Berlin

Obradovic bekennt sich zu Alba

Serbischer Trainer lässt Wechseloption ungenutzt und führt Berlins Basketballklub bis 2016

Berlin.  Als die Basketball-Bundesliga (BBL) kurz nach dem Meisterschaftsfinale ihre Saisonbilanz veröffentlichte, gab es erwartungsgemäß positive Nachrichten für Alba Berlin. Mit 10.216 Besuchern pro Partie wurden die Hauptstädter wieder einmal zum Zuschauerkrösus, weit vor dem neuen Deutschen Meister Brose Bamberg (6800) oder Vorjahreschampion Bayern München (6162). Der Mittwoch hielt dann aber noch eine bessere und auch wichtigere Neuigkeit parat: Sasa Obradovic bleibt auch in der nächsten Saison Cheftrainer bei den Berlinern.

Der 46-Jährige hat seit 2012 das Sagen bei Albas Profiteam und dabei für einen nachhaltigen Aufwärtstrend gesorgt. Vor allem international machten die Berliner zuletzt auf sich aufmerksam wie noch nie, unter anderem mit Siegen gegen den NBA-Champion San Antionio Spurs oder den Euroleague-Champion Maccabi Tel Aviv. Das führte aber auch dazu, dass Obradovic für interessante Jobs in noch wohlhabenderen Ligen ins Gespräch kam, unter anderem soll er beim spanischen Spitzenklub BC Valencia und Panathinaikos Athen Kandidat gewesen sein. Obradovic besaß zwar bei Alba einen laufenden Vertrag bis 2016, allerdings mit der einseitigen Option für einen vorzeitigen Ausstieg.

Berlin ist seine zweite Heimat

Diese Klausel war allerdings mit einer zeitlichen Begrenzung versehen worden, um mit den Personalplanungen für die nächste Spielzeit nicht in Verzug zu geraten. Und nun hat Obradovic früh für klare Verhältnisse gesorgt und sich zum Verbleib in Berlin entschlossen. „Unser Projekt ist noch lange nicht beendet“, erklärte der Serbe, der sich nach dem Ausscheiden im Play-off-Halbfinale gegen Bayern München (2:3 Siege) eine Bedenkzeit genommen hatte. „Berlin ist die zweite Heimat für mich und meine Familie, wir fühlen uns hier zuhause. Ich freue mich auf die Herausforderungen der neuen Saison. Wir werden alles daran setzen, die guten Ergebnisse der letzten Jahre zu wiederholen.“

Im Klub sorgt das Bekenntnis natürlich für Erleichterung. Denn wäre bei einem Topklub wie beispielsweise Real Madrid ein Trainerposten zu vergeben gewesen, hätte die Entscheidung leicht auch anders ausfallen können. „Ich hatte die ganze Zeit schon das Gefühl, dass unsere Zeit noch nicht zu Ende ist“, betonte jedoch Geschäftsführer Marco Baldi gegenüber der Berliner Morgenpost: „Wir haben zusammen mit Sasa hier einen Identitätskern mit Herz und Leidenschaft hergestellt und wir waren nah dran, etwas zu gewinnen, haben es aber eben noch nicht geschafft. Insofern ist es gut und folgerichtig, dass wir es weiter gemeinsam angehen. Und Sasa hat sicher auch die Zuneigung in der Stadt gespürt und weiß zu schätzen, was er hier hat: eine tolle Stadt, tolle Fans und einen Klub, der ihn voll unterstützt. Das ist für einen Trainer immer ein hohes Gut.“

Wichtig wird nun sein, die Zusammenstellung des Kaders in den nächsten acht Wochen clever voranzutreiben. Um die „starke Basis an deutschen Spielern“ (Baldi) um Kapitän Alex King, Niels Giffey und Akeem Vargas gilt es wieder starke und doch bezahlbare Ausländer zu gruppieren. Reggie Redding ist schließlich bereits Richtung Istanbul abgewandert, und ob Alex Renfroe, Leon Radosevic, Cliff Hammonds, Jamel McLean und Marko Banic bleiben, ist noch ungewiss, nach ihren starken Auftritten in der Euroleague erhalten sie sicher auch interessante Angebote. „Natürlich tut es immer weh, solche liebgewonnenen Typ zu verlieren, aber wir wussten, dass es passieren kann, wenn unser Konzept aufgeht, auf Spieler mit viel Entwicklungspotenzial zu setzen. Deswegen sehe ich diesen Wansdel letztlich immer auch als Chance“, so Baldi.

Anfang Juli wird Albas Sportdirektor Mithat Demirel in die USA zur Summer League der NBA reisen. Meist kommen Spielertransfers richtig in Gang, wenn die NBA-Teams ihre Kader besetzt haben.

Montag berät die Euroleague

Baldi hofft darauf, dass es im Zusammenspiel mit Obradovic und Demirel erneut gelingt, eine Mannschaft mit „besonderer Chemie und großer Geschlossenheit“ zu bilden, mit möglichst ebenso vielen Volltreffern bei der Auswahl der Charaktere („Nicht jeder Spieler passt auch zu Sasa“) wie im Vorjahr. Doch trotz aller Basketball-Kompentenz im Alba-Netzwerk ist für Baldi aber auch klar: „So eine Rekrutierung letztlich immer auch eine Sache des Glücks.“

Wichtig bei der Ansprache potenzieller Zugänge wird aber auch sein, was Alba als Spielprogramm anbieten kann. Daher schaut Baldi gespannt zur Euroleague-Sitzung am kommenden Montag. Alba hofft wie Bayern München auf eine Wildcard, aber auch andere große Namen Europas wie Mailand oder Tel Aviv sind diesmal darauf angewiesen. „Das ist eine komplizierte Situation, aber die Herren werden das Richtige entscheiden“, sagte Baldi. Schließlich kam Alba zuletzt so weit wie kein anderer deutscher Verein zuvor. Außerdem trägt Berlin 2016 sogar das Euroleague-Finale aus.