Berlin –

Endlich Bewegung

Mit Vladimir Darida vom SC Freiburg holt Hertha einen der laufstärksten Spieler der Bundesliga

Berlin –.  Die Fans von Hertha BSC mussten sich in Geduld üben. Seit der Verpflichtung von Mitchell Weiser, dem ersten Berliner Zugang der Saison 2015/16, wartete der blau-weiße Anhang quasi täglich auf Verstärkung. Doch so viele Gerüchte auch durch das Internet schwappten, so wenig tat sich auf dem Twitter-Account von Michael Preetz. Dort gibt der Manager in der Regel als erstes bekannt, wenn er einen Spieler oder Trainer zu einer Vertragsunterschrift bewegen konnte.

29 Tage nach der Verpflichtung von Weiser dürfen die Hertha-Fans nun durchatmen. Vladimir Darida wechselt vom SC Freiburg an die Spree. Offiziell hat Hertha den Transfer zwar noch nicht bestätigt, der Tscheche wurde am Freitagmittag jedoch beim medizinischen Check in der Hauptstadt gesichtet. Wie die Morgenpost aus zuverlässiger Quelle erfuhr, ist der Wechsel fix. Der „Kicker“ berichtet, dass Darida einen Vier-Jahres-Vertrag unterschreiben wird. Die Ablösesumme soll sich auf 3,5 Millionen Euro belaufen, dazu kommen Bonuszahlungen.

Das Warten, es hat sich also gelohnt. Nicht nur für die Anhänger – auch für Pal Dardai, der mit Darida einen Wunschspieler bekommt. Der 24-Jährige hat das Potenzial, dem Berliner Angriffsspiel endlich wieder etwas Glanz einzuhauchen. Denn das Umschaltspiel von Abwehr auf Angriff, an dem es bei Hertha in der vergangenen Saison so oft hakte, zählt zu Daridas Kernkompetenzen. Zudem überzeugt der Rechtsfuß durch Vielseitigkeit: Neben seiner Stammposition im zentralen Mittelfeld kann er auf dem linken Flügel und als hängende Spitze agieren. Qualitäten, die auch Herthas Konkurrenten nicht entgangen sind. Neben dem FC Augsburg und Hannover 96 buhlte dem Vernehmen nach Werder Bremen um Darida.

Schnelles Umschaltspiel

Dessen Arbeitsnachweis in der Bundesliga kann sich sehen lassen. 2013 wechselte er vom tschechischen Topklub Viktoria Pilsen in den Breisgau. Medienberichten zufolge zahlte der SC Freiburg rund vier Millionen Euro Ablöse – mehr als je zuvor für einen Fußballspieler. Nach anfänglichen Verletzungsproblemen gab Darida am zehnten Spieltag sein Bundesligadebüt und war nur eine Woche später bundesweit bekannt. Sein Treffer zum 2:0 gegen den 1. FC Nürnberg, ein Linksschuss aus gut 25 Metern in den Winkel, wurde prompt zum „Tor des Spieltags“ gewählt. Am Ende der Saison standen zwei weitere Treffer und sieben Vorlagen für Darida zu Buche.

Seinen Stammplatz unter Trainer Christian Streich hatte Darida nach seinem starken Premierenjahr sicher. In der vergangenen Saison kam er auf 31 Einsätze, sechs Tore (davon fünf durch Elfmeter) und zwei Vorlagen. Dass ein Spieler dieses Kalibers für die abgestiegenen Freiburger nicht zu halten sein würde, war absehbar.

Hertha erweist sich als dankbarer Abnehmer. Denn: Die Position des Achters zählt zu den Sorgenkindern der Berliner. Eigentlich war Tolga Cigerci für diesen Posten vorgesehen, doch der 23-Jährige wird seit seiner Verpflichtung im Sommer 2013 ständig von Verletzungen geplagt. Wegen einer hartnäckigen Zehenblessur verpasste er fast die komplette abgelaufene Saison. Dardai setzte im Mittelfeld stattdessen auf Valentin Stocker (offensiv) sowie Fabian Lustenberger und Per Skjelbred (defensiv), letztere setzten jedoch kaum Impulse für das Angriffsspiel. Der Trainer vermisste Cigercis Übersicht und Kreativität im Abstiegskampf derart stark, dass er ihn schon kurz nach dessen Rückkehr ins Mannschaftstraining in der Liga einsetzte. Schon im zweiten Kurzauftritt folgte eine erneute Verletzung – derzeit schuftet Cigerci für sein inzwischen drittes Comeback bei Hertha. Mit Darida bekommt er nun einen technisch starken Konkurrenten.

In Freiburg hat sich Darida den Ruf eines zuverlässigen und lernbegierigen Profis erarbeitet. Den Negativlauf der Breisgauer konnte aber auch er nicht stoppen. Das lag wohl auch an seinem Naturell. Darida gilt als introvertierter, fast schüchterner Vertreter seiner Zunft. Seine Qualitäten als Führungsspieler: entwicklungsfähig. In puncto Laufleistung zählt er dafür zu den stärksten Akteuren überhaupt. Pro Spiel legt er rund 13 Kilometer zurück, was ihm den Spitznamen „Lunge der Liga“ einbrachte. Er selbst sagt, er sei wohl „von Natur aus ziemlich fit“. Hertha darf sich also nicht nur über Bewegung auf dem Transfermarkt, sondern künftig auch über mehr Bewegung im Mittelfeld freuen.

Durch seinen Aktionsradius ist Dari­da fast immer anspielbar. Er verfügt über ein sicheres Passspiel (Passquote 79,5 Prozent) und gilt in der Defensivarbeit als taktisch diszipliniert, zählt aufgrund seiner 1,71 Meter jedoch nicht zu den robustesten Zweikämpfern.

Mit Tschechien zur EM 2016

Für Darida ist der Wechsel zu Hertha auch deshalb wichtig, weil er im kommenden Jahr unbedingt mit Tschechien zur Europameisterschaft nach Frankreich will. Die Bundesliga ist eine denkbar gute Bühne, um sich bei Nationaltrainer Pavel Vrba aufzudrängen.

In ihrer Qualifikationsgruppe liegen die Tschechen derzeit auf Rang zwei. Bleibt es dabei, wäre der Vize-Europameister von 1996 qualifiziert. Anders als bei der EM vor drei Jahren, als Darida nur ein Mal auflaufen durfte, möchte der 22-malige Nationalspieler in Frankreich zum Stammpersonal gehören. Ein Indiz mehr dafür, dass sich Hertha auf einen hochmotivierten Zugang freuen darf.