Berlin

Für Olympia muss Hrubesch sein Team komplett umbauen

Nach dem Sprung ins Halbfinale der U21-Europameisterschaft entbrennt die Diskussion, welche Spieler mit nach Rio fahren

Berlin.  In den Köpfen der deutschen U21-Nationalspieler waren die Gedanken nach dem 1:1 bei der Europameisterschaft gegen Gastgeber Tschechien weit entfernt von den Olympischen Spielen 2016. Freude und Jubel galten dem Halbfinaleinzug, die damit verbundene Qualifikation für das olympische Fußballturnier in Rio verstand das Team allenfalls als nette Zugabe. „Das ist nur ein Etappenziel. Wir wollen Europameister werden. Und das beinhaltet die Olympia-Teilnahme“, sagte Weltmeister Matthias Ginter. Mittelfeldspieler Emre Can ist froh, „die Qualifikation geschafft zu haben. Aber jetzt wollen wir den Titel“.

Die Diskussion, welche Fußballer das Land bei den Sommerspielen 2016 vertreten sollen, hatte allerdings schon vor der erfolgten Qualifikation eingesetzt. Das Reglement lässt Trainer Horst Hrubesch bei der Nominierung viel Spielraum. Neben Spielern der Geburtsjahrgänge 1993 und jünger, darf jedes Land drei ältere Spieler im Kader haben. Sogar das Comeback bereits zurückgetretener Nationalspieler wird diskutiert.

Philipp Lahm? Miroslav Klose? Per Mertesacker? Das Trio hat gute Erinnerungen an Rio. Ebenso Mario Götze, Thomas Müller und all die anderen Weltmeister, die theoretisch auch mitfahren könnten. Hrubesch aber wolle zunächst die Spieler fragen, die das Ziel erreicht haben: „Wenn sie freigestellt werden, werden wir sie mitnehmen.“

Was allerdings nicht für alle gelten kann. Die Torhüter Marc-André ter Stegen und Bernd Leno sowie Julian Korb, Robin Knoche, Felix Klaus, Moritz Leitner, Yunus Malli und Kapitän Kevin Volland sind vor dem Stichtag geboren. Hrubesch kann allenfalls drei von ihnen nominieren, wenn er denn tatsächlich auf Lahm und Co. verzichtet. Und immer vorausgesetzt, die Profis selbst wollen das olympische Fußballturnier vom 3. bis 20. August auch spielen. Volland erklärte bereits, sich nach dem Turnier „auf die A-Nationalmannschaft konzentrieren“ zu wollen. Und auch ter Stegen, Champions-League-Sieger mit dem FC Barcelona, ist bei Bundestrainer Joachim Löw als Ersatzmann für Manuel Neuer eingeplant. Vor dem Hintergrund, dass zwischen dem 10. Juni und 10. Juli in Frankreich die EM ausgetragen wird, könnten Volland und ter Stegen vor der Frage stehen, ob sie dem Bundestrainer absagen sollen, um die einmalige Chance auf Olympiagold zu wahren – oder umgekehrt.

Allerdings waren auch Doppelteilnahmen in der Vergangenheit keine Seltenheit. 1988 spielten mit Jürgen Klinsmann, Frank Mill, Wolfram Wuttke und Gunnar Sauer vier Spieler sowohl bei der Europameisterschaft in Deutschland, als auch anschließend bei den Olympischen Spielen in Seoul.

Sechsmal in Folge war der DFB danach in der Qualifikation gescheitert, für die seit 1992 das Abschneiden bei der U21-EM gilt. Der Europameistertitel fiel 2009 in ein nacholympisches Jahr. Ansonsten erreichte die deutsche Elf bei den alle zwei Jahre ausgetragenen Turnieren nie das Halbfinale. Nun tritt in Rio erstmals seit 1936 eine gesamtdeutsche Fußballmannschaft an.

„Das war ja höchste Zeit. Ein olympisches Turnier ist nicht irgendwas. Das ist eine wichtige, tolle Sache“, sagte Hannes Löhr, der 1988 als Trainer Bronze gewann. In Prag fand sich zumindest ein Enthusiast: „Meine ganze Familie dreht durch. Die haben schon gebucht. Ich muss jetzt schon beim DFB Tickets anfordern, damit ich genug für meine Familie habe“, sagte Leonardo Bittencourt, in Deutschland geborener Sohn brasilianischer Eltern.