Berlin –

„Andere Ligen machen es sich einfacher“

DFL-Chef Christian Seifert über die nächste Vergabe der TV-Rechte und die Kritik einiger Fans an den neuen Anstoßzeiten

Berlin –. Christian Seifert, 46, ist Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL) und die zentrale Figur, wenn 2016 die Medienrechte der Bundesliga neu ausgeschrieben werden. Ab der Saison 2017/18 sollen sie den Klubs mehr Geld in die Kassen spülen. Seit bekannt wurde, dass die DFL dafür auch mit zwei neuen Anstoßzeiten am Sonntag 13.30 Uhr und Montagabend (jeweils fünf Mal) plant, mehrt sich die Kritik.

Berliner Morgenpost: Herr Seifert, können Sie die neuen Anstoßzeiten bestätigen?

Christian Seifert: Ich kann bestätigen, dass diese zwei Anstoßzeiten in unseren Überlegungen eine Rolle spielen. Wenn von 306 Partien aus sportlichen Gründen künftig fünf Begegnungen sonntags um 13.30 Uhr sowie fünf am Montag statt der Zweiten Liga gespielt werden sollen, ist das in meinen Augen nicht unverhältnismäßig.

Sportliche Gründe? Oder ein Anreiz für das Pay-TV, mehr Geld zu zahlen und so den Engländern auf den Fersen zu bleiben?

An den Engländern orientieren wir uns weit weniger, als uns nachgesagt wird. Ich habe Verständnis für Fans, die zusammenzucken angesichts von Schlagzeilen wie „Bundesliga jetzt auch montags“. Vor allem, wenn man zu den 20.000 bis 25.000 Menschen gehört, die sich pro Spieltag auf Auswärtsfahrt begeben. Sicher ist ein Montagsspiel der Bundesliga in der Vermarktung wertvoller als eines der Zweiten, aber das wäre nicht Hauptgrund für diese Anstoßzeit.

Sondern?

Ss ist die Aufgabe der DFL, viele Interessensgruppen unter einen Hut zu bringen. Das ist ein Spagat in alle Richtungen. Fragen Sie mal Schalke und Dortmund, die am Donnerstag in der Europa League ran müssen. Die sind alles andere als erfreut, wenn sie keine 48 Stunden später wieder in der Liga spielen müssen. Wir versuchen aus diesem Grund, unsere Europapokal-Teilnehmer zu entlasten mit zehn Spielen, die sie nicht Samstag bestreiten müssen.

Und kommen damit den Amateuren ins Gehege, die den Sonntag beanspruchen.

Um den Amateuren entgegen zu kommen, sind fünf Entlastungsspiele für den Sonntag geplant und die anderen für den Montag, worüber sich nun einige Fans beschweren. Andere Ligen machen es sich einfacher und ignorieren alle Interessen – außer den monetären. Uns unterstellt man das manchmal auch, aber ich glaube nicht, dass das haltbar ist.

Was meinen Sie?

Zum Beispiel jubelt alle Welt Spanien zu, weil sie zweimal hintereinander die Champions League und die Europa League gewonnen haben. Aber dort gibt es für zehn Spiele zehn verschiedene Anstoßzeiten. Eine beispielsweise samstags um 22 Uhr. Ich habe nicht den Eindruck, dass sich dort jemand um mitreisende Fans schert. Und die Anstoßzeiten werden dort jetzt noch einmal verändert, um die Auslandserlöse zu maximieren.

Ist das hierzulande auszuschließen?

Wir haben solche Maßnahmen bisher bewusst vermieden. Ih sehe so ein Szenario auch für die Zukunft nicht.

Fühlen Sie sich missverstanden von den organisierten Fans?

Nein. Es liegt an uns, unsere Maßnahmen überzeugend zu kommunizieren.

Gibt es noch weitere Neuerungen?

Wir denken darüber nach, eines der Freitagsspiele der Zweiten Liga auf den Samstag zu legen, weil wir anerkennen, dass Auswärtsreisen am Freitag eine logistische Herausforderung sind. Das wären etwa 30 Spiele, bei denen Fans künftig besser reisen können.

Die Inlandsvermarktung brachte zuletzt 628 Millionen Euro pro Jahr. Fällt diesmal die Milliardengrenze?

In England habe ich zwei Groß-Unternehmen mit Milliardengewinnen, die nationale Fußball-Fernsehrechte wollen: BT und Sky. Da ist es leichter, diese Rechte für große Summen zu veräußern. Es ist realistisch, dass die Summe aus In- und Auslandsvermarktung wie in Spanien und Italien über einer Milliarde Euro liegen wird (2016/17 ca. 835 Mio.; d.Red.). In England liegt sie bei 3,2 Milliarden, insofern wird der Abstand bestehen bleiben. Derzeit ist die Bundesliga die Liga mit dem zweithöchsten Umsatz. Dass dies so bleibt, sollte unser Ziel sein.

Muss es dafür der Sportschau an den Kragen gehen?

Im Gegenteil: Wir planen eine Ausschreibung, in der eine zeitnahe Zusammenfassung im Free-TV am Samstagabend vor 20 Uhr garantiert ist.