Berlin –

Schöneborns Gold übertönt alles

In Hörweite von Helene Fischer haben die Fünfkämpfer kaum WM-Zuschauer. Wenigstens stimmt das deutsche Ergebnis

Berlin –. Mit der siebenten und letzten Entscheidung im Mixed, die die beiden Potsdamer Janine Kohlmann und Christian Zillekens beim Sieg Tschechiens als Siebte beendeten, endete am Sonntag im Berliner Olympiapark die 55. Weltmeisterschaft im Modernen Fünfkampf. Den Höhepunkt hatte das Championat zweifellos schon am Vortag erlebt. Da zeigte die Wahl-Berlinerin Lena Schöneborn, 28, in einem atemberaubenden Ganztages-Auftritt bei brütender Hitze von 9.45 Uhr morgens bis 19 Uhr am Abend, wie faszinierend ihr Sport sein kann. „Es ist beeindruckend, wie sie den Medienrummel weggesteckt hat“, schwärmte der deutsche Weltverbandspräsident Klaus Schormann: „Ich habe einen hohen Respekt vor ihrer Lebensleistung. Sie kann sehr stolz sein.“

Schöneborn, seit dem Olympiasieg 2008 hierzulande längst die Personifizierung des Pentathlons, hatte mäßig begonnen, lag auf Rang 28 nach dem Schwimmen. Dann aber kam das Fechten, und in dem war sie nach eigener Aussage „Bombe“, katapultierte sich mit einer im Fünfkampf bis dato nie erreichten Weltrekord-Bilanz von 30:5 Siegen auf Platz 2 vor. Auch im Reiten blieb sie ohne Abwurf, hatte nur ein paar Zeitfehler – im Ergebnis ging sie als Erste ins abschließende Combined aus Laufen und Schießen. Hier begnügte sie sich nicht mit der Verteidigung des Vorsprungs, sondern baute ihn auf 23 Sekunden aus. Ihre Schießeinlagen waren von frappanter Prägnanz. Vier Mal traf sie per Laserpistole die fünf Ziele, brauchte dafür nur 23 Versuche. In Verbindung mit ihrer Laufstärke, mit der sie schon oft das Feld von hinten aufgerollt hatte, war sie an diesem Tag quasi unschlagbar. Als Belohnung gab es zudem das Ticket für Olympia in Rio. Die erstmals in größerer Zahl anwesenden Zuschauer – es mögen 500 bis 600 gewesen sein, während Helene Fischer in Hörweite das Olympiastadion füllte – waren begeistert.

Natürlich auch Schöneborns Freund Alexander Nobis, der sein Gold-Stück schon beim WM-Auftakt vollbracht hatte, als er mit dem Potsdamer Marvin Dogue die Staffel gewann. Nun bildet der 25-jährige mit seiner drei Jahre älteren Partnerin, mit der er gemeinsam eine Wohnung in der Hauptstadt hat, ein echtes Gold-Paar und ließ sich gemeinsam mit Lena von deren aus der alten Heimat in Bonn-Troisdorf angereisten Familie mit Sekt abduschen.

Die besonderen Zutaten ihres Triumphes realisierte Schöneborn mit Verzögerung. Der erste Einzel-Titel für eine deutsche Fünfkampferin? „Ach ja? Schön, ich bin ganz happy damit!“ Und der Druck bei der Heim-WM? „Druck ist überall, und hier waren meine Freunde dabei.“ Sie wirkte entschlossen, so als könne Sie nichts aufhalten. „Neiiiin, ich wollte nur ein wenig mitlaufen.“

Auch der Freund will nach Rio

Freund Alexander hatte beim Finale schon früh die Ahnung, dass die Aussichten für eine Gold-Verdopplung des Haushaltes gut standen: „Beim Reiten war ich ziemlich aufgeregt, da weiß man nie, was passiert. Aber beim Einschießen war Lena so was von ruhig, hat die Treffer ganz sauber platziert, dass ich sehr zuversichtlich war.“

Nun will er in Sachen Olympia natürlich unbedingt nachziehen. Bei der EM Ende August, wo acht weitere Tickets für Rio vergeben werden, ist er nicht dabei. „Ich setze auf das nächste Jahr und die für die Qualifikation dann wichtigen Wettkämpfe. Und dann hoffe ich, das wir zusammen als Aktive an den Zuckerhut fahren können ...“

Die denkbar beste Psychologin, die weiß, wie es geht, hat er schon mal an seiner Seite. Mit Schöneborns Auftritt hatte die WM, deren Austragung relativ kurzfristig von Leipzig nach Berlin gewechselt war, ein gutes Ende für den Deutschen Verband für Modernen Fünfkampf (DVMF) und seinen seit einem Jahr amtierenden neuen Präsidenten Olaf Kleidon. Dass es zwischendurch einige Klemmstellen gab – Ausfälle der Laserschießanlage, keine optimale medizinische Versorgung nach dem Reitersturz der Kasachin Potapova, keine Getränke- oder Speisenversorgung für Zuschauer vorm Schlusswochenende, keine Ausschilderung, kaum Plakatierung und somit Zuschauerwerbung vorab - all das sah auch Kleidon. „Wir haben versucht, dass im Laufe der Tage zumindest partiell abzustellen. Das Engagement der Mitarbeiter war unter den gegebenen Umständen großartig. Von den internationalen Gästen haben wir viel Lob bekommen – auch im Vergleich zu Veranstaltungen anderswo.“ Richtig sei aber, dass „wir uns noch in vielen Dingen verbessern können und müssen“.