Eisschnellläuferin

Hilfe für Pechstein sorgt für Austritte aus Gewerkschaften

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Claudia Pechstein kann ihren Kampf gegen die ISU fortsetzen. Nach ihrem Hilferuf bekam die Eisschnellläuferin innerhalb kurzer Zeit über 70.000 Euro zusammen

Claudia Pechstein kann ihren Kampf gegen die ISU fortsetzen. Nach ihrem Hilferuf bekam die Eisschnellläuferin innerhalb kurzer Zeit über 70.000 Euro zusammen

Foto: Andreas Gebert/Archiv

Claudia Pechstein kann ihren Prozess fortsetzen. Zwei Gewerkschaften bürgen für sie. Nicht alle Mitglieder unterstützen das.

Berlin –. Die Anteilnahme kommt so überraschend wie umfangreich. Ein Aufruf reichte, und Claudia Pechstein bekam die nötige Unterstützung für ihren Kampf vor den Gerichten zusammen. Innerhalb von nur zwei Wochen erhielt die Eisschnellläuferin die Zusage von über 70.000 Euro. Besonders verblüfft wurde sie vom Engagement zweier Arbeitnehmervertretungen. Die Internationale Gewerkschaft der Fußballprofis (Fifpro) und die Gewerkschaft der Bundespolizei (GdP) gaben bekannt, dass sie gemeinsam für 40.000 Euro bürgen.

Für die Gewerkschaften geht es darum, Einfluss zu nehmen und sich bei dem im Fokus der Öffentlichkeit stehenden Fall zu positionieren. „Zusätzlich zur finanziellen erhält sie unsere moralisch-politische Unterstützung“, sagte Jonas Bär-Hoffmann von der Fifpro, „über den Einzelfall hinaus ist dieses Verfahren von herausragender Relevanz für den Sport.“

Fast noch beeindruckender fielen die privaten Spenden aus. Bis Dienstag waren 33.000 Euro auf dem Konto der fünfmaligen Olympiasiegerin eingegangen. „Dieses Ergebnis hat all meine Erwartungen übertroffen. Damit habe ich nicht gerechnet“, sagte Pechstein, die über 300 Einzelbeträge registriert hat: „Es war alles dabei. Von fünf Euro bis in den vierstelligen Bereich.“ Allen Spendern hat Pechstein zugesagt, die Gelder im Erfolgsfall zurückzuzahlen.

Riesige Schadensersatzforderung

Auch die GdP zeigte sich beeindruckt. „Mit dieser selbstlosen Unterstützungsbereitschaft hätte niemand gerechnet. Wir wollen Claudia Pechstein nun auch die restlichen Sorgen nehmen und werden gemeinsam mit der Fifpro, der weltweiten Profifußballer-Gewerkschaft, für die übrigen Anwaltskosten beim Bundesgerichtshof bürgen, die nicht durch Spenden gedeckt sind“, teilte Jörg Radek mit, der Vorsitzende der Gewerkschaft der Bundespolizei.

Die GdP machte sich mit ihrer Soforthilfe aber nicht nur Freunde. Denn es gibt scharfe Kritik an der Bürgschaft, einige Mitglieder sind angeblich bereits aus Protest aus der GdP ausgetreten oder haben dies angekündigt. Ein Vorwurf ist, dass Pechstein bei der Bundespolizei kaum Dienstzeit abgeleistet habe, daher habe man kein Verständnis für die GdP-Aktion.

Radek verteidigte die Haltung der GdP gegen diese Kritik. „Es geht uns nicht nur um Frau Pechstein, es geht uns um alle. Es kann nicht sein, dass deutschen Sportlern der Zugang zu ordentlichen Gericht verwehrt bleibt. Dies ist ein Muster-Verfahren, von dem nicht nur Frau Pechstein, sondern alle Sportler künftig profitieren könnten“, sagte der Gewerkschaftler.

Claudia Pechstein hatte zu Beginn des Monats einen Spendenaufruf gestartet und auf ihrer Website (www.claudia-pechstein.de) sowie in sozialen Medien um Unterstützung gebeten. Nach eigener Darstellung benötigt die Athletin 70.000 Euro Anwaltshonorar für die nächste Instanz (Bundesgerichtshof) im Prozess gegen den Weltverband Isu.

Deutschlands Rekord-Winterolympionikin war 2009 wegen erhöhter Blutwerte gesperrt worden. Wegen Verdienstausfällen im Zuge der durch die Isu verhängten zweijährigen Dopingsperre fordert Pechstein nun 4,4 Millionen Euro Schadenersatz. Der Weltverband Isu klagt vor dem Bundesgerichtshof gegen die Zulassung von Pechsteins Klage auf Schadenersatz.

( sid )