Bundesliga-Vorbereitung

Hertha leidet in der neuen Saison an alten Problemen

Das Team von Trainer Pal Dardai zeigt neue Qualitäten, das Problem des abgelaufenen Spieljahres ist jedoch geblieben: die mangelnde Torgefahr

Es wartet noch einiges an Arbeit: Trainer Pal Dardai  und Hertha BSC

Es wartet noch einiges an Arbeit: Trainer Pal Dardai und Hertha BSC

Foto: Soeren Stache / dpa

Berlin. – Die Vorbereitung ist beendet. Das war die Kernbotschaft der kurzen Ansprache von Trainer Pal Dardai an seine Mannschaft. Ein letztes Mal Durchschnaufen, der heutige Montag ist trainingsfrei. Am Dienstag beginnt die reguläre Vorbereitung auf das erste Pflichtspiel der Saison, die Pokalpartie gegen Arminia Bielefeld am 10. August. „Und dann will ich volle Konzentration und Gier“, sagte Dardai. „Das nächste Mal Durchschnaufen ist in der ­Weihnachtspause ­erlaubt.“

Die knapp 6000 Zuschauer, die die Generalprobe von Hertha BSC am Sonnabend im Jahnsportpark verfolgt hatten, gingen mit sehr gemischten Gefühlen nach Hause. 0:2 unterlag der Fußball-Bundesligist dem CFC Genua. Die bange Frage der Fans: Geht es unter Pal Dardai genau so weiter wie in der vergangenen Saison? Dort musste der Hauptstadt-Klub bis zum letzten Spieltag um den Klassenerhalt zittern und entging der Relegation nur aufgrund des besseren Torverhälnisses gegenüber dem Hamburger SV.

Keine Durchschlagskraft vor dem Tor

Wer gegen den Tabellen-Sechsten der Serie A genau hinschaute, der sah: Die Mannschaft hat sich unter Dardai verbessert. Die Defensive um Sebastian Langkamp und Fabian Lustenberger verteidigt höher. Deshalb werden die Bälle früher erobert als in der Vorsaison. Das Umschaltspiel mit dem Neuen Vladimir Darida (für 3,5 Millionen Euro Ablöse vom SC Freiburg gekommen) und Jens Hegeler funktioniert ordentlich. Deshalb erarbeiteten sich die Herthaner mehr Eckbälle und kamen öfter in den Strafraum als in der ­Vorsaison.

Zur Wahrheit gehört jedoch das große Aber. Dieses Aber beunruhigt die Anhänger stark: In der Zone, in der es im Fußball zählt, auf den letzten 30 Metern vor dem gegnerischen Tor, hat Hertha keine Durchschlagskraft. Auch in der kommenden Saison droht das gleiche Problem wie in der vergangenen Halbserie, als Hertha in 17 Rückrunden-Spielen lediglich zwölf Treffer gelangen.

Spott für Salomon Kalou

Roy Beerens und Valentin Stocker mühen sich, es fehlt derzeit jedoch an Geschwindigkeit und Zug zum Tor. Jens Hegeler hat in der Vorbereitung ein positive Entwicklung genommen. Er war gegen Genua einer der Aktivposten im Team. Gleichwohl bleibt die Frage, ob Hegelers Dynamik reicht, um im Bundesliga-Alltag für Überraschungsmomente in Herthas Angriffsspiel zu sorgen.

Der Frust vieler Fans konzentriert sich auf Salomon Kalou, dessen Leistungen derzeit erschütternd harmlos sind. Bei Immerhertha, dem Blog der Berliner Morgenpost im Internet, schrieb der Nutzer „Opa“: „Versemmelte Torchancen sollte man in einer neuen Einheit namens Kalou messen. Besser wohl in Kilokalou.“

Dardai schützt seinen Stürmer

Kalou ist als Champions-League-Sieger (2012 mit dem FC Chelsea) und Afrika-Meister (2015 mit der Elfenbeinküste) der namhafteste Profi im Kader. Alle hatten gehofft, dass der Ivorer von einer durchgehenden Vorbereitung profitieren würde. Doch ob Hertha gegen Sechstligisten antrat, gegen ­englische Zweitligisten oder gegen den CFC Genua, den Sechsten der ­Serie A: Kalou gelang kein ­einziges Tor.

Eine Woche vor dem Saisonauftakt bleibt dem Trainer nichts anderes, als Kalou in Watte zu packen. „Jetzt haut mal nicht alle auf Salomon ein“, sagte Dardai, „er hat im Moment das Pech am Fuß. Aber er ist ein guter Junge.“ Es fehlt an Alternativen. Die Konkurrenten Sami Allagui und Julian ­Schieber sind verletzt.

Niemeyer zum Medizincheck in Darmstadt

Hertha-Manager Michael Preetz ist, wie die Hälfte aller Fußballklubs in Europa, auf der Suche nach einem Stürmer. Die Transferliste ist noch bis zum 31. August geöffnet. Die Hoffnungen ruhen darauf, einen spielstarken Torjäger unter Umständen auszuleihen, wenn Ende dieses Monats die letzte Qualifikation für die Champions League ausgetragen ist und der eine oder andere Verein sich von teurem Personal trennen muss.

Weiterhin arbeitet Manager Preetz daran, Spieler wie Sandro Wagner, Peter Niemeyer und ­Ronny von der Gehaltsliste zu bekommen. Es gäbe Bewegung, aber noch nichts Endgültiges, vermeldet Preetz. Dem Vernehmen nach wird Ex-Kapitän Niemeyer an diesem Montag zum Medizincheck beim SV Darmstadt erwartet.

Saisonziel Platz 10 bis 15

Auch wenn es in Berlin eine große Sehnsucht gibt nach attraktivem und ­erfolgreichem Fußball. Auch, wenn die Anhänger es nicht gern hören: In dieser Zusammensetzung wird es für Hertha in der Saison 2015/16 erneut nur ums Überleben gehen.

Präsident Werner Gegenbauer hat beim RBB Fragen nach dem internationalen Fußball als „Träumerei“ beiseite gewischt. Das Saisonziel sei „eine Platzierung ­ ­zwischen 10 und 15“.

Keine Angst vor Bielefeld

Trainer Dardai war trotz des 0:2 nicht unzufrieden mit der General­probe. Er finde, dass seine Mannschaft viele Dinge richtig gemacht habe, die im Training geübt worden waren. „Das sah nach Fußballkultur aus.“ Wenn der Schwung jedoch 30 Meter vor dem gegnerischen Tor dahin sei, „da will ich nichts schön reden, dann ist das Mist.“

Die Niederlage schärfe zudem die Sinne seiner Spieler, die wüssten, dass in dieser Saison jedes Spiel eine ­Herausforderung wird. Seine Prognose für den Ernstfall am kommenden Montag in Bielefeld? Dardai: „Da habe ich null Angst. Wir kommen dort weiter.“