London –

Junge Spanierin stürmt ins Finale von Wimbledon

Garbine Muguruza will auch Serena Williams bezwingen

London –. Bei ihrer Jagd nach dem Steffi-Graf-Rekord hat sich Serena Williams auch von Maria Scharapowa nicht aufhalten lassen. Die Weltranglisten-Erste feierte mit dem 6:2, 6:4-Erfolg im 20. Duell mit der Russin den 18. Sieg und erreichte am Donnerstag nach ihrer besten Leistung im Turnier ohne Mühe das Wimbledon-Finale. Dort trifft die 33 Jahre alte Amerikanerin überraschenderweise auf die zwölf Jahre jüngere spanische Newcomerin Garbiñe Muguruza. Die 21-Jährige besiegte die frühere Wimbledon-Finalistin Agnieszka Radwanska aus Polen 6:2, 3:6, 6:3 und zog zum ersten Mal in ihrer jungen Karriere bei einem Grand-Slam-Turnier in das Endspiel ein.

Williams steht jetzt in ihrem 25. Finale bei einem der vier wichtigsten Turniere. 20 Grand-Slam-Titel hat sie bereits gewonnen. Nur zwei fehlen ihr noch zu Rekordhalterin Graf. „Darüber können wir später sprechen“, hatte die fünfmalige Wimbledonsiegerin in den vergangenen Tagen immer wieder betont. Mit 279 Siegen bei den Majors hat sie Graf (278) in dieser Rubrik bereits überholt. Jetzt noch ein Erfolg an der Church Road, und der zweite Serena-Slam mit Siegen bei allen vier Grand-Slam-Turnieren nacheinander wäre perfekt. „Ich möchte diesen Druck nicht, und ich denke auch nicht daran. Wenn du jedes Mal darüber sprichst, kannst du gar nicht anders als drüber nachdenken. Ich wollte meine Gedanken damit nicht belasten“, sagte die jüngere der beiden Williams-Schwestern in der Pressekonferenz. Vor Muguruza ist sie gewarnt: Im vergangenen Jahr unterlag sie der Spanierin bei den French Open in Runde zwei 2:6, 2:6.

Und Muguruza ist nach ihrem märchenhaften Lauf auch gegen die Beste der Branche alles zuzutrauen. „Ich bin im Finale von Wimbledon, aber jetzt will ich das Turnier auch gewinnen“, sagte die Weltranglisten-20 keck. In jedem Fall wird sie im neuen Ranking am Montag erstmals als Neunte in die Top Ten vorstoßen. Historisches für ihr Land hat sie bereits vollbracht: Muguruza ist die erste Spanierin im Wimbledon-Finale seit Arantxa Sanchez-Vicario im Jahr 1996. Einzige spanische Siegerin war Conchita Martinez 1991.

Muguruza hatte auf dem Weg ins Endspiel nicht nur in der dritten Runde Angelique Kerber aus dem Turnier geworfen und bei ihrem Sieg neun Satzbälle der deutschen Nummer eins im ersten Durchgang abgewehrt. Muguruza schlug auch die gefährliche Kroatin Mirjana Lucic-Baroni, die ehemalige Weltranglisten-Erste Caroline Wozniacki aus Dänemark und die zuletzt überragend aufspielende French-Open-Halbfinalistin Timea Bacsinszky aus der Schweiz.

„Dafür habe ich mein Leben lang gearbeitet. Ich habe keine Worte, um das zu erklären“, sagte die 1,82 Meter große Athletin, die in Venezuela geboren wurde, jetzt aber in Barcelona lebt und auch für Spanien im Fed Cup spielt. Nachdem sie den ersten Matchball gegen Radwanska verwandelt hatte, ließ sie sich auf den Rasen fallen, ehe sie sich aufrichtete, ungläubig Richtung Tribüne zu ihrem Trainer Alejo Mancisidor blickte und sich von den Zuschauern feiern ließ.

Murrays Bruder im Doppelfinale

Der frühere Davis-Cup-Spieler Philipp Petzschner ist derweil mit seinem israelischen Doppelpartner Jonathan Erlich im Halbfinale ausgeschieden. Die Qualifikanten verloren gegen Bruder Jamie Murray (Großbritannien) und dessen australischen Partner John Peers 6:4, 3:6, 4:6, 2:6. Murray ist übrigens der Bruder des Olympiasiegers und Wimbledon-Siegers von 2013, Andy Murray. Dieser kann heute auch ins Finale, wenn er das Duell gegen den siebenmaligen Titelträger Roger Federer aus der Schweiz gewinnt. Im zweiten Halbfinale trifft Titelverteidiger Novak Djokovic (Serbien) auf den Franzosen Richard Gasquet.