Berlin –

„Ich würde den Ball nehmen und ihn reinmachen“

Leverkusens Hakan Calhanoglu hat das Elfmeter-Trauma verarbeitet und ist gegen Play-off-Gegner Lazio Rom zuversichtlich

Berlin.  In der vergangenen Saison scheiterte der Traum von der Champions League im Elfmeterschießen der Qualifikation. Den Tiefpunkt bei Bayer Leverkusen gegen Atlético Madrid setzte Hakan Calhanoglu mit einem schlampig vergebenen Elfmeter. An diesem Dienstag unternimmt die Werks-Elf bei Lazio Rom den nächsten Anlauf zum Erreichen der Königsklasse (20.45 Uhr, ZDF und Sky). Zeit für ein Gespräch mit Schlüsselspieler Calhanoglu.

Berliner Morgenpost: Wie bewerten Sie die Situation vor den Duellen mit Lazio?

Hakan Calhanoglu: In Rom wird es nicht einfach. Der Gegner ist gut, zudem ist es gerade sehr heiß dort. Aber wir wollen in die Gruppenphase. Gut wäre es, wenn wir kein Tor kassieren.

Bayer-Geschäftsführer Michael Schade sagte, dass es um viel geht. Ein Weiterkommen würde Bayer Geld und Image bringen.

Bayer Leverkusen ist ein internationaler Verein, der meiner Meinung nach auch jedes Jahr Champions League spielen muss. Deshalb geht es in den Spielen gegen Lazio auch um sehr viel. Und ja, wir können mit zwei guten Auftritten etwas für unser Image tun. Wobei ich denke, dass das Image schon ganz gut ist.

Bei Lazio spielt der 36 Jahre alte Weltmeister Miroslav Klose.

Er ist ein unfassbar guter Stürmer. Er hat diesen Riecher, den du brauchst, um ein erfolgreicher Torschütze zu sein. Es ist immer wieder genial zu sehen, wie er lauert und dann im entscheidenden Moment zuschlägt. Wir wissen, wie gefährlich Miroslav Klose ist. Aber wir werden versuchen, ihm das Leben so schwer wie möglich zu machen. Ich denke, wir haben das richtige Spielsystem und auch die Verteidiger, um ihn aus dem Spiel zu nehmen. Leicht wird er es gegen uns nicht haben. Wir werden mit einem klaren Kopf in die Spiele gegen Lazio gehen.

Vor einem Jahr wurden Sie für den Fehlschuss gegen Atlético am heftigsten kritisiert.

Für mich war das keine einfache Situation in den Tagen danach. Von überall her gab es Kritik. Im Hinspiel war noch alles gut. Ich hatte getroffen. Doch dann kam dieses Elfmeterschießen. Ich konnte einige Tage nicht richtig schlafen, das hatte mich mitgenommen. Aber inzwischen habe ich das Ganze verdaut.

Angenommen, gegen Lazio Rom müsste nach zwei Spielen ein Elfmeterschießen entscheiden. Treten Sie an?

Klar, ich bin unser Elfmeterschütze.

Sie würden nach der Erfahrung von Madrid keinem Mitspieler den Ball überlassen?

Nein, definitiv nicht. Ich würde den Ball nehmen und ihn reinmachen, aber nicht so schießen wie in Madrid.

Bayer ist mit einem Sieg gegen 1899 Hoffenheim in die neue Saison gestartet.

Es geht immer besser. Wichtig ist, dass man zu Saisonbeginn solche Spiele wie gegen Hoffenheim und im DFB-Pokal gegen Lotte gewinnt. Da geht es um den Sieg, nicht um die Art und Weise. Siege geben Selbstvertrauen.

Wie beurteilen Sie den Liga-Start?

Ich war überrascht, dass Borussia Mönchengladbach so deutlich in Dortmund verloren hat. Das hatte ich nicht erwartet. Aber ich hatte nicht gedacht, dass der BVB sich so stark präsentiert. Auch Schalkes Sieg in Bremen finde ich bemerkenswert. Wobei wir hier in Leverkusen natürlich wissen, dass sowohl Dortmund als auch Schalke zwei starke Teams haben. Durch ihre neuen Trainer präsentieren sie sich anders. Aber wir haben beide in der vergangenen Saison geschlagen. Das werden wir auch in dieser Saison wieder versuchen.

Rudi Völler, Ihr Sportdirektor bei Bayer, prophezeit einen harten Kampf um die ­vorderen ­Plätze.

Absolut. Das wird eng oben. Der BVB etwa, der letzte Saison ganz andere Sorgen hatte, ist diesmal wieder voll dabei.

Was trauen Sie Bayer zu?

Bei uns gibt es zwar viele junge Spieler, aber wir haben Qualität. Wir sind hungrig und ehrgeizig. Ich denke, wir haben das in der vergangenen Saison teilweise ganz gut gemacht und Erfahrungen ­gesammelt. Ich denke, mit uns muss man immer rechnen.