Berlin –

Robert Harting macht Blutwerte öffentlich

Dopingdebatte wird vor der Leichtathletik-WM intensiver

Berlin. Diskus-Olympiasieger Robert Harting und zwei weitere deutsche Leichtathleten haben nach den jüngsten Doping-Enthüllungen der ARD ihre Blutwerte zur Veröffentlichung freigegeben. Die Werte von Harting, dem ebenfalls in Berlin lebenden Geher André Höhne und 800-Meter-Läufer Robin Schembera stammen aus der geheimen Datenbank des Weltverbandes IAAF, die Reporter von ARD und „Sunday Times“ gemeinsam ausgewertet haben. „Wenn eindeutig ist, wie wir arbeiten, und das an unserem Innersten zu erkennen ist – ist doch gar keine Frage, dass man das irgendwie zeigen kann“, sagte Harting der „Sportschau“. Höhne, der inzwischen als Berliner Landestrainer arbeitet, sagte: „Ich komme langsam in Erklärungsnot vor den Kindern und Eltern.“ Er könne nur noch schwerlich dafür werben, Wettkämpfe zu bestreiten und sich fair zu messen. „Es muss sich grundlegend etwas innerhalb der IAAF ändern. Vielleicht müssen auch ein paar Personen ausgetauscht werden - definitiv“, sagte Höhne und forderte zugleich ein Ende übersteigerter Erwartungen in der deutschen Leichtathletik: „Wenn ich sehe, dass sich Qualifikationszeiten an der Weltbestenliste orientieren, dann ist das für mich ein Riesenproblem, weil die Athleten bei uns in Deutschland in vielen Disziplinen fast schon gar keine Chance mehr haben.“

Auch sonst bleibt Doping vor dem WM-Auftakt in Peking (China) am kommenden Samstag wohl das Dauerthema, das auch die Wahl des neuen IAAF-Präsidenten am Mittwoch beeinflussen wird. Sehr zum Ärger des nach 16 Jahren scheidenden Amtsinhabers Liame Diack (Senegal), der sein Lebenswerk nicht beschmutzt sehen will. Immerhin soll die IAAF nach von der ARD gefilmten Enthüllungen über die Dopingpraxis in Russland endlich reagiert und den russischen Verband zu Sperren gegen acht Athleten und Funktionäre aufgefordert haben. So drohe auch 800-Meter-Olympiasiegerin Maria Sawinowa wegen angeblichen Dopingmissbrauchs eine vierjährige Sperre, Chefmediziner und Verbandstrainer sollen gar lebenslang verbannt werden. Zudem kursieren Gerüchte über sechs neue Epo-Fälle bei den russischen Gehern.

Blockiert wird von der IAAF dagegen weiter die Veröffentlichung einer brisanten Doping-Studie zur WM 2011. Wissenschaftler der Uni Tübingen hatten vor vier Jahren in Daegu/Südkorea mehrere hundert Athleten anonym befragt. Mit dem Ergebnis, dass „29 bis 34 Prozent“ der insgesamt 1800 WM-Teilnehmer in den zwölf Monaten vor den Wettkämpfen gegen Anti-Doping-Regeln verstoßen haben.