London –

Serena Williams fordert Anfeuerung für ihre Gegnerin

Wimbledon erlebt heute das 26. und womöglich letzte Duell gegen Schwester Venus

London –.  Oracene Price ist sich noch nicht sicher, wo sie diesen Montagnachmittag verbringen will. Den Tag, an dem ihre Töchter Venus, 35 (Foto), und Serena, 33, auf Wimbledons Centre Court gegeneinander antreten, im Achtelfinal-Duell, in Episode 26 des Klassikers namens „Sister Act“: „Vielleicht gehe ich in die Stadt. Fahre ich Riesenrad oder schieße ein Bild von Big Ben“, sagte die Mutter mit gequältem Lächeln. Als sie auf der Spielerterrasse des All England Club über das Match sprach, da brauchte es nicht lang, um zu wissen: Vergnügungssteuerpflichtig ist das alles nicht. Für Venus und Serena, für die große Familie, aber speziell für die Mutter, die den Laden zusammenhält, auch jetzt noch. „Ich bin froh, wenn dieser Tag vorbei ist“, sagte Price.

Oft wird es so ein Duell nicht mehr geben, vielleicht nie mehr. „Ich kann nur raten: Genießt es, solange es noch geht“, sagt die große Martina Navratilova. Denn viel ist passiert seit dem letzten Duell im Finale 2009: Serena schwebte nach einer Lungenembolie in Lebensgefahr, musste ein Jahr lang pausieren. Und Venus wurde vom Sjögren-Syndrom heimgesucht, einer schweren Autoimmun-Krankheit, die stark an körperlicher Energie und Leistungskraft zehrt. „Ich finde einfach bewundernswert, dass Venus immer noch da ist. Nach allem, was sie durchgemacht hat. Und noch durchmacht. Sie ist meine ganz große Heldin“, sagt Serena, „als Zuschauerin würde ich sie anfeuern.“

Bestimmt haben sie beide das Frauentennis in den letzten anderthalb Jahrzehnten, auch und gerade in Wimbledon. Erst stieg Venus, die hochgewachsene Athletin, zur schier unbezwingbaren Rasenmeisterin auf. Dann kam Serena, die kompakte Kämpferin, die Spätberufene, die sich in reifen Jahren immer mehr zur Jägerin aller nur möglichen Tennisrekorde entpuppte. Beide gewannen sie jeweils fünf Wimbledon-Titel, bis heute haben sie sogar 27 Grand Slam-Trophäen gesammelt, Serena 20 und Venus sieben. Und noch dazu holten sie 13 gemeinsame Doppeltitel. „Ihre Klasse und Stärke, das ist unübertrefflich“, sagt der bekannteste Tennistrainer der Welt, Nick Bollettieri. Leicht favorisiert ist für Bollettieri die Weltranglisten-Erste Serena, die auch 14:11 der familiären Rivalität führt.

Natürlich gehören zu diesen Spielen immer auch die Spekulationen über eine hausinterne Regie. Zieht etwa Daddy Richard Williams im fernen Florida die Fäden, umso mehr, da Serena den Allzeit-Rekord von 24 Grand Slam-Titeln einstellen, gar übertreffen kann? „Du spielst dein Match, egal, wer auf der anderen Seite des Netzes steht. Du gehst raus, machst deinen Job. Und zwar so gut wie möglich“, sagte Venus. Und eins ist auch klar: Die Verliererin wird die Gewinnerin danach bedingungslos anfeuern.