial“, sagte Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV). Der Brite, 1500-Meter-Olympiasieger von 1980 und 1984, Cheforganisator der Olympischen Spiele 2012 und Ritter des britischen Empires, scheint die Nase ein bisschen vorn zu haben. Aber das Wahlprinzip der 213 Mitgliedsverbände weist eine Tücke auf: ein Land, eine Stimme. Damit haben Mikronesien und die Seychellen ebenso viel Stimmgewicht wie Deutschland oder die USA.

Es ist insofern kein Wunder, dass beide langjährige Vizepräsidenten ihr Werben in den Entwicklungsländern zuletzt verstärkten. „Die werden dem die Unterstützung geben, der bereit ist, am meisten für sie zu tun“, ahnt Helmut Digel, 71, scheidendes deutsches Mitglied im IAAF-Führungsgremium Council.

Unübersehbar ist ja: Diack, 82, hinterlässt nach 16 Jahren Regentschaft diverse Baustellen. Die Vermarktung brummt zwar noch. Weltmeisterschaften wie die am Sonnabend in Peking beginnende (bis 30. August) sind nach wie vor ein einträgliches Geschäft. Jedoch, mahnt Digel, „haben wir, wenn man die demografische Entwicklung verfolgt, die Jugend immer weniger an unserer Seite. Das Publikum wird immer älter. Das lässt darauf hindeuten, dass das Programm, wie wir es präsentieren, nicht mehr zeitgemäß ist. Wir benötigen dringend eine Reform.“

Wichtiger aber noch erscheint in diesen enthüllungsschwangeren Tagen ein Präsident, der der „Königin der Sportarten“ ihr Krönchen aufpoliert. Der Glanz ist nämlich arg verblasst durch immer neue Dopingenthüllungen. Seitdem eine ARD-Dokumentation vor Monaten zunächst Filz, Korruption und weit verbreitete Dopingpraktiken im einflussreichen Leichtathletik-Kernland Russland offenlegte, herrscht Erklärungsbedarf. Hinzu kommt die Meldung von voriger Woche, dass Nachtests von Proben aus den Jahren 2005 bis 2007 insgesamt 28 Verdachtsfälle ergaben. Und die Nachricht, dass die türkische 1500-Meter-Läuferin Asli Cakir Alptekin ihr Olympiagold von 2012 zurückgibt wegen Blutdopings.

Ob Bubka oder Coe – es geht für den neuen Chef also darum, der olympischen Kerndisziplin Glaubwürdigkeit zurückzubeschaffen. Durch Taten mehr noch als durch Worte wie im Wahlkampf.