Berlin –

Das nächste Gold für die Weltmeister-Wohnung

Bei ihrem Heimspiel in Berlin feiert Fünfkämpferin Lena Schöneborn einen lang ersehnten Erfolg

Berlin –.  Sie hatte allem getrotzt. Diesen 38 Grad Celsius, die am Sonnabend fast Berliner Hitzerekord bedeutet hätten, aber vor allem: dem enormen Erwartungsdruck bei der Heim-WM der Modernen Fünfkämpfer. Der Ansturm der Liebsten war da eine relativ leichte Übung für Lena Schöneborn. Zuerst durfte Lebensgefährte Alexander Nobis der neuen Einzel-Weltmeisterin mit einem Siegerkuss gratulieren. Anschließend war die aus Bonn-Troisdorf angereiste Familie dran. Mit einer standesgemäßen Sektdusche feierten die Schöneborns kurz hinter dem Zielstrich im Berliner Olympiapark den ebenso beeindruckenden wie historischen Sieg der Olympiasiegerin von 2008 in Peking.

Nun, sieben Jahre später, hat „Gold-Lena“ auch den ersehnten Einzel-Titel gewonnen – als erste Deutsche. „Ich bin total erleichtert und völlig happy. Jetzt können wir ein bisschen feiern“, kommentierte die 29 Jahre alte Wahl-Berlinerin, die noch immer für ihren Heimatclub Bonn startet, ihren souveränen Sieg bei unmenschlichen Temperaturen in der Hauptstadt. Das Lob prasselte von allen Seiten auf die neue Weltmeisterin ein. „Das war Weltklasse. Lena hat einen perfekten Wettkampf abgeliefert“, erklärte Bundestrainerin Kim Raisner, die noch vor zehn Jahren mit Schöneborn WM-Gold in der Team-Wertung geholt hatte.

Erst miserabel, dann bombig

Nach mehreren vergeblichen Titel-Anläufen, bei denen einmal Silber und zweimal Bronze heraussprang, stand die vielseitige Athletin beim Heimspiel unter besonderen Erfolgsdruck. Das merkte man besonders zu Beginn des Wettbewerbs, als das Finale der besten 36 mit dem Schwimmen begann. „Das Schwimmen war miserabel, das Fechten danach aber bombig“, sagte Schöneborn. Mit der grandiosen Bilanz von 30 Siegen und fünf Niederlagen mit dem Degen übertraf sie sogar ihren Rekord von Peking 2008, als ein 28:7-Resultat den Grundstein zum späteren Olympiasieg legte.

„Das war eine fantastische Leistung. Mir haben vor allem die vielen Finten und Paraden, aber auch ihr taktisches Verständnis gefallen“, lobte sogar Fecht-Olympiasieger Britta Heidemann den Glanzauftritt auf der Planche. Beim Reiten behielt Schöneborn die Ruhe, obwohl kurzfristig der Zügel gerissen war. So startete sie als letzte Reiterin, dirigierte ihr Pferd Ordynat ohne Abwurf und lediglich neun Zeitfehlern über den Parcours. Das bedeutete die Führung mit neun Sekunden Vorsprung vor dem abschließenden Combined-Wettbewerb aus Laufen und Schießen.

Und auch mit dieser ungewohnten Rolle kam die starke Läuferin, die meistens in der letzten Disziplin das Feld von hinten aufrollen muss, bestens klar. Mit dem riesigen Vorsprung von 23 Sekunden verwies Schöneborn die Chinesin Chen Qian und Yane Marques aus Brasilien auf die Plätze zwei und drei. „Die Beine wollten gar nicht mehr. Wir haben schließlich noch die Team-Medaille ein bisschen im Blick, deshalb habe ich noch ein bisschen mehr gegeben“, erklärte die Weltmeisterin.

Qualifikation für Rio 2016

Auch dieser Plan ging auf. Hinter Polen und vor Ungarn sicherte sich das Trio Schöneborn, Janine Kohlmann und Annika Schleu die Silbermedaille. Damit wird es in der Weltmeister-Wohnung von Schöneborn langsam eng an der Wand. Bereits am Mittwoch hatte Freund Alexander Nobis Gold in der Staffel geholt. „Wir werden alle Medaillen aufhängen“, versprach der Berliner. Und eine weitere ist in Aussicht. Durch ihren WM-Titel ist Schöneborn für die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro qualifiziert. Die Temperaturen am Zuckerhut sollten nach der Hitzeprobe von Berlin kein Problem sein.