Kampfsport

Ultimate Fighting - Berliner Ex-Polizist steigt in den Käfig

Nick Hein kündigte bei der Bundespolizei, um als Ultimate-Kämpfer Karriere zu machen. Am Wochenende kämpft er in seiner neuen Heimat Berlin.

Foto: Markus Schreiber / AP/Schreiber

Das Unheil steckte verborgen in einem Einschreibebrief. Adressiert an Nick Hein in Köln. „Mein Arbeitgeber, die Bundespolizei, forderte mich ohne Wenn und Aber auf, meine sportlichen Aktivitäten im Bereich Mixed Martial Arts zu beenden. Andernfalls würde man mir kündigen.“ Wenn der 31-Jährige auf dieses Thema angesprochen wird, fehlt ihm immer noch das Verständnis für die kompromisslose Haltung der Behörde. „Ich stand mit meiner Familie an einem Abgrund, habe nächtelang nicht geschlafen. Dann gab es zum Glück ein paar Menschen, die mir eine Perspektive aufgezeigt haben, und ich habe bei der Polizei gekündigt. Ich bin jetzt Profi. Das Leben ist zu kurz, um seinen Traum nicht zu leben“, sagt der Neu-Berliner und wirkt rundum zufrieden. Auch wenn einige seiner Freunde nicht verstanden haben „warum ich lebenslange Sicherheit gegen den Sport eingetauscht habe“.

Am Sonnabend (Veranstaltungsbeginn 17.45 Uhr) gehört „Sergeant Nick“ in der O2 World zu den Hautkämpfern – bei der US-amerikanischen Ultimate Fighting Championship (UFC), der weltweiten Nummer-eins-Organisation bei den Käfigkämpfern. Käfigkampf und Bundespolizei, wie sollte das denn zusammengehen? „Zuerst mal mit dem ernsthaften Versuch, einen Kompromiss zu finden. Möglicherweise über unbezahlte Freistellungen, um den Polizeietat nicht zu belasten“, sagt Hein, der auf immerhin elf Jahre im Polizeidienst zurückblicken kann.

Zehn Wochen in Thailand

Seinem einstigen Traumberuf, weil er Job und Sport (Hein war einige Jahre der Mitglied der deutschen Judo-Nationalmannschaft) miteinander verbinden konnte. „Alles mit einem Federstrich weg“, lacht der Leichtgewichtler (70 Kilo) und sagt dann: „Es war nicht leicht, die Uniform auszuziehen, aber ich bin noch da, und ich bin glücklich.“ Das trifft auch auf seinen neuen Job zu – Hein gehört zur Belegschaft des Unternehmens Sicherheitsgruppe Berlin (SGB). Dass es Ressentiments – nicht nur bei der Polizei – gegen die Käfigkämpfer gibt, bestreitet der Ex-Cop, wie er bisweilen im Scherz genannt wird, nicht. „Viele davon beruhen auf Unkenntnis. Unser Sport ist mit Regeln versehen, die die Kämpfer schützen, und jeder von uns kämpft freiwillig. Würde es darüber hinaus Dinge geben, die der Allgemeinheit schaden, müssten wir uns verantworten. Aber das ist nicht der Fall“, bricht Hein die Lanze für sich und seine Kollegen. „Bei uns wird auch am Boden weitergekämpft. Das war etwas, das bei der Polizei Unwillen hervorgerufen hat. Gerade Polizisten wissen aber, dass in ihrem Job eine körperliche Auseinandersetzung nicht aufhört, wenn einer am Boden liegt. Für mich blieben da zu viele Ungereimtheiten“, setzt er seinen Schlusspunkt.

Blick über den Tellerrand

Zehn Wochen Trainingslager in Thailand liegen hinter ihm. „Das Klima dort ist ideal, um Gewicht zu machen, es ist immer warm, also sinkt die Gefahr von Zerrungen und ähnlichen Verletzungen. Und die Trainingspartner dort sind extrem fordernd“, zieht der Neu-Profi ein positives Fazit. Drei bis vier Kämpfe pro Jahr hält er für machbar: „Mehr geht nicht, denn allein meine Vorbereitungszeit dauert zehn Wochen. Dazu die Regeneration.“ Letztere gelingt ihm am besten beim Kochen. Die Börse für vier Kämpfe bewegt sich für Nick Hein im Bereich von 80 bis 90.000 Euro – sofern er alle gewinnt. Im UFC-Schema gibt es einen Grundbetrag pro Kampf, der im Siegfall verdoppelt wird. Mit steigender Zahl der Siege steigt der Grundbetrag. Und damit dieser künftig auch hübsch steigt, blickt er gern über den Tellerrand: „Ich habe mich riesig gefreut, dass ich im Frühjahr bei Ulli Wegner und den Sauerland-Boxern ein paar Einheiten absolvieren durfte.“ Wie nützlich die Einheiten waren, wird sich am Sonnabend gegen den Polen Lukasz Sajewski, 24, zeigen. Hein sagt mit einem Lächeln: „Aus Niederlagen lernt man. Dieses wertvolle Erlebnis möchte ich Lukasz vermitteln.“