Utrecht -

Tony Martin verpasst Gelb um fünf Sekunden

Australier Dennis überrascht beim Zeitfahren zum Auftakt der 102. Tour de Franc

Utrecht -.  Das Gelbe Trikot bleibt vorerst ein unerfüllter Traum für Tony Martin: Der dreimalige Zeitfahr-Weltmeister hat den ersehnten Traumstart in die 102. Tour de France verpasst und ist um fünf Sekunden am Tagessieg vorbeigefahren. Der 30 Jahre alte Cottbuser vom Team Etixx-Quick Step landete beim 13,8 km langen Auftaktzeitfahren im niederländischen Utrecht auf Platz zwei hinter Überraschungssieger Rohan Dennis (Australien/BMC). „Ich bin super enttäuscht“, sagte Martin: „Ich bin hierhin gekommen, um Gelb zu holen. Das habe ich nicht geschafft, das ist sehr bitter.“ Schon im Winter hatte er den Triumph in Utrecht als Saisonziel ausgegeben, nach vier Tour-Etappensiegen sollte es mit dem Sprung ins Gelbe Trikot klappen – der Kurs schien wie auf Martin zugeschnitten.

„In der zweiten Hälfte ist mir aber auf der langen Geraden die Kraft ausgegangen“, sagte Martin nach der Hitzeschlacht bei deutlich über 30 Grad. Sieger Dennis, der im Februar schon einmal den Stundenweltrekord verbessert hatte und in Utrecht zwei Stunden vor Martin auf die Strecke gegangen war, raste mit 55,446 km/h durch den Kurs und trug sich mit dem schnellsten Zeitfahren der Tour-Historie in Geschichtsbücher ein: 1994 hatte der Brite Chris Boardman den Prolog in Lille (7,2 km) mit einem Schnitt von 55,152 km/h abgespult, den bisherigen Bestwert bei einem längeren Zeitfahren David Zabriskie (USA) mit 54,676 km/h 2005 über 19 km erzielt.

Die Topfavoriten hielten sich zurück: Titelverteidiger Vincenzo Nibali (Italien/Astana) kam auf Platz 22. Chris Froome (Großbritannien/Sky), Sieger von 2013, auf Rang 39 und der zweimalige Tour-Sieger Alberto Contador (Spanien/Tinkoff-Saxo) wurde 46.

Überschattet wurde der Auftakt von einer neuerlichen Astana-Affäre. Teamchef Alexander Winokurow hatte den Niederländer Lars Boom fahren lassen, obwohl dieser durch einen zu niedrigen Cortisolwert im Gesundheitscheck aufgefallen war. Nach den Richtlinien der MPCC, der Bewegung für einen glaubwürdigen Radsport, der Astana beigetreten ist, hätte Boom eine achttägige Schutzsperre absitzen müssen.

Aber Winokurow, der als Aktiver 2007 als Doper überführt und gesperrt worden war, setzte sich darüber hinweg und verwies auf die Richtlinien des Weltverbandes UCI. Ein erhöhter Cortisolwert ist nicht zwingend ein Anzeichen für Doping, Boom setzte offensichtlich ein durch ein ärztliche Attest gedecktes Kortison-Spray ein.