Berlin

ARD droht mit Abkehr vom Sport

Neuer TV-Vertrag des IOC löst bei Fachverbänden Angst vor dem Verlust wichtiger Einnahmen aus

Berlin.  Die vorläufige Ausbootung von ARD und ZDF bei den Fernsehrechten für die Olympischen Spiele von 2018 bis 2024 löst im deutschen Sport Sorgen aus. Auch, weil die ARD nach dem 1,3 Milliarden Euro schweren TV-Coup des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) mit dem US-Medienkonzern Discovery (betreibt u.a. Eurosport) nun erwägt, den Umfang der Sportübertragungen zu reduzieren. „Die Berichterstattungsstrategie von ARD und ZDF basierte bislang darauf, Olympia-Sender zu sein und den olympischen Kernsportarten auch in der Zeit zwischen den Spielen ein massenattraktives Programmumfeld anzubieten“, sagte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky. „Ob dies auch in Zukunft sinnvoll erscheint, werden wir prüfen müssen.“ TV-Produktionen nationaler Events seien sicherlich zu überdenken.

Manch einer hält das nur für Säbelrasseln für die Verhandlungen über Sublizenzierungen, die ARD und ZDF nun ja suchen müssen, da sie durch den Rundfunkstaatsvertrag verpflichtet sind, Olympia in ihr Programm aufzunehmen. Der Vorstandschef im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), Michael Vesper, sieht daher eher neue Möglichkeiten für den Sport: „Es gibt die Chance, dass das Angebot breiter wird und nicht nur im klassischen Fernsehen zu sehen sein wird, sondern auch auf anderen Plattformen, die gerade von jungen Leuten immer mehr genutzt werden.“

Discovery bestätigte zudem, dass langfristig eine Kooperation mit dem geplanten Olympia-Kanal des IOC vorgesehen ist. Angst vor dem Verlust der journalistischen Distanz haben die Amerikaner dabei offenbar nicht. IOC-Präsident Thomas Bach hat die Etablierung des Olympia-Kanals zur Chefsache gemacht, war dafür nun sogar bereit, auf Mehreinnahmen durch Einzelvergaben von TV-Rechten zu verzichten, weil er im Discovery-Ableger Eurosport offenbar den perfekten Partner gefunden hat, um seinen Wunsch zu realisieren.

Die Sportausschuss-Vorsitzende des Deutschen Bundestages, Dagmar Freitag (SPD), kritisierte das IOC dennoch für den TV-Deal: „Eine eingeschränkte Berichterstattung von Olympischen Spielen ist für mich keine adäquate Berichterstattung.“ Frank Steffel, Füchse-Präsident und CDU-Bundestagsabgeordneter, sieht das Thema spezifischer: „Statt Hunderte von Millionen für Fußball auszugeben, könnten ARD und ZDF Geld in die Übertragung von vielen anderen hochattraktiven und populären Sportarten investieren. Dafür erwarte ich auf von den Rundfunkräten, dass die Mittel für Sport nicht gekürzt werden, um diesen Sportarten eine Chance auf mediale Berichterstattung zu ermöglichen.“

Bei einigen Sportverbänden außerhalb des Fußballs geht nun nämlich die Furcht um, dass der Bildschirm während ihrer Topveranstaltungen noch öfter schwarz bleiben könnte. „Für den deutschen Sport würde eine sehr schwierige Situation entstehen“, warnte Leichtathletik-Präsident Clemens Prokop. „Deshalb muss alles getan werden, um eine vernünftige Lösung zu finden.“ Weniger Sportpräsenz bei den Öffentlich-Rechtlichen könnte vor allem kleinere Verbände bedrohen. „Das hätte fatale Einschnitte für uns“, sagte Stefan Knirsch, der Sportdirektor Snowboard Germany. ARD und ZDF seien mit ihren Sendereichweiten die Partner, die man braucht, um Veranstaltungen durchführen und über Sponsoren refinanzieren zu können. „Sie müssen sich weiter um unsere Sportarten kümmern“, forderte daher auch Basketball-Präsident Ingo Weiss.

Der Zuschlag für Discovery mit seinem Eurosport-Sendern könnte sogar die Bewerbung des Olympia-Kandidaten Hamburg um die Ruder-WM 2019 gefährden. Bestandteil der Bewerbung sind Fernsehgarantien. „Ich habe mit dem ARD-Koordinator Balkausky telefoniert. Er konnte keine Auskunft geben, wie es weitergeht. Wir sind etwas ratlos“, sagte DRV-Präsident Siegfried Kaidel.