Berlin –

Ein Jetset-Lord bekommt die Kurve

Wolfsburgs Stürmer Bendtner fiel bislang eher neben dem Platz auf. Im Supercup trumpfte er auf

Berlin.  Diese große Portion Dusel war wohl ein Segen für ihn. Denn Nicklas Bendtner, der sich eigentlich als Fremdkörper im Team des VfL Wolfsburg etabliert hat, war zuletzt auch noch die letzte Lust an seinem Job abhandengekommen. Er fremdelt mit so manchem Kollegen, häufig auch mit dem Ball und im Grunde sogar mit dem Leben als angepasster Fußballprofi. Dass nun ausgerechnet dieser Däne in der Lage war, den Meister aus München kurz vor der Ziellinie einzufangen, setzte einem unterhaltsamen Supercup-Abend ein Krönchen auf.

Bendtner hatte sein Tor kurz vor dem Abpfiff erzielt, was den Weg ins Elfmeterschießen ebnete. Und er verwandelte danach auch den entscheidenden Strafstoß. Am Ende siegte der VfL mit 5:4 im Elfmeterschießen, und in Wolfsburg wird die Frage akut, ob man über einen Bendtner in dieser Verfassung noch Witze reißen sollte. Denn seit seiner Verpflichtung vor einem Jahr wurde gegrübelt, was mit ihm los ist. Wer verfolgt, wie sich der 27-Jährige im Internet beispielsweise via Instagram darstellt, kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Bendtner, seit seiner recht erfolgreichen Londoner Zeit beim FC Arsenal mit dem Spitznamen „Lord“ bedacht, scheint abseits des Rasens gelassen durch ein Jetset-Leben zu taumeln. Zwischen Golf, Fernreisen und Mode bleibt noch etwas Zeit für den hoch bezahlten Fußball. Die jüngste Einschätzung von Wolfsburgs Cheftrainer Dieter Hecking, dass Bendtners Karrierestatus bei fünf vor zwölf angekommen sei, ist nur zu verständlich.

Als alle Ehrenrunden gedreht waren, warteten die üblichen medialen Stolperfallen auf ihn. Ein Mann wie Bendtner, dessen Hang zur Selbstinszenierung recht ausgeprägt ist, läuft immer Gefahr, sich zu verhaspeln. Aber an diesem Abend vermittelte der Stürmer den Eindruck, als habe er seine Lektion gelernt. Denn im Trainingslager in Donaueschingen hatte Hecking ihn zu einer Sonderübungseinheit verdonnert, die wehgetan haben muss. „Meine Tore freuen mich. Aber wir haben dank einer guten Teamleistung gewonnen“, befand Bendtner in der höchstmöglichen Form von Demut.

Ein Problemfall als Erfolgsfaktor – vielleicht ist der VfL Wolfsburg sogar gut beraten, nicht nur mit klassischen Mitteln an der Dominanz des FC Bayern München zu rütteln. In der Schlussphase einer Partie, in der Bendtner erst nach 70 Minuten eingewechselt worden war, hatte Hecking seine gewohnte Grundformation mit dann vier Stürmern völlig über den Haufen geworfen. Dazu gehörten die Nationalspieler Max Kruse und André Schürrle, der begnadete Vorlagengeber Kevin De Bruyne – und eben Bendtner. Ein Verkauf des dänischen Nationalspielers steht nicht mehr zur Debatte.