London

US-Investor will für sieben Milliarden die Formel 1 kaufen

Neue Spekulation um die Zukunft der Königsklasse

London.  Die Formel 1 bleibt im Gespräch, zumindest bei den Finanzspekulanten. Rund sieben Milliarden Euro könnten den Besitzer wechseln, wenn US-Milliardär Stephen Ross ernst macht mit seinem Versuch, die Königsklasse des Motorsports zu übernehmen. Eine schwer nachvollziehbare Summe angesichts sinkender TV-Quoten, erschreckend leerer Tribünen an den Rennstrecken und der durch die Mercedes-Dominanz herrschenden Monotonie.

Nicht ganz einfach auch zu verstehen angesichts einer (wenig energisch dementierten) Aussage von Formel-1-Chefvermarkter Bernie Ecclestone. „Ich saß zuletzt mit einigen Ingenieuren zusammen“, wurde der 84-Jährige nach einem Gespräch mit der französischen Nachrichtenagentur AFP zitiert, „und ich habe ihnen gesagt: Ich war schon mein ganzes Leben ein guter Verkäufer, aber jetzt habt ihr mir ein beschissenes Produkt gegeben. Und das muss ich an den Mann bringen.“

Was die Qualität des Produkts Formel 1 angeht, scheint es unter den potenten Investoren aber deutlich differenziertere Ansichten zu geben. Am Geld dürfte der Besitzerwechsel auf jeden Fall nicht scheitern. Der 75 Jahre alte Ross, fest integriert im weltweiten Immobilien-Geschäft (ihm gehören aber auch die Miami Dolphins aus der amerikanischen Football-Profiliga NFL), wird auf ein Privatvermögen von sechs Milliarden Euro geschätzt. Zudem soll er nach Erkenntnissen der „Financial Times“ gute Kontakte zur katarischen Sports Investment (QSI) unterhalten.

Ross will zusammen mit den Katarern, Besitzer des französischen Fußball-Meisters Paris Saint-Germain, zunächst 35,5 Prozent von der Londoner Firma CVC Capital und deren Chef Donald Mackenzie übernehmen. Darunter die knapp fünf CVC-Prozent von Ecclestone. Eigentümer der Formel 1 ist seit 2005 die Firma CVC Capital Partners, eine der zehn größten Kaptitalbeteiligungsgesellschaften der Welt. Mittelfristig plant QSI die Übernahme der gesamten Formel-1Anteile. Dem QSI-Unternehmensgeflecht gehören auch 17 Prozent des VW-Konzerns.

Ecclestone, so heißt es, soll mit seiner Erfahrung vorläufig weiter das operative Geschäft leiten. Vor allem für die Märkte in China und den USA sei der Brite wichtig. In beiden Nationen spielt die Formel 1 bislang aber eine nur kleine Rolle. Inwieweit Ecclestone da Abhilfe schaffen könnte, bleibt ein Geheimnis. Was im Prinzip auch für den oft als Nachfolger genannten Red-Bull-Teamchef Christian Horner gilt. Der 41 Jahre alte Engländer empfindet das zwar als „sehr schmeichelhaft“, legt sich aber noch nicht fest. „Meine Mission ist es, Red Bull zurück auf die Siegesspur zu bringen. Aber wie kannst du voraussagen, was in der Zukunft um dich herum passiert“, sagt Horner.

Ecclestone und CVC-Boss Mackenzie werden zwei Dinge zu tun. Erstens: Die Seriosität des Angebotes prüfen. Zweitens: eifrig rechnen, ohne dabei die Entwicklungsmöglichkeiten der Formel 1 außer acht zu lassen. Andererseits: Nach knapp zehn Jahren dürfte sich das Investment gerechnet haben, nicht zuletzt wegen der jährlichen Gewinnausschüttungen in dreistelliger Millionenhöhe aus den Formel-1-Einnahmen.

Immer für ein Geschäft offen

CVC erwarb 2005 die Mehrheit der Anteile am Unternehmen Slec Holdings. Slec ist, vereinfacht ausgedrückt, das Konstrukt, das die Formel 1 betreibt. Seit Jahren halten sich Gerüchte, wonach CVC die Formel 1 schrittweise ganz abstoßen wolle.

Bereits 2012 hatte man abkassiert, als 21 Prozent der Anteile für umgerechnet 1,25 Milliarden Euro an das amerikanische Unternehmen Waddell und Reed, die Norges Bank aus Norwegen und das US-Investmenthaus BlackRock verkauft worden waren. Ein lohnendes Geschäft, denn CVC kassierte rund das Dreifache dessen, was für die fraglichen Anteile ursprünglich bezahlt worden war. Wen interessiert da noch, was auf und neben den Rennstrecken passiert?